Gicht — Krankheit der Könige
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- 12. Krebs und genetische Erkrankungen
Gicht (Däʾ al-Naqras) – Die Krankheit der Könige
Aus medizinischer Perspektive
Harnsäure ist das Endprodukt des Purin-Stoffwechsels. Der größ te Teil der Harnsäure wird über den Urin ausgeschieden, ein Teil auch über Stuhl. Gicht hat zwei Formen:
1. Primäre Gicht: Ein genetischer Defekt im Harnsäurestoffwechsel, der als autosomal-dominante Eigenschaft vererbt wird. Häufiger bei Männern.
2. Sekundäre Gicht — auch Krankheit der Könige oder Krankheit der Reichen genannt: Hauptursache ist der übermäß ige Konsum von proteinreichen Lebensmitteln, was zu einer erhöhten Harnsäureproduktion führt. Die harnsäurereichsten Lebensmittel: Meeresfrüchte (Austern), rotes Fleisch, tierische Innereien (Leber, Nieren, Gehirn). Auch Bohnen, trockene Kichererbsen und bestimmte Fischarten sind purinreich. Alkohol verringert die Fähigkeit des Körpers, Harnsäure auszuscheiden. Weitere Risikofaktoren: Fettleibigkeit, chronische Niereninsuffizienz.
Auch ein hyperaktiver Zellzerfall — und damit ein übermäß iger Abbau von Nukleoprotein — führt zu einem Harnsäureüberschuss. Dies sieht man bei bestimmten Tumoren, besonders Poly zithämia vera, Leuкämien, und bei zytostatischer Therapie.
Symptome und Behandlung
Gicht manifestiert sich typischerweise als plötzlicher, intensiver Gelenkschmerz — meist am Groß zehengrundgelenk (Podagra), seltener an Knie, Sprüngel oder Handgelenk. Die betroffene Region rötet sich, schwillt an und ist extrem drückempfindlich. Die Behandlung umfasst: Im Akutanfall Colchicin oder NSAR; Langzeittherapie: Allopurinol (hemmt die Harnsäureproduktion); Diät: purinarm, ausreichend Wasser, kein Alkohol.
Aus literarischer Perspektive
Al-Mutanabbî litt an Gicht und schrieb darüber:
Und ich halte meinen Weg nicht inne, auß er wenn das Schicksal mich anhält — wenn mich der Schmerz der Glieder erfü llt, die längst müde sind, mich zu tragen.
(Al-Mutanabbî)
Aus religiöser Perspektive: Das Wunder der Nieren
Prof. Dr. Muḥammad Rätib al-Näbulisî sagt über den Wunderbau der Nieren: Die Niere ist nach dem Gehirn das komplexeste Organ des Menschen. In beiden Nieren zusammen gibt es 2 Millionen Filtereinheiten — je eine Million pro Niere. Jede Filtereinheit ist ein winziger Schlauch (Nephron) mit einem Gefäß (Glomerulus), der sich um sich selbst windet. Der Schlauch filtert pro Minute 125 ml Blut — also 7,5 Liter pro Stunde, 180 Liter pro Tag — und gibt davon nur 1,5 Liter als Urin ab. 99 % des Filtrats werden rückresorbiert.
Nach dem Toilettengang sprach der Prophet ﷺ: {„Gott sei gepriesen, Der mir seinen Genuss kosten ließ, seine Kräfte in mir aufbewahrte und sein Schädliches von mir fernhielt.“} [Schwächer Hadith]. Und es ist überliefert: {„Vergib mir.“} [Authentisch bei Abü Däwüd, eingestuft als gut von al-Albänî]
„Welch ein Dankgebet! Der Mensch erleichtert sich — und sagt „Gott sei Dank“. Warum? Weil er verstanden hat, was in seinem Körper vorgeht: Millionen von Filtern arbeiten unermüdlich, rund um die Uhr, damit sein Körper gereinigt bleibt. Der Gläubige sieht in jeder Körperfunktion ein Zeichen der Göttlichen Vollkommenheit.“
(Prof. Dr. Muḥammad Rätib al-Näbulisî)