Cholera — Medizin, Geschichte und Ṭāhā Ḥusayn
- 1. Cholera — Medizin, Geschichte und Ṭāhā Ḥusayn
- 2. Cholera — al-Zayyāt, Ḥāfiẓ Ibrāhīm und Nāzik al-Malāʾika
Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen.
Die Cholera (al-Hayḍa) oder die gelbe Seuche
Aus medizinischer Perspektive
Die Cholera ist eine akute Infektionskrankheit, verursacht durch Bakterien namens Vibrio cholerae, die ein Darmgift (Enterotoxin) produzieren. Sie geht einher mit schwerem Durchfall und Bauchkrämpfen; der Stuhlgang kann in 24 Stunden 15—20 Liter erreichen — ein wässrig-schleimiger Durchfall, den man „Reiswasser-Durchfall“ nennt. Der Tod tritt durch Austrocknung, Flüssigkeitsverlust und Schock ein.
Cholera wird übertragen durch verseuchtes Wasser oder verunreinigte Gemüse und Nahrungsmittel. Die Krankheit ist endemisch in Indien, China, Pakistan, Birma und Thailand und tritt weltweit als Epidemie auf. Einig sind sich die Experten: Wenn sauberes Wasser verfügbar ist und Abwässer hygienisch entsorgt werden, verschwindet die Krankheit — verseuchtes Wasser ist das Hauptvehikel der Übertragung und Ausbreitung.
Aus historischer Perspektive
In der Zeitschrift Al-Manär (Nr. 317) heißt es:
„Die Cholera war bei den griechischen und arabischen Ärzten nicht bekannt, und die Geschichte erwähnt nicht, dass sie vor dem frühen 18. Jahrhundert die Grenzen Indiens und einiger benachbarter Inseln überschritten hätte. In Indien ist sie sehr alt — ihr Buch erwähnt sie seit mehr als 2000 Jahren. Das Wort „Cholera“ ist aus dem Griechischen abgeleitet, aus zwei Wörtern zusammengesetzt, was soviel bedeutet wie „Abfluss des Saftes“. Auf Arabisch nennt man sie al-hayḍa.“
(Al-Manär, Nr. 317)
Die erste weltweite Cholera-Pandemie der Neuzeit war im Jahr 1817, als sie sich von Indien aus nach Russland und Westeuropa ausbreitete. Als sie 1831 Großbritannien erreichte, forderte sie 50 000 Tote. In der Periode von 1871 bis 1923 gab es sechs weltweite Cholera-Pandemien, vier davon im 19. Jahrhundert.
Im Jahr 1883 entdeckte der deutsche Wissenschaftler Robert Koch den Cholera-Erreger während seiner Arbeit in einem Krankenhaus in Alexandria. Im Jahr 1947 brach in Ägypten eine Cholera-Epidemie aus, der etwa 18 000 Menschen zum Opfer fielen. Zwischen 1961 und 1970 breitete sich die Cholera von Indonesien bis in den Iran und nach Russland aus — mit dem sogenannten El-Tor-Bazillus, der erstmals 1905 in der Sinai-Quarantänestation entdeckt wurde.
Aus literarischer Perspektive: Ṭähä Ḥusayn — Al-Ayyām (Bd. 1, S. 123—131)
Ṭähä Ḥusayn schildert in seiner Autobiografie Al-Ayyām (Die Tage) die Cholera-Epidemie 1902 in Ägypten:
„Es war der 21. August 1902. Der Sommer war in diesem Jahr unheimlich. Die Cholera war über Ägypten hereingebrochen und hatte unter den Menschen furchtbar gewütet, Städte und Dörfer vernichtet, ganze Familien ausge löscht. „Unser Meister“ hatte viele Amulette geschrieben und Gegenzauber verfasst; die Schulen und Koranschulen waren geschlossen worden. … Die Jungen sprachen vom Tod, spielten mit dem Tod, standen dem Tod ohne Furcht und ohne Schrecken gegenüber, als wäre der Tod ein Spielkamerad.“
(Ṭähä Ḥusayn, Al-Ayyām, Bd. 1, S. 123—131)
Ṭähä Ḥusayn fährt fort und schildert, wie die Seuche in das Haus einer Familie eindrang: Der junge Sohn erkrankt nachts heimlich und schleicht sich zum Erbrechen aus dem Haus, um die anderen nicht zu wecken. Als das Erbrechen unerträglich wird, hören die Eltern seine Qual — der Vater ist ruhig und gefasst, obwohl sein Herz gebrochen ist; er isoliert den Sohn sofort, lässt die anderen Kinder getrennt und eilt zum Arzt. Die Mutter, erschreckt, aber standhaft und gläubig, pflegt den Sohn und wendet sich zwischen jedem Erstickungsanfall mit erhobenem Gesicht und erhobener Hand zum Gebet. Als das Erbrechen nachlässt, tritt sie auf den Flur, hebt Hände und Gesicht zum Himmel und versinkt ganz im Gebet und in der Bitte — um sofort zurückzurufen, wenn das nächste Erstickungsgeräusch kommt.
Der Erzähler kommt auf sein Dorf zu sprechen:
„Wehe über mein kleines, armes Dorf! Der tödliche Tod drückte sich auf seine Brust, bis er die meisten Häuser versiegelte und die Hälfte seiner Bewohner von den Häusern in die Gräber verlegte! … Es gab damals keine Schutzimpfung, keine Behandlung, keine Regierung, die die Seuche verfolgte und einschrenkte, kein Volk, das die Hygieneordnung befolgte und verbreitete.“
(Ṭähä Ḥusayn, Al-Ayyām, Bd. 1)