الدكتور موفق قويدر · نظرات في الطبِّ والأدبِ والإسلام

Die Gelehrten des Islam und die Zivilisation

Im Namen Allāhs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Die Gelehrten des Islams und die Zivilisation

Der Islam und die Wissenschaft:

Dr. Zaghlūl an-Najjār in seinem Artikel »Die Korangeneration und ihr wissenschaftlicher Aufbau«:

»Die Wissenschaften werden sprachlich definiert als die Gesamtheit dessen, was der Mensch an Kenntnissen und Nachrichten gesammelt hat, die sich ihm über die Zeit an verschiedenen Orten und in verschiedenen Epochen angehäuft haben, geordnet nach dem, womit sie sich befassen. Dies umfasst sowohl die geschenkten Kenntnisse, die Allāh der Erhabene unserem Vater Ādam, Friede sei auf ihm, im Augenblick seiner Erschaffung lehrte und als Erbe für seine Kinder nach ihm hinterließ und auf eine Reihe seiner Propheten und Gesandten herabsandte, als auch die erworbenen Kenntnisse, die der Mensch durch die Zeitalter hindurch aus seinen Erfahrungen in diesem Leben, aus seiner induktiven Erforschung der Gesetze Allāhs im Universum und aus seiner Nachahmung dessen gesammelt hat, was Allāh der Erhabene in ihm an Schöpfung hervorgebracht hat. Dies umfasst die Rechtleitung Allāhs, gepriesen sei Er, die Er auf eine lange Kette seiner Propheten und Gesandten herabsandte und die Er im Heiligen Koran und in der Sunna des Siegels der Propheten und Gesandten, Allāhs Segen und Friede seien auf ihm und auf ihnen allen, vollendete und vervollständigte. Es umfasst auch alle erworbenen Kenntnisse und das Erbe der Menschheit aus all diesen Quellen im Laufe der Geschichte.

Doch bei den Menschen heute herrscht vor, das Wort »Wissenschaft« auf die reinen und angewandten Wissenschaften zu beschränken, die auf Beobachtung und Schlussfolgerung beruhen oder auf Experiment, Beobachtung, Schlussfolgerung und mathematische Formalisierung, angewandt auf das Universum und seine Bestandteile und Erscheinungen, die sich auf verschiedene Formen von Materie, Energie, Unbelebtem und Lebendigem beziehen.

Die »Wissenschaft« in diesem Sinne begann mit dem Menschen seit dem ersten Augenblick seiner Existenz auf dieser Erde, dann nahm sie schrittweise zu in Prozessen von Ebbe und Flut, doch in der islamischen Zivilisation wuchs dieses Wissen ausgewogen — vereint zwischen himmlischer Offenbarung und erworbenen Wissenschaften in Ergänzung und Harmonie. Dann gelangte diese islamische Wissenschaft mit ihrer empirischen Methode nach Europa durch den islamischen Staat in al-Andalus und durch die Berührung mit den Muslimen in Sizilien, Süditalien, Nordafrika und der Levante, besonders während der Kreuzzüge.

Doch als die islamische wissenschaftliche Methode nach Europa gelangte, beherrschte die Kirche das Leben dort vollständig und hatte die Genesis den menschlichen Kenntnissen aufgezwungen; und als die Ergebnisse der empirischen Methode mit den Interpretationen der Kirche kollidierten, begann der Kampf zwischen Wissenschaftlern und Kirche und wurde zugunsten der erworbenen Wissenschaften entschieden. Da begannen diese Wissenschaften von rein materialistischen Ausgangspunkten — jedes Nicht-Wahrnehmbare leugnend, einschließlich der Religion —, so dass alle erworbenen Kenntnisse im Westen von religionsfeindlichen Ausgangspunkten ausgingen, das Verborgene leugnend, sich ausschließlich in den Grenzen der Materie bewegend und alles, was darüber hinausgeht, übergehend.

Von hier aus zogen es die Leute des Heiligen Korans und seine Hüter vor, sich von diesen den islamischen Grundlagen widersprechenden Kenntnissen fernzuhalten, und wir gelangten, wohin wir gelangten — zu wissenschaftlichem und technischem Rückstand, der unsere Völker verarmte und uns von anderen Nationen abhängig machte. Doch die Gesamtheit der erworbenen Wissenschaften in den späten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts — trotz ihrer Vertreter — begann, alles zu bestätigen, was die göttliche Rechtleitung gebracht hat, die in der Sendung des Propheten und Gesandten, Allāhs Segen und Friede seien auf ihm, vollendet wurde. Zu den Erfordernissen der Vollendung des wissenschaftlichen Aufbaus der Korangeneration gehört das Vertrautwerden mit diesen Gesamtergebnissen der Wissenschaften.

Die Kenntnisse über das materielle Universum haben in diesen Tagen ein Niveau erreicht, das die Menschheit zuvor nicht erreicht hatte, und die Gesamtschlussfolgerungen jener Kenntnisse bestätigen alles, was die Religion an Glauben an Allāh, den Schöpfer, den Bildner, gebracht hat — an seiner Reinheit von jeglichem Partner, Gleichen, Widersacher, Gefährten und Kind und von allen Eigenschaften seiner Schöpfung und von jeder Beschreibung, die seiner Majestät nicht geziemt —, sowie die Notwendigkeit des Glaubens an das Verborgene, an die Offenbarung, an die Auferstehung und die Abrechnung. Die Gesamtergebnisse der Wissenschaften lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

— Dieses Universum, in dem wir leben, ist ein begrenztes Universum, doch eines, das in seinen Ausmaßen endlich ist, erstaunlich in der Präzision seines Aufbaus und der Regelmäßigkeit seiner Bewegungen und der Festigkeit seiner Verbundenheit — was für seinen Schöpfer von Gottheit und Herrenschaft zeugt und von der Unbegrenztheit der Macht und dem Wunder des Handwerks und der Vollkommenheit der Schöpfung.

— Dieses Universum ist in einer deutlichen Zweiheit aufgebaut — von den Grundbausteinen der Materie bis zum Menschen —, und zugleich nach demselben System aufgebaut — von seinen feinsten Teilchen bis zu seinen größten Einheiten — was für seinen Schöpfer von absoluter Einzigkeit über seiner gesamten Schöpfung zeugt.

— Dieses Universum dehnt sich beständig aus zu einem Ende hin, das die erworbenen Wissenschaften nicht begreifen können, auch wenn sie die Ausdehnungsraten messen können.

— Das Universum ist trotz seines Alters neu erschaffen, es hatte einen Beginn in der tiefen Vergangenheit, der auf etwa vierzehn Milliarden Jahre geschätzt wird. Und alles Neu-Erschaffene und Zufällige muss an einem Tag ein Ende haben, das alle kosmischen Erscheinungen um uns bestätigen, auch wenn der Mensch außerstande ist, seinen Zeitpunkt zu bestimmen.

— Dieses materielle Universum kann sich nicht selbst erschaffen haben, noch kann eines seiner materiellen Bestandteile es erschaffen haben; es kann auch nicht durch bloßen Zufall entstanden sein, denn Willkür oder Zufall können kein Universum von dieser Ausdehnung und Präzision des Aufbaus und Regelmäßigkeit der Bewegung hervorbringen.

— Die lebende Zelle, deren Durchmesser kaum ein Zehntel Millimeter überschreitet, erreicht eine solche Komplexität des Aufbaus und Leistungsfähigkeit, die nicht einmal die größten Fabriken, die der Mensch erbaute — ja, die er sich zu erbauen vorstellte, ohne es bisher zu können — erreicht haben. Allāh der Erhabene gab ihr die Fähigkeit, zweihunderttausend Arten von Proteinen herzustellen, zu denen die größten von Menschenhand gebauten Fabriken nicht fähig sind — deshalb kann sie unmöglich durch bloßen Zufall entstanden sein.

— Der genetische Code, der in einem Raum von weniger als einem Millionstel Kubikmillimeter im Zellkern untergebracht ist, erreicht, wenn er entfaltet wird, eine Länge von nahezu zwei Metern und enthält 18 Milliarden chemische Moleküle, die in einer wohlgeordneten Weise angeordnet sind — würde die Stellung eines einzigen Atoms gestört, würde dieses Geschöpf entweder missgestaltet oder gar nicht existieren.

Dr. Zaghlūl fährt fort: »Die erworbenen Kosmologischen Wissenschaften haben in ihrem Umgang mit dem Wahrnehmbaren und Erfahrbaren die Wirklichkeit des Verborgenen erreicht und erkannt, dass es im Universum viele Verborgenes gibt, die der Mensch mit seiner Anstrengung und seinen Sinnen und seinen Verstandeskräften nicht erreichen kann.«

Der Imam Scheich Muḥammad ʿAbduh, Allāhs Erbarmen sei mit ihm (Enzyklopädie von al-ʿAqqād, Band 17, S. 23):

»Wäre es nur so, dass wenn dies unser Zustand in Bezug auf Wissenschaften ist, die an der Brust des Islams gesäugt wurden und mit seiner Milch ernährt und in seinem Schoß aufgezogen wurden und in seinem Palast gekleidet wurden seit mehr als tausend Jahren… was ist dann unser Zustand in Bezug auf neue nützliche Wissenschaften, die zu den Erfordernissen unseres Lebens in dieser Zeit gehören… wir müssen sie erwerben und alle Anstrengungen in ihrer Suche aufwenden? Wir hofften, dass der Bewusstlose erwacht durch das Riechen an Ammoniak… in einer Zeit, in der der Strom der Wissenschaften floss, bis er alle Teile des Erdballs überflutete… und in der das Missverhältnis zwischen ihnen und unseren veredelten Zuständen offensichtlich wurde: ihr Reichtum und unsere Armut, ihre Ehre und unsere Erniedrigung, ihre Stärke und unsere Schwäche, ihre Macht und unsere Ohnmacht, ihre Stärke und unsere Niederlage, und so vieles andere an Vorzügen und Miseren, das nicht gezählt werden kann… doch die Ohren wurden taub und die Einblicke blind. Allāh versiegelte ihre Herzen und ihre Ohren, und auf ihren Augen liegt ein Schleier, und für sie gibt es eine gewaltige Strafe.«

Scheich Dr. Yūsuf al-Qaraḍāwī, Allāhs Erbarmen sei mit ihm, in einem Artikel unter dem Titel »Erneuerung des Glaubens«:

Viele eifrige Gelehrte und Denker glauben, dass das, was uns als Einzelnen und Gemeinschaften fehlt, um glücklich und vorwärtszustreben, der wissenschaftliche und technologische Fortschritt ist, der unseren Gesellschaften hilft zu wachsen und sich zu entwickeln und dem Zug der zivilisierten Welt zu folgen, die das Atom gespalten, den Weltraum erobert und den Computer erschaffen hat und vor den Toren einer biologischen Revolution steht, von der wir nicht wissen, was sie mit dem Menschen anstellen wird.

Zu unserem Glück als Muslime engt unsere Religion den Ruf zu Wissenschaft und Fortschritt nicht ein, wie diejenigen wähnen mögen, die den Islam nicht kennen und ihn dem unterwerfen wollen, was anderen Religionen widerfahren ist. Wir betrachten den wissenschaftlichen Fortschritt und seine nützlichen technologischen Anwendungen im Leben — die dem Menschen sein Leben erleichtern und ihm körperliche und geistige Mühe ersparen — als Gottesdienst für den einzelnen Muslim, der sich damit seinem Herrn nähert wie er sich durch Gebet und Fasten nähert. Und für die Gesellschaft ist es eine Kollektivpflicht, bei der die gesamte Gesellschaft sündigt, wenn nicht eine ausreichende Zahl ihrer Kinder alle Lücken schließt und alle Bedürfnisse erfüllt, die die Gesellschaft in all ihren zivilen und militärischen Bereichen erfordert.

Doch was wir hier betonen, ist der Bedarf unserer Gesellschaften — und aller menschlichen Gesellschaften — an Wissenschaft und Glauben gemeinsam; denn der Mensch ist Körper und Seele, Verstand und Herz, und er muss in seiner Gesamtheit gepflegt und mit dem versorgt werden, was alle seine Aspekte nährt und alle seine Kräfte — mit dem, was aus der Erde hervorwächst, und mit dem, was vom Himmel herabkommt. Das ist die Ausgewogenheit oder Ergänzung, durch die sich der Islam auszeichnet.

Denn zu den Erscheinungen der Ergänzung im System des Islams gehört, dass in ihm Wissenschaft und Glaube nebeneinander zu stehen kamen und in seiner Gesellschaft nicht entstand, was in anderen Gesellschaften entstand — ein Streit zwischen Wissenschaft und Religion, dem Tausende von Gelehrten und Denkern und derer, die ihrer Meinung waren oder ihren Weg gingen, zum Opfer fielen… Die Geschichte Europas im Mittelalter ist voll von schrecklichen menschlichen Massakern, zu denen Gelehrte und Studenten unter der Inquisition und anderem getrieben wurden.

Was den Islam von anderen unterscheidet, ist seine Achtung des Verstandes, sein Aufruf zur Betrachtung und zum Denken, seine Ermunterung zur Wissenschaft und seine Lobpreisung der Gelehrten und Vernünftigen, seine Bekämpfung von Starrheit und Unwissenheit und seine Verherrlichung des Lesens, Schreibens und der Feder seit den ersten herabgesandten Koranversen.

Es verbreitete sich in der Geschichte der Kirche durch das gesamte Mittelalter die Aussage: dass der Verstand gegen die Offenbarung ist, dass die Wissenschaft der Feind der Religion ist, dass das Denken der Gegner des Glaubens ist und dass das Gesetz das Gegenteil der Weisheit ist. Der Islam aber kannte dieses Problem nicht; denn Verstand und Offenbarung sind bei ihm zwei Wirkungen der Gottheit, die sich nicht widersprechen und nicht gegeneinanderarbeiten. Deshalb sehen wir, wie die Offenbarung den Verstand verherrlicht und zu seiner Nutzung anhält, und wir sehen, wie der Verstand das Beweismittel für die Wahrhaftigkeit der Offenbarung ist und das Werkzeug zu ihrem Verstehen und ihrer Erläuterung.

Von hier aus stellten die forschenden Imame des Islams fest: dass es niemals einen Widerspruch gibt zwischen einer authentischen Überlieferung und einer eindeutigen Vernunftaussage; und was manche Menschen als Widerspruch wahrnehmen, muss das Ergebnis eines Fehlers im Verständnis dessen sein, was zur Vernunft oder zur Religion gehört.

Und es sind vierzehn Jahrhunderte seit der Herabsendung des Heiligen Korans vergangen, in denen viele Kenntnisse und Ideen entstanden, und trotzdem hat kein einziger seiner Verse einer bewiesenen Tatsache widersprochen — das ist eines der Zeichen der Wunderhaftigkeit dieses großartigen Buches.

Obwohl der Koran kein »Wissenschaftsbuch« im terminologischen Sinn der heutigen Wissenschaft ist, enthält er viele Hinweise auf wissenschaftliche Tatsachen, an die vor dem Zeitalter seiner Herabsendung und Jahrhunderte danach niemand dachte, und es wurden viele Bücher verfasst, die eine neue Art von Koranwunderhaftigkeit offenbarten, die man »wissenschaftliche Wunderhaftigkeit« (al-iʿjāz al-ʿilmī) nennen kann. Mehr noch: Der Koran schafft durch seine Lehren eine »wissenschaftliche Geisteshaltung«, die Aberglauben verwirft, die dem Folgen von Vermutungen und Begierden widersteht, die der Nachahmung und blinden Gefolgschaft widersteht, die an Beweise in Vernunftfragen glaubt und sich auf Beobachtung und Experiment in materiellen Fragen stützt, und die glaubt, dass der Verstand eine dem Menschen verliehene Gabe ist, mit der er betrachten und über die Nutzung des Universums und seines Inhalts nachdenken und aus dem Verlauf der Geschichte und den darin wirkenden unveränderlichen Gesetzen Allāhs Nutzen ziehen soll. So enthält er Verse: »für Leute, die Verstand haben«, »für Leute, die nachdenken«, »für Leute, die wissen«, »für die Verständigen« und »für die Klugdenkenden«.

Und der Koran lobt die Gelehrten in vielen seiner Suren: »Sind jene, die wissen, gleich denen, die nicht wissen?« (az-Zumar, 39:9). Und er macht sie allein würdig der Ehrfurcht und Gottesfurcht: »Nur die Gelehrten unter Seinen Dienern fürchten Allāh.« (Fāṭir, 35:28). Der Koran erwähnte die Gelehrten hier nach der Erwähnung von Himmel, Wasser, Pflanzen, Bergen, Tieren und Menschen — was darauf hindeutet, dass die Gelehrten die im Kosmos- und Lebenswissen und dem damit Verbundenen Verankerten sind; denn ihr Wissen darüber lässt sie das Ausmaß Allāhs, gepriesen sei Er, erkennen und die Größe seiner Gnade und die Weite seiner Barmherzigkeit.

Und der Koran erwähnte aus den Geschichten der Propheten und Frommen, was die Aufmerksamkeit — kräftig — auf den Wert des Wissens und seinen Rang lenkt, bei der Unterstützung des Menschen in seiner Aufgabe der Stellvertreterschaft Allāhs auf Erden und seiner Nutzung in vielen nützlichen Angelegenheiten: wie in der Geschichte unseres Herrn Ādam und seiner Überlegenheit über die Engel durch das Wissen, und der Geschichte unseres Herrn Yūsuf und seiner Lenkung der Angelegenheiten Ägyptens in der Hungersnot durch das Wissen, und der Geschichte unseres Herrn Sulaymān und seines Herbeibringens des Thrones der Bilqīs durch das Wissen, und anderen Geschichten der Propheten und Gläubigen.

Das Wissen genügt nicht ohne den Glauben:

Doch trotz allem ist der Verstand nicht alles im Menschen, und das Wissen ist nicht alles im Leben. Der Verstand hat seinen Bereich, den er nicht überschreitet, und das Wissen hat seinen Bereich, den es nicht übersteigt — und danach stehen Verstand und Wissen ratlos. Das Geheimnis des Seins, das Ziel des Lebens, der Ursprung des Universums und sein Schicksal, die Frage des Todes und des Lebens und was damit von den großen Fragen des Seins zusammenhängt — das kann der Verstand allein nicht begreifen, und das Wissen kann seine Herrschaft nicht darauf ausdehnen, denn seine Herrschaft gilt dem, was der Beobachtung und dem Experiment zugänglich ist, d.h. dem Materiellen und Wahrnehmbaren.

So war eine andere Erkenntnis nötig, die aus einer anderen Quelle fließt, um den Standort des Menschen und sein Ziel zu bestimmen, seine Aufgabe auf dieser Erde und seine Beziehung zum Universum und zum Leben und zum Schöpfer des Universums und des Lebens — und diese Quelle ist keine andere als die göttliche Offenbarung, und der Weg, von ihr zu empfangen, ist kein anderer als der Glaube. Manche Denker der Menschheit haben in verschiedenen Epochen versucht, die großen Wahrheiten durch ihre Vernunft zu erreichen und die Probleme des Seins durch ihre Gedanken zu lösen — sie konnten es nicht und kamen mit widersprüchlichen Ergebnissen heraus, bei denen das Herz keine Ruhe findet und das Leben sich nicht aufrichtet. Der Glaube allein ist der sichere Weg.

Der Glaube ist es, der die großen Fragen des Seins erklärt und den Menschen mit dem großen Sein und mit Ewigkeit und Unendlichkeit verbindet und seinem Leben Geschmack, Ziel und Botschaft verleiht. Und er bewahrt zudem das Wissen vor der Abweichung und verhindert seinen Gebrauch im Bösen und in der Aggression. Deshalb sahen wir Sulaymān, Friede sei auf ihm, als der Thron der Bilqīs zu ihm gebracht wurde durch »den, der Wissen vom Buch hat« — er führte den Verdienst auf Allāh zurück und wurde nicht hochmütig oder eingebildet, sondern sprach, was der Koran von ihm berichtet: »Als er sah, dass er vor ihm stand, sagte er: Dies ist von der Huld meines Herrn, damit Er mich prüfe, ob ich dankbar bin oder undankbar. Und wer dankbar ist, der ist dankbar zu seinem eigenen Wohlergehen; und wer undankbar ist — wahrlich, mein Herr ist Unabhängig, Großmütig.« (an-Naml, 27:40 — Bubenheim/Elyas).

Und in der Geschichte von Dhū l-Qarnayn, nachdem er den Bau des Dammes vollendete, sagt er in der Demut der Gläubigen: »Dies ist eine Gnade von meinem Herrn; wenn aber die Verheißung meines Herrn kommt, wird Er ihn ebnen, und die Verheißung meines Herrn ist wahr.« (al-Kahf, 18:98 — Bubenheim/Elyas). Und wir sahen das Wissen, das unter Anleitung des Glaubens in der islamischen Zivilisation aufstand, aufbauen und bevölkern und für den Dienst, die Läuterung und das Glück des Menschen arbeiten. Und wir sahen, als die Wissenschaft im Westen aufstand — unter ihren historischen Umständen mit der Kirche, fern von Allāhs Rechtleitung, abgetrennt vom Glauben an Allāh —, dass ihr Ergebnis Chemie- und Biologiewaffen und Vernichtungs- und Zerstörungsmaschinen waren, die die Menschheit in aufwühlenden Träumen schlafen und in erschreckenden Ängsten aufwachen ließen. Das Wissen gab ihr die Mittel, doch es schaffte ihr keine innere Ruhe. Sie siegte damit über die Natur, aber nicht über sich selbst und ihre Begierden.

Von hier aus war es unabdingbar: dass Gelehrte Glauben haben und Gläubige Wissen haben — und das ist das Fundament des vollständigen islamischen Lebens. Deshalb verband der erste herabgesandte Koranvers Wissen und Glauben: »Lies im Namen deines Herrn, Der erschaffen hat.« (al-ʿAlaq, 96:1 — Bubenheim/Elyas). Das Lesen — der Schlüssel des Wissens — will der Islam als ein Lesen im Namen Allāhs des Schöpfers; und wenn der Schlüssel des Islams Wissen und Verständnis ist, so ist der Wesenskern des Islams der Glaube und der Wesenskern des Glaubens die Einheit Allāhs — ja, es ist der Wesenskern aller himmlischen Botschaften. Deshalb war der erste Aufruf in jeder Botschaft: »O mein Volk! Verehret Allāh; ihr habt keinen anderen Gott außer Ihm.« (al-Aʿrāf, 7:59 — Bubenheim/Elyas).

Scheich Dr. Yūsuf al-Qaraḍāwī, Allāhs Erbarmen sei mit ihm, in einem weiteren Artikel »Der Vorzug des Wissens gegenüber der Gottesverehrung«:

Zu den Vorzügen des Wissens gehört, was in den Hadithen festgestellt wurde, dass es vorzüglicher ist als die Gottesverehrung und dass der Gelehrte dem Gottesdiener vorgezogen wird.

Im bekannten Hadith von Abū d-Dardāʾ: »Der Vorzug des Gelehrten gegenüber dem Gottesdiener ist wie der Vorzug des Vollmondes gegenüber allen anderen Gestirnen.« Und ebenso kam es im Hadith von Muʿādh ibn Jabal und im Hadith von Abū Umāma: »Der Vorzug des Gelehrten gegenüber dem Gottesdiener ist wie mein Vorzug gegenüber dem Geringsten von euch.« Und im Hadith von Ḥudhayfa und Saʿd: »Der Vorzug des Wissens ist mir lieber als der Vorzug der Gottesverehrung, und das Beste in eurer Religion ist die Gottesfurcht.«

Denn das Wissen geht dem Handeln voraus, weist auf es hin und leitet zu ihm; es ist sein Wegweiser von einer Seite und Bedingung seiner Annahme von einer anderen. Es gibt kein Handeln ohne Wissen, doch mag es Wissen ohne Handeln geben; der Sinn ist: Wann immer das Handeln vorkommt, ist das Vorhandensein des Wissens zwingend — nicht umgekehrt. Deshalb wurde gesagt: »Wissen ohne Handeln ist Wahnsinn, und Handeln ohne Wissen ist nicht möglich.«

Und von einer anderen Seite hat das Wissen den Vorzug gegenüber der Gottesverehrung, denn der Nutzen des Wissens ist weit verbreitet und der Nutzen der Gottesverehrung ist begrenzt: Die Gottesverehrung nützt ihrem Träger allein, das Wissen aber nützt der Allgemeinheit. Dann endet der Nutzen der Gottesverehrung meist mit deren Vollendung, doch der Nutzen des Wissens bleibt, so lange Allāh will. Deshalb zählt es zu den Dingen, die dem Menschen nach seinem Tod bleiben; denn wenn ein Mensch stirbt, bricht sein Handeln ab — ausgenommen bekannte Dinge, darunter: ein Wissen, von dem nach ihm Nutzen gezogen wird. Und im Maß der Nutzenden von seinem Wissen ist sein Lohn: so oft jemand durch ihn zur guten Tat geleitet wird und jemand durch ihn Orientierung erhält in der Unterscheidung des Erlaubten vom Verbotenen und der Rechtleitung vom Irrtum, hat er seinen Lohn — wie es im Hadith kommt: »Wer auf etwas Gutes hinweist, hat den gleichen Lohn wie der Täter.«

Und weil das Wissen entweder eine individuelle Pflicht oder eine kollektive Pflicht ist — und beide sind vorzüglicher als die freiwilligen Gottesdienste. Und weil das Wissen zu den Eigenschaften Allāhs des Erhabenen gehört und das Handeln zu den Eigenschaften der Geschöpfe gehört — so nimmt man hier gleichsam einen der Charakterzüge Allāhs des Erhabenen an und ist mit einer seiner Eigenschaften und einem seiner schönen Namen ausgestattet, wenn der Ausdruck erlaubt ist.

Und weil das Wissen es ist, das die verborgenen Fragen aufdeckt und in den feinen Angelegenheiten entscheidet — wie wir es im Hadith des Mannes sahen, der neunundneunzig Seelen getötet hatte: Er fragte einen frommen Mann, den eifrigsten Gottesdiener seiner Zeit, ob er Buße tun könne. Der sagte: Keine Buße für dich. Da tötete er ihn und machte mit ihm die hundert voll. Dann fragte er einen Gelehrten, den Wissendsten seiner Zeit, ob er Buße tun könne. Der sagte: Ja — und befahl ihm, von dem sündigen verdorbenen Dorf in ein anderes, rechtschaffenes Dorf zu ziehen.

Und weil das Wissen es ist, das in Glaubensfragen das Wahre vom Falschen unterscheidet, in Aussagen das Richtige vom Irrtum, in Gottesdiensten das Überlieferte von der Neuerung, in Handlungen das Erlaubte vom Verbotenen, in Transaktionen das Gültige vom Ungültigen, in Verhaltensweisen die Tugend vom Laster, in Maßstäben das Angenommene vom Abgewiesenen und in Aussagen und Handlungen das Überwiegende vom Schwächeren. Ohne das Wissen könnte jemand das Falsche glauben, während er meint, es sei wahr; er könnte eine Neuerung begehen, während er meint, es sei Sunna; er könnte ins Verbotene tappen, während er meint, es sei erlaubt; er könnte in den Sumpf des Lasters fallen, während er es sich als Tugend vorstellt. Deshalb gehört zu den überlieferten Bittgebeten: »O Allāh, zeig uns das Wahre als wahr und verleih uns, ihm zu folgen, und zeig uns das Falsche als falsch und verleih uns, es zu meiden.«

Der Imam al-Bukhārī erwähnte im Buch des Wissens, dass das Wissen dem Handeln vorausgeht, und zog dafür Koran und Hadith als Beweis heran. Und der rechtgeleitete Kalif ʿUmar ibn ʿAbd al-ʿAzīz, Allāh sei mit ihm zufrieden, sagte: »Wer ohne Wissen handelt, macht mehr kaputt als er bessert.« Und Imam aš-Šāfiʿī, Allāhs Erbarmen sei mit ihm, sagte: »Es gibt nichts nach den Pflichten, was vorzüglicher ist als das Suchen von Wissen.«

Scheich Dr. Yūsuf al-Qaraḍāwī, Allāhs Erbarmen sei mit ihm, in einem weiteren Artikel »Die weltlichen Wissenschaften neben den Religionswissenschaften«:

»Der Islam hat die Muslime nicht nur mit der Religionswissenschaft beauftragt, sondern hat sie mit den weltlichen Wissenschaften neben den Religionswissenschaften beauftragt. Der Islam hat uns gelehrt, dass der Mensch nicht vom Glauben allein leben kann — er kann nur von der Welt allein leben oder von der Welt und dem Glauben gemeinsam. So wie uns der Koran die Arten der Menschen in der Wallfahrtssaison schilderte: ›Von den Menschen gibt es solche, die sagen: Unser Herr, gib uns in dieser Welt — und sie haben keinen Anteil im Jenseits. Und von ihnen gibt es solche, die sagen: Unser Herr, gib uns in dieser Welt Gutes und im Jenseits Gutes, und schütz uns vor der Strafe des Feuers.‹ (al-Baqara, 2:200–201 — Bubenheim/Elyas). Der Koran erwähnte nicht, wer von Allāh dem Erhabenen nur die Religion erbittet — als ob dergleichen nicht existiert.

Das ist der Weg des Islams: das Erbitten der zwei Güten — das Gute dieser Welt und das Gute des Jenseits — wie Allāh die rechtschaffenen Gläubigen dafür belohnte: ›Allāh gab ihnen den Lohn dieser Welt und den schönen Lohn des Jenseits; und Allāh liebt die Guttuenden.‹ (Āl ʿImrān, 3:148 — Bubenheim/Elyas).

Deshalb muss man hier auf die weltlichen Wissenschaften hinweisen, die die Muslime suchen, erwerben und sich in ihnen auszeichnen sollen, bis sie die Stufe ihrer Beherrschung erreichen und ihre Gesetze beherrschen und erfinden und Neues schaffen, wie sie es in den Tagen des Aufblühens der islamischen Zivilisation taten — wo sie die Wissenschaften der Früheren übersetzten, sie gut erlernten und festigten und begannen, sie zu kritisieren und ihnen aus ihrem Eigenen hinzuzufügen, was nicht darin war, so wie sie das Wissen der Algebra erfanden und es der Mathematik hinzufügten. Sie hatten ihre Rolle in den Wissenschaften der Astronomie, Physik, Chemie, der Erdkunde, der Meereskunde, der Geographie und der Städtevermessung, der Medizin und Anatomie, der Philosophie und Weisheit, die mit den Naturwissenschaften und anderem vermischt war.

Das Wichtige ist, dass diese Wissenschaften als Kollektivpflicht den Muslimen in ihrer Gesamtheit auferlegt sind, sie zu erlernen und zu beherrschen. Wir kennen in der Sphäre der weltlichen Wissenschaften große islamische Namen, die ihr Gewicht und ihre Bedeutung in der Geschichte der Wissenschaft und des Weltdenkens hatten: Wir hörten von al-Kindī, al-Fārābī, Ibn Sīnā, Ibn Rushd, ar-Rāzī, az-Zahrāwī, Ibn an-Nafīs, al-Khwārizmī, Ibn Ḥibbān, al-Bīrūnī, Fakhr ad-Dīn ar-Rāzī und anderen.

Damit wir so sind, wie Allāh es für uns wünschte: ›Die beste Gemeinschaft, die für die Menschen hervorgebracht worden ist‹ (Āl ʿImrān, 3:110 — Bubenheim/Elyas), und damit wir ›Zeugen über die Menschen‹ sind (al-Baqara, 2:143 — Bubenheim/Elyas), müssen wir die wissenschaftliche und technologische Stärke auf ein Niveau bringen, das uns unseren Feind überragen lässt — wir müssen in den weltlichen Wissenschaften überlegen sein, um stärker als andere zu sein, wenn wir wollen, dass wir in Würde leben, wie Allāh es für uns bestimmt hat: ›Die Würde gehört Allāh und Seinem Gesandten und den Gläubigen.‹ (al-Munāfiqūn, 63:8 — Bubenheim/Elyas).«

Scheich Dr. Yūsuf al-Qaraḍāwī, Allāhs Erbarmen sei mit ihm, in einem weiteren Artikel »Die Ziele der Gottesdienste im Islam«:

»Die islamische Zivilisation war eine Zivilisation für alle Menschen — nicht nur für die Muslime. Die Muslime sind ihr erstes Element, doch sie umfasste alle Religionen, alle Kulturen, alle Elemente und Völker. Es beteiligten sich daran Araber und Perser, Türken und Inder und Hebräer und Syrer, und es beteiligten sich daran Christen und Juden und Magier — und sie umfasste alle. Jeder baute in ihr einen Stein, sie ist keine erstarrte Zivilisation, sondern eine Zivilisation, die alle umfasste und alle mit der gerechten Waage behandelte. Die Gerechtigkeit des Islams galt allen — und wie könnte es anders sein, wenn es die Gerechtigkeit Allāhs ist? Die Gerechtigkeit des Islams — die Gerechtigkeit Allāhs — und die Gerechtigkeit Allāhs gilt für alle Geschöpfe, für alle Geschöpfe Allāhs, für alle Diener Allāhs, jeder erhält seinen Anteil an dieser Gerechtigkeit.

Wo ist das im Vergleich zu dem, was wir heute von der heutigen Zivilisation sehen, die mit zweierlei Maß misst und mit zweierlei Gewichten wägt und die Menschen nach Launen und nicht nach dem Recht behandelt?

Er fährt fort, Allāhs Erbarmen sei mit ihm: »Die islamische Zivilisation war die Zivilisation der Toleranz — sie zwang niemandem ein Urteil ihrer Urteile auf, sie zwang es nicht einmal den Nichtmuslimen auf. Die Muslimherrscher sagten: Lasst sie und was sie als Religion haben. Wenn sie Schwein essen oder Wein trinken, lasst sie Schwein essen und Wein trinken — alles, was von ihnen verlangt wird, ist, das nicht unter den Muslimen zu verbreiten und es nicht an Muslime zu verkaufen. So weit war die Großzügigkeit des Islams. Wo ist die Großzügigkeit der Zivilisation? Wo ist die Gerechtigkeit der Zivilisation? Wo sind die Ideale der Zivilisation? Wo sind die Werte der Zivilisation? Wir finden sie nicht — wir finden all das nur in der Zivilisation des Islams. Wir sind die Träger des wahren Glaubens, wir sind die Träger der wahren Zivilisation, wir sind die Träger der Werte, wir sind die Rufer zu den höchsten Idealen, wir sind die Rufer zur Moral in der Welt — so müssen wir uns an diese Werte klammern, daran festhalten und unsere Köpfe in der Menschheit erheben und die Menschen zu dieser großartigen Religion rufen; denn die Menschheit wird keine Rettungsschnur und kein Schiff des Heils finden außer in dieser Religion.«

Scheich al-ʿAllāma Muḥammad al-Ghazālī, Allāhs Erbarmen sei mit ihm (Zeitschrift al-Azhar, Band 4, Jumādā al-Ākhira 1484 n.H.):

»In der modernen Zivilisation gibt es Aspekte, bei denen ich nicht umhinkomme, sie zu achten und zu billigen — ja, ich fühle mich durch Antriebe aus meiner Religion getrieben, sie zu bewundern und mich daran zu laben.

Der herausragendste dieser Aspekte ist das beharrliche Betrachten des Universums durch das Suchen nach den Eigenschaften der Dinge, das Bekanntwerden mit den genauen Gesetzen, nach denen das Leben verläuft, und das Einschlagen eines Weges, der fern ist von Intuition und Spekulation bei der Feststellung verschiedener Wahrheiten.

Jede Zivilisation, die sich der natürlichen Veranlagung in einigen ihrer Aspekte annähert, spüre ich eine Annäherung an die Natur des Islams in diesem Aspekt — auch wenn sie mir fremd wäre. Und jede Zivilisation, die zu Verstelltheit und Leichtfertigkeit neigt, spüre ich eine Abweichung von der Natur meiner Religion — auch wenn sie mir nahe wäre. In unserem kulturellen Erbe gibt es Schriften über die Welt des Verborgenen, die sich nicht auf die Offenbarung stützten, und Schriften über die Welt des Sichtbaren, die sich nicht auf Erfahrung und Induktion stützten. Beide Arten von Schriften haben eine schwache Beziehung zum Plan des Korans bei der Bildung richtiger Erkenntnis. Das materielle Wissen… hat keinen anderen Weg als das richtige Betrachten des Universums und seiner Geheimnisse und Kräfte. Und die Beziehung des Menschen zu seinem Herrn oder zu seinem Mitmenschen hat keinen anderen Weg als die Weisung des Weisen Gesetzgebers.

Und die Bedeutung davon ist, dass die Naturwissenschaften, die Chemie, die Astronomie, die Botanik, die Zoologie, die Medizin, die Ingenieurswissenschaften und Ähnliches auf der Erforschung der Wahrheiten aus der Wirklichkeit allein beruhen, und es keinen Platz darin gibt für imaginäre Voraussetzungen oder poetische Beschreibungen oder traditionelle Grenzen oder willkürliche Autoritäten. Der Bereich ist der freie, fleißige Verstand, der beständig betrachtet und die Anstrengung fortsetzt, bis er zu dem gelangt, was er sucht, ohne jede Fessel.«

Professor Aḥmad Ḥasan az-Zayyāt, Allāhs Erbarmen sei mit ihm (Zeitschrift ar-Risāla, Nr. 1):

»Diese Geschichte in all ihrer Länge und Fülle verzeichnete von den Nationen, die die Botschaften Allāhs mit Güte, Schönheit und Wahrheit erfüllten, nur vier: Die Hebräer in Religion und Frieden, die Griechen in Kunst und Wissenschaft, die Römer in Ordnung und Herrschaft, und die Araber in all dem zusammen.

(Und die Araber in all dem zusammen) — eine Aussage, die ich mache, obwohl ich weiß, dass der Zweifel jetzt in manchen Herzen kratzen wird. Denn was die kranken Lehren in den Köpfen festgesetzt haben — dass die Griechen und Römer die Quellen der Weltkultur sind und dass die Araber von Natur aus zu Wissenschaft außerstande und von Wesen aus Zivilisation weit entfernt sind —, macht diese Aussage in ihrer Absolutheit albern. Es ist an der Zeit, dass der richtige Blick sieht und der unvoreingenommene Verstand urteilt!«

Professor az-Zayyāt, Allāhs Erbarmen sei mit ihm, fährt fort (Zeitschrift ar-Risāla, Nr. 3):

»Kaiser Justinian hatte das Tor der Unterdrückung auf die Professoren der platonischen Schulen in Athen und Alexandria geöffnet und sie zur Auswanderung und Heimatlosigkeit gezwungen, und sie flüchteten nicht vor ihm außer nach Persien. Und diese und jene begannen, die Bücher des Aristoteles, Sokrates, Galen, Euklid, Archimedes und Ptolemäus ins Syrische und Chaldäische zu übersetzen — was sie an Wissenschaften übersetzten, war ein geeigneter Kern für diese gesegnete Renaissance, die die ersten Abbasidenkalifendurch bahnten. Der Erste, der die Eingebung dieser Botschaft empfing, war der zweite Kalif Abū Jaʿfar al-Manṣūr. Er gründete Schulen für Medizin und Recht und berief Jūrjis ibn Bakhtīshūʿ, den Chefder Ärzte von Jundīshāpūr, und eine Gruppe von Syrern, Persern und Indern, die ihm Bücher über Medizin, Astronomie, Literatur und Logik übersetzten. Dann übernahm es nach ihm ar-Rashīd, der ihm seinen Geist einhauchte und es in der Welt mit seinem Geist verbreitete — in seiner Zeit wurde übersetzt, was an Büchern über Medizin, Chemie, Astronomie, Algebra, Botanik und Zoologie gefunden wurde. Als es dann al-Maʾmūn empfing, ließ er nichts von den Büchern der Wissenschaften und Künste und des Handwerks in der Hebräischen, der Griechischen, der Syrischen, der Persischen und der Indischen, das er nicht ins Arabische übersetzen ließ.«

Professor az-Zayyāt fährt fort (Zeitschrift ar-Risāla, Nr. 4):

»Und während der Osten von seinem Nächsten bis zu seinem Fernsten überschüttet war mit dem Licht der Zivilisation und des Wissens, das die Minarette von Bagdad und Kairo ausstrahlten, lag der Westen von seinem Meer bis zu seinem Ozean in tiefer Unwissenheit und ungezügelter Barbarei. Sein Anteil an Kultur damals war, was die Burgen der wilden Fürsten an einigen Büchern enthielten, und was die armen Mönche an Schalenresten des Wissens lehrten. Das neunte und das zehnte Jahrhundert n.Chr. vergingen, und jene Fürsten in ihren Palästen brüsteten sich mit dem Analphabetentum und wälzten sich im Blut, und jene Mönche in ihren Klöstern löschten die Schrift von den Meisterwerken der alten Bücher aus, um auf die ausgelöschten Seiten Bücher der Religion zu kopieren — bis Allāh den Schleier von einigen Augen hob und sie hinter dieser tiefen Dunkelheit einen Fleck im Westen sahen, in dem die Sonne des Ostens leuchtete. Als sie erkannten, dass der Fleck ein Teil Spaniens ist und dass das Licht ein Funken vom Licht Bagdads war, erwachte in ihnen die Ambition menschlicher Vollkommenheit — sie suchten das Wissen und fanden es nur bei den Arabern.

So wurde im Jahr 1130 in Toledo eine Übersetzungsschule unter Bischof »Raymond« gegründet, die begann, die großen arabischen Schriften ins Lateinische zu übertragen — und die Juden halfen dabei. Diese Übersetzung weckte in Europa ein zartes Gefühl und einen guten Geist. Weitere Übersetzungszentren schlossen sich diesem edlen Werk durch das 12., 13. und 14. Jahrhundert an, bis das, was sie ins Lateinische übersetzt hatten, dreihundert Bücher betrug — gezählt von Dr. Laclerc in seinem Buch Geschichte der arabischen Medizin — und von anderen auf vierhundert gezählt. Das meiste, was in diesen Epochen übersetzt wurde, waren Bücher von ar-Rāzī, Abū l-Qāsim az-Zahrāwī, Ibn Rushd, Ibn Sīnā und was aus dem Griechischen von Galen, Hippokrates, Platon, Aristoteles, Euklid und anderen ins Arabische übersetzt worden war… Diese übersetzten Bücher blieben fünf oder sechs Jahrhunderte lang Lehrplan an den Universitäten Europas, und einige behielten ihre Kraft und ihren Wert bis ins 19. Jahrhundert, wie die Bücher des Ibn Sīnā über Medizin zum Beispiel. Ibn Rushd war der absolute Herrscher über die Philosophie an den Universitäten Frankreichs und Italiens und Paduas im Besonderen ab dem 13. Jahrhundert. Als Ludwig XI. die Organisation des Unterrichts im Jahr 1473 regeln wollte, fügte er in den Lehrplan die Philosophie des Ibn Rushd und des Aristoteles ein. Wären die Araber nicht in al-Andalus gewesen und hätte man ihre Wissenschaften nicht in Sizilien und Venedig übersetzt, hätten die Mittelalter weder ein Buch der Griechen erlangt noch eine Spur vom Wissen der Araber.«

Professor Aḥmad Amīn, Allāhs Erbarmen sei mit ihm (»Fayḍ al-Khāṭir«, Teil 10):

»Der Islam hat in den Seelen seiner Anhänger Samen gesät, die in ihnen verwurzelt wurden; so dass sie, wenn sie aus der griechischen Philosophie oder einer anderen Kultur schöpften, keine blinden Nachahmer waren, sondern immer den Verstand auf das Übernommene anwandten und den Glauben auf das Gelesene. Und wenn wir auf das blicken, was al-Fārābī, Ibn Sīnā und Ibn Rushd schrieben, sehen wir, dass sie nicht nur in der Schülerrolle standen, sondern kritisierten, ergänzten, zwischen Philosophie und Religion vermittelten und allem aus sich selbst einen Geist hinzufügten — so hatte ihre Kultur ein besonderes Gepräge und ein erkennbares Zeichen. Selbst diese griechische Logik, der alle Völker huldigten, ergänzte al-Ghazālī in manchen seiner Bücher mit Kapiteln über den Koran, und Ibn Taymiyya, Ibn Ḥazm und andere kritisierten die griechische Logik und beurteilten sie als eine Logik der Form, nicht des Inhalts.

Die Behauptung, dass die Muslime in ihrer Kultur mehr Bewahrer der griechischen Kultur als Schöpfer einer eigenen Kultur waren, ist eine Behauptung, die aus unzulänglichem Studium der islamischen Kultur entstand. Die Wahrheit ist, dass ihr Verdienst um die moderne Zivilisation von beiden Seiten war: von der Seite ihrer Bewahrung des Erbes anderer Nationen — ohne sie wäre vieles davon verloren gegangen —, und von der Seite dessen, was sie schufen, erfanden und an Geist in die alten Kulturen einbliesen.«

al-ʿAllāma Muṣṭafā Luṭfī al-Manfalūṭī, Allāhs Erbarmen sei mit ihm (Band I, S. 117):

»Lord Cromer sagt: Die islamische Religion ist eine starre Religion, die keinen Raum für islamische Zivilisation bietet und nicht für die gesellschaftliche Ordnung geeignet ist. Er sagt: Was die islamische Religion nicht trägt, trägt die christliche Religion — und er zieht vom Islam auf die Muslime Schlüsse und vom Christentum auf die Christen.

In welcher Epoche der Geschichte war die christliche Religion Quelle der Wissenschaft und Ausgangspunkt der Sonne von Zivilisation und Aufbau? War es in jener Epoche, in der der blutige Krieg zwischen Orthodoxen und Katholiken einerseits und Katholiken und Protestanten andererseits in grausamer schrecklicher Weise geführt wurde, bei der die Wangen der Menschheit schwarz wurden und Erde und Himmel weinten? Oder in jener Epoche, in der der Wille des Christen ein Abbild des unwissenden Priesters war — er kannte nur, was jener ihm lehrte, und verstand nur, was jener ihm vermittelte, sodass ihm nicht einmal Freiheit gelassen wurde, über sich selbst als ungläubig oder gläubig, als tierisch oder menschlich zu urteilen — sodass er sich kaum vorstellen konnte, einen beweglichen Schwanz und lange Nasenlöcher zu haben und auf allen Vieren zu gehen, wenn der Priester zu ihm sagte: Du bist ein Hund, oder zu ihm sagte: Du bist kein Mensch? Oder in jener Epoche, in der der Christ glaubte, dass ein Kamel leichter durch ein Nadelöhr geht als ein Reicher in das Himmelreich einzieht? Oder in jener Epoche, in der der Hohepriester dem Christen verbot, in ein anderes Buch als die Heilige Schrift zu blicken und Wissen in einer anderen Schule als der Kirchenschule zu erlangen? Oder in jener Epoche, in der ein Komet erschien und die Christen bei seinem Anblick erschraken und dem Papst Bittschriften einreichten, der ihn dann aus der Luft vertrieb und er sich wendend das Weite suchte?

Oder in jener Epoche, in der Hārūn ar-Rashīd dem König Charlemagne eine Schlagruhr schenkte, und als das christliche Volk sie sah und ihre Stimme hörte, floh es vor ihr in dem Glauben, sie enthalte Dschinns und Teufel? Oder in jener Epoche, in der das Inquisitionsgericht gegründet wurde, um Wissensbeflissene zu richten, und in kurzer Zeit dreihundertvierzigtausend Menschen zum Tode durch Verbrennen oder Kreuzigen verurteilte? Oder in jener Epoche, in der das christliche Volk ein schönes Mädchen verbrannte, nachdem es ihr Fleisch abgekratzt und ihre Knochen verbrannt hatte, weil sie sich mit Mathematik und Philosophie beschäftigte?

Das, o historischer Philosoph, ist, was wir von der Geschichte der Wissenschaft und des Wissens und der Zivilisation und des Aufbaus in den christlichen Epochen kennen. Doch die islamische Zivilisation erschien mit dem Islam in einem einzigen Himmel von einem einzigen Aufgangspunkt in einer einzigen Zeit, dann zog sie an seiner Seite, Schulter an Schulter: der Betende in seiner Moschee, der Rechtsgelehrte in seinem Unterricht, der Philologe in seinem Bücherschrank, der Mathematiker in seiner Schule, der Chemiker in seinem Labor, der Richter in seinem Gericht, der Redner in seiner Versammlung, der Astronom vor seinem Astrolabium, der Schreiber zwischen seinen Tintenfässern und Papieren — Brüder in Zuneigung und Freunde in Liebe, die nicht stritten und nicht kämpften, die einander nicht des Unglaubens bezichtigten und keiner dem anderen Unrecht tat.

O historischer Philosoph: Wenn man vom Ergebnis auf die Ursache schließen muss, dann ist die westliche Zivilisation von heute ein Ergebnis des gestrigen Islams, und der islamische Niedergang von heute ist ein Schlag der frühen Christenheit. Und hier ist die Erklärung: Der Islam kam, für die Menschheit alles zu tragen, was sie in ihrer Rückkehr und ihrem Leben, ihrer Welt und ihrem Jenseits braucht — was dem Einzelnen nützt und was der Gemeinschaft nützt. Und die Zusammenfassung: Die islamische Religion ließ keine Kleinigkeit und keine Großigkeit ungezählt, und sie ließ den Menschen keinen Schritt auf dem Feld dieses Lebens gehen von seiner Wiege bis zu seinem Grabe, ohne seine Hand auszustrecken, seine Fußstapfen zu beleuchten und ihn zum geraden Weg zu führen.«

Scheich ʿAlī aṭ-Ṭanṭāwī, Allāhs Erbarmen sei mit ihm (»Islamische Kapitel — Unsere Haltung gegenüber der westlichen Zivilisation«):

»Wir haben von früheren Zivilisationen gelernt — ja. Doch wir haben denen nach uns mehr gegeben, als wir von denen vor uns empfangen haben. Die Zivilisationen und Wissenschaften sind allgemeines Eigentum der gesamten Menschheit; die Wissenschaft hat keine Nationalität, die Literatur hat keine Nationalität und die Zivilisation hat keine. Kommt, lasst uns betrachten — was haben wir genommen?

Wir nahmen Grundlagen in den mathematischen, naturwissenschaftlichen und medizinischen Wissenschaften, wir nutzten sie, doch wir fügten ihnen mehr hinzu, und das, was wir hinzufügten, war mehr als das, was wir nutzten. Und wir nahmen Dinge, die uns schadeten und nicht nützten — wie die primitive griechische Philosophie, die persischen Sitten, die im Ganzen den arabischen Instinkten und Tugenden widersprechen, und die indische Scholastik. Selbst die griechische Logik, der wir mehr Aufmerksamkeit schenkten, als sie zu einem Zehntel verdiente, und die wir in den Aufbau des Schreibstils der Religionswissenschaften und der Sprachwissenschaften einflochten — damit verkomplizierten wir diese Wissenschaften und entfernten sie vom Verständnis der Menschen.«

Prof. Muḥammad Quṭb, Allāhs Erbarmen sei mit ihm, in seinem Buch »Unsere gegenwärtige Wirklichkeit« (S. 90):

»Die Muslime sind es, die die empirische Methode in der wissenschaftlichen Forschung begründeten. Das ist eine Tatsache, die diejenigen anerkennen, die diese Methode von den Muslimen übernahmen und mit ihr in der Neuzeit riesige Sprünge machten.

Robert Briffault sagt in seinem Buch »Der Aufbau der Menschheit«: ›Das, was unsere Wissenschaft den Arabern verdankt, liegt nicht in dem, was sie uns an erstaunlichen Entdeckungen oder erfundenen Theorien präsentierten. Sondern sie verdankt ihnen ihr Vorhandensein selbst. Die alte Welt kannte die Wissenschaft nicht. Die Griechen systematisierten die Lehren, verallgemeinerten die Urteile und stellten Theorien auf. Doch die Methoden des geduldigen und beharrlichen Forschens, das Sammeln positiver Informationen und ihre Verdichtung, die detaillierten wissenschaftlichen Methoden, die genaue anhaltende Beobachtung, das experimentelle Forschen — all das war dem griechischen Geist völlig fremd. Was wir »Wissenschaft« nennen, erschien in Europa als Ergebnis eines neuen Forschungsgeistes und neuer Untersuchungsmethoden… und diese Geist und diese Methoden brachten die Araber in die europäische Welt.‹«

Prof. Dr. Muḥammad Haytham al-Khayyāṭ, Allāhs Erbarmen sei mit ihm (Seminar »Die Wissenschaften im Islam«, Kuwait 2001):

Die Gefährten des Gesandten Allāhs, Allāhs Segen und Friede seien auf ihm, und die Nachfolger in Gutem unterteilten die Wissenschaften nicht in religiöse Wissenschaften und Kosmologische Wissenschaften. Vielmehr folgten sie der Rechtleitung des Propheten, Allāhs Segen und Friede seien auf ihm, bei der Einteilung des Wissens in nützliches Wissen und nutzloses Wissen. Es ist authentisch von ihm, Allāhs Segen und Friede seien auf ihm, überliefert, dass er Allāh um nützliches Wissen bat und dass er Allāhs Zuflucht suchte vor Wissen, das nicht nützt.

Der Heilige Koran gab das Beispiel des nutzlosen Wissens in der Geschichte von Hārūt und Mārūt: »Und sie lernten, was ihnen schadete und ihnen nicht nützte. Und wahrlich, sie wussten, dass wer es kaufte, keinen Anteil im Jenseits haben würde; und wie schlecht war das, womit sie ihre Seelen verkauften — hätten sie es doch gewusst!« (al-Baqara, 2:102 — Bubenheim/Elyas). Jedes Wissen also, das den Menschen nützt, ist islamisches Wissen, es ist legitimiertes Wissen, es ist wahres Wissen; denn die Wahrheit ist das Ziel des Wissens.

»Was auffällt und Staunen erregt — was die Geschichte weder vorher noch nachher gesehen hat —, ist, dass eine siegreiche Gemeinschaft, die den Besiegten die Friedensbedingungen diktiert, von ihnen verlangt, ihr die Bücher der Wissenschaft und der Philosophie als Kriegsreparation zu liefern… Das taten die Araber in ihrem Frieden mit den Byzantinern, und dies allein ist ein schlüssiger Beweis dafür, dass sie bereit waren, diese Wissenschaften anzunehmen, und dass sie ein Maß an intellektuellem Fortschritt erreicht hatten, das ihnen ermöglichte, diese Wissenschaften aufzunehmen, sie zu sieben und auszuwählen, ja ihre Tiefen aufzuwühlen und aus ihnen Neues hervorzubringen, das niemandem in den Sinn gekommen war.«

Und man kann beobachten, dass die Wissenschaftsbewegung im Islam den philosophischen Studien vorausging:

Als die Araber sich in Persien und Ägypten niedergelassen hatten, lenkten Wissenschaftsbewegungen in Jundīshāpūr, Ḥarrān und Alexandria ihre Aufmerksamkeit auf sich. Sie versuchten, von ihnen zu profitieren, und befassten sich zuerst mit dem, was die Lebensumstände erforderten. Man sieht Khālid ibn Yazīd al-Umawī, der sich in einer frühen Epoche um Chemie, Medizin und Astronomie kümmerte und einigen Spezialisten in Ägypten befahl, Abhandlungen aus dem Griechischen oder Koptischen zu übersetzen. Dann sieht man den Befehlshaber der Gläubigen ʿUmar ibn ʿAbd al-ʿAzīz, Allāh sei mit ihm zufrieden, der »Ibn Māsarjawayh« befahl, das medizinische Buch des Priesters Ahrūn zu übersetzen.

Als al-Manṣūr sich der Schule von Jundīshāpūr zuwandte, die Kisrā Anūsharwān gegründet hatte, suchte er nach Ärzten und nicht nach Philosophen, und er fand die Familie Bakhtīshūʿ, die eine bedeutende Rolle bei der Entstehung der arabischen medizinischen Studien und einen Beitrag zur großen Übersetzungsbewegung hatte.

Und man mag fragen: Warum erreichten die Muslime in einer so kurzen Epoche eine solche strahlende wissenschaftliche Reife? Die Antwort liegt im Heiligen Koran selbst, der die Menschen die Grundsätze der wissenschaftlichen Methode lehrte — er stellte sie nicht in einem eigenen Kapitel mit dem Titel »Die wissenschaftliche Methode« dar, sondern verstreute sie in den Falten und Windungen der Verse des Heiligen Korans, sodass diejenigen, die ihn in würdiger Weise rezitieren, sie in sich aufnahmen und sie ihr Denken beherrschten, ohne dass sie es merkten:

— Die Wissenschaft sagt von nichts, dass es wahr ist, außer wenn ein sicherer und schlüssiger Beweis dafür vorliegt. Die Muslime entnahmen diesen Grundsatz aus Versen wie dem Wort des Erhabenen: »Und sie sagten: Das Paradies wird nur betreten, wer Jude oder Christ ist. Das sind ihre Wunschvorstellungen. Sag: Bringt euren Beweis, wenn ihr die Wahrheit sagt.« (al-Baqara, 2:111 — Bubenheim/Elyas).

— Die Wissenschaft hütet sich in höchstem Maß davor, den Verdacht in den Rang der Gewissheit zu setzen oder die Spekulation und Vermutung in den Rang der Abwägung zu setzen. Das ist entnommen aus Versen wie dem Wort des Erhabenen: »Das sind nichts als Namen, die ihr und eure Väter ihnen gegeben habt; Allāh hat dafür keine Vollmacht herabgesandt. Sie folgen nur der Vermutung und dem, was die Seelen begehren. Und wahrhaftig, die Rechtleitung von ihrem Herrn ist zu ihnen gekommen.« (an-Najm, 53:23 — Bubenheim/Elyas).

— Die Wissenschaft verbietet die blinde Nachahmung ohne Beweis und Überzeugung und kümmert sich nicht darum, ob dieser oder jener der großen Gelehrten es gesagt hat, solange er keinen Beweis dafür erbracht hat. Das ist entnommen aus Versen wie dem Wort des Erhabenen: »Und wenn ihnen gesagt wird: Befolgt, was Allāh herabgesandt hat — sagen sie: Nein, wir folgen dem, was wir bei unseren Vätern vorgefunden haben. Was? — auch wenn ihre Väter nichts verstanden und nicht rechtgeleitet waren?« (al-Baqara, 2:170 — Bubenheim/Elyas).

— Die Wissenschaft geht bei der Anwendung der logischen Denkgesetze von zwei Grundsätzen aus: Erstens, dass es zwischen Wahrheiten absolut keinen Widerspruch gibt. Zweitens: der Grundsatz der Beständigkeit und Unabhängigkeit der Schöpfungsnatur — was sich als wahr zu irgendeiner Zeit herausgestellt hat, wird immer wahr sein, denn die Wahrheit ist unabhängig von Zeit und Ort. Diese beiden Grundsätze sind Korangrundsätze: den ersten findet man im Wort des Erhabenen: »Du siehst in der Schöpfung des Allbarmherzigen keine Unausgeglichenheit.« (al-Mulk, 67:3 — Bubenheim/Elyas); und im Wort des Erhabenen: »Und du wirst an Allāhs Sunna keine Änderung finden; und du wirst an Allāhs Sunna keine Umkehrung finden.« (al-Aḥzāb, 33:62 — Bubenheim/Elyas).

— Die Wissenschaft stützt sich auf die richtige Beobachtung als Weg zur Suche nach der Wahrheit. Der Heilige Koran ist es, der vielfach zur Nutzung der Sinne gemeinsam mit dem Verstand anleitet: »Wahrlich, das Gehör und das Sehen und das Herz — für all das wird Rechenschaft gefordert.« (al-Isrāʾ, 17:36 — Bubenheim/Elyas). In diesem einzigen Vers allein liegen drei Grundsätze, die den Kern der wissenschaftlichen Betrachtung ausmachen: Erstens: Dass der Mensch nur dem sicher Bekannten folgt. Zweitens: Dass der Weg zur Wahrheit die richtige Beobachtung und das richtige Denken ist. Drittens: Dass der Mensch an dem festhalten muss, was er durch Beobachtung und Denken an Wahrheit erreicht, denn dafür wird er zur Rechenschaft gezogen.

So stürzten sich die Muslime seit der zweiten Hälfte des ersten Hijrī-Jahrhunderts auf das Wissenssuchen als Pflichterfüllung:

In der Hoffnung, dass die Engel ihre Flügel ausbreiten würden für sie in Zufriedenheit mit dem, was sie tun. Und so begann die Wissenschaft in der gesamten Welt das Gepräge der Gelehrten der islamischen Zivilisation anzunehmen. Und wenn George Sarton in seinem berühmten Buch »Geschichte der Wissenschaft« die Wissenschaft in Epochen einteilt, von denen jede ein halbes Jahrhundert umfasst, und jede Epoche nach einer wissenschaftlichen Persönlichkeit benennt, die sich ihr aufgezwungen hat — dann stellt die Epoche der dreieinhalb Jahrhunderte von 750 bis 1100 n.Chr. eine Epoche dar, die keinen anderen als einen islamischen Namen trägt. Dies sind der Reihe nach die Epochen von: Jābir ibn Ḥayyān, dann al-Khwārizmī, dann ar-Rāzī, dann al-Masʿūdī, dann Abū l-Wafāʾ, dann al-Bīrūnī, dann ʿUmar al-Khayyām — alle Araber, Türken, Afghanen und muslimische Perser, und unter ihnen Gelehrte der Chemie, Algebra, Medizin, Geographie, Mathematik, Physik, Astronomie und anderer Wissenschaften. Kein nicht-islamischer Name erscheint in Sartons Buch auf dem Gebiet der Wissenschaften vor dem Jahr 1100, wo er die ersten zwei westlichen Namen erwähnt: Girard und Roger Bacon. Doch blieb die Zuordnung der Epochen noch zweieinhalb weitere Jahrhunderte eine Partnerschaft zwischen den Namen westlicher Gelehrter und muslimischer Gelehrter, wo die Namen Ibn Rushd, Naṣīr ad-Dīn aṭ-Ṭūsī und Ibn an-Nafīs erschienen.

Dr. ʿAbd al-Wahhāb ʿAzzām, Allāhs Erbarmen sei mit ihm (Zeitschrift ar-Risāla, Nr. 574, 3. Juli 1944):

»In der Geschichte des Islams gibt es, was den Leser mit der Ermahnung zum Wissen, dem Beharren beim Erwerb, der Leidenschaft dafür, dem Ertragen von Mühen um seinetwillen, dem Reisen zu fernen Ländern dafür und dem Wetteifer darin durchdringt. Der Islam kam als Rufer zur Wissenschaft, der zur Betrachtung des Königreichs von Himmel und Erde anhält, und nannte seine Verfassung »das Buch« und »den Koran«, und das erste Wort, das aus dem Koran herabkam, war: »Lies!« Und die Araber trugen die Amanah des Islams und pflegten die Sunna des Korans, so versammelten sich die Völker in ihrer Obhut über die Liebe zum Wissen und seiner Suche und dem Streben danach, bis die islamische Wissenschaft insgesamt wie eine einzige Schule wurde, deren Lehrende und Lernende sich im Unterrichten und Lernen anstrengten, und über die Kalifen und Fürsten und Große wachten, die ihren Einfluss und ihr Vermögen für die Wissenden aufwendeten. Die Kalifen brachten das Wissen und die Gelehrten auf einen Rang der Heiligkeit.

Dieser Hārūn ar-Rashīd gießt das Wasser über die Hand eines blinden Gelehrten und sagt, er tue es aus Ehrerbietung gegenüber dem Wissen. Und seine beiden Söhne al-Amīn und al-Maʾmūn wetteifern darin, ihrem Lehrer al-Kisāʾī die Sandalen zu reichen. Und Kalif al-Muʿtaḍid Billāh spazierte einst in seinem Garten, die Hand von Thābit ibn Qurra al-Ḥarrānī haltend — da zog er seine Hand mit einem Ruck weg. Thābit fragte: Was erschien dir, o Befehlshaber der Gläubigen? Er sagte: Meine Hand war über deiner Hand, und das Wissen wird erhöht und nichts kann es überhöhen.«

In Wikipedia, der freien Enzyklopädie:

»Der islamische Staat, den der Prophet Muḥammad, Allāhs Segen und Friede seien auf ihm, gründete und der unter dem Namen Kalifat in den umayyadischen und abbasidischen Epochen fortbestand, kümmerte sich um die Wissenschaften und die Zivilisation ebenso sehr wie um religiöse Aspekte — die islamische Zivilisation war eine Zivilisation, die Verstand und Geist vereinte und sich so von anderen früheren Zivilisationen unterschied, die bloße Reiche ohne Fundament aus Wissenschaft und Religion waren. Der Islam als universale Religion ermutigt zur Wissenschaft und betrachtet sie als Pflicht für jeden Muslim, damit seine Nationen und Völker aufsteigen. Er war zu keiner Zeit ein Anlass für Rückstand, wie der Westen fälschlicherweise behauptet.«

Dr. Fawzī Ghurāyba (Zeitschrift al-Fayṣal, Saudi-Arabien, Nr. 64):

»Die Griechen spielten eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Forschungsmethoden. Denn die Studierenden der Entwicklung wissenschaftlicher Forschungsmethoden betrachten diese als Schritte, die in den historischen Epochen durchlaufen wurden: Erstens Versuch und Irrtum oder Sinneserkenntnis und persönliche Erfahrung; Zweitens Verlassen auf Vertrauensquellen und Überlieferungen oder übertragenes Wissen; Drittens mentale Betrachtung und Dialog oder philosophisches Wissen (wofür die Griechen berühmt waren); und zuletzt Schlussfolgerung durch Induktion oder wissenschaftliches Wissen — und das ist die Methode, mit der die Araber begannen.«

Dr. Aḥmad Badr (gleiche Quelle):

»Von den auffälligen Erscheinungen in der islamischen Epoche ist die Sorge um die Verbindung von Theorie und Praxis: Die muslimischen Gelehrten emanzipierten sich von der Anstrebung der Wissenschaft um der Wissenschaft willen allein — sie suchten die Wissenschaft auch um ihren Nutzen in verschiedenen Bereichen ihres Lebens. Bestes Beispiel dafür: das Buch von al-Khwārizmī über die Algebra basierte auf Aufgaben zur Erbteilung und Anteileverteilung. Und es gibt viele Beweise dafür, dass die Muslime von der aristotelischen Analogie abwichen und sich auf Beobachtung und Experiment als Weg zur wissenschaftlichen Forschung stützten — als hätten sie die Methode der Induktion miterfunden.«

Muḥammad ʿAbd al-Qādir al-Fiqī (Zeitschrift al-Waʿy al-Islāmī, Nr. 273, Ramaḍān 1407 n.H.):

»Zu den wichtigsten Grundsätzen und Fundamenten der wissenschaftlichen Forschung bei den muslimischen Gelehrten gehören: 1 — Die Stützung auf das wissenschaftliche Experiment in den Sinnesdingen: Sie akzeptierten kein Ergebnis, das nicht dem Beweis und der Begründung unterlag. ›Sag: Bringt euren Beweis, wenn ihr die Wahrheit sagt.‹ (an-Naml, 27:64 — Bubenheim/Elyas). Die Beobachtung oder das Experiment in den Sinnesdingen war die Grundlage bei der wissenschaftlichen Forschung über materielle Dinge. 2 — Das Stützen auf die Quellen und die Nennung ihrer Autoren und Namen: Das ist eine Wissenschaftlichkeit, die Europa erst in einem späteren Stadium kannte. Dr. Franz Rosenthal erwähnt in seinem Buch »Methoden der muslimischen Gelehrten in der wissenschaftlichen Forschung«: Je bedeutender das Buch war, desto genauer und umfassender kümmerte sich der muslimische Gelehrte um die Nennung seiner Quellen und Referenzen. 3 — Treue und Genauigkeit bei der Überlieferung: In der Einleitung von Yāqūt al-Ḥamawīs »Muʿjam al-Buldān« sagt er, dass er von den Quellen mit aller Genauigkeit und Treue überliefere, und ob das Überlieferte wahr oder falsch sei, die Ehrlichkeit bei seiner Anführung habe für die Gelehrten Bedeutung bei der wissenschaftlichen Forschung. 4 — Korrektur fehlerhafter Theorien und Ablehnung unwahrer Informationen: Ibn an-Nafīs lehnte die Theorie des Galen über den kleinen Blutkreislauf ab; ebenso überzeugte die Theorie des Ptolemäus über den Aufbau der Erde nicht alle muslimischen Gelehrten; al-Kindī widersprach Aristoteles in einigen seiner Gedanken; und Ibrāhīm ibn Sinān, Sohn von Thābit ibn Qurra, kritisierte Aristoteles‘ Buch in einigen seiner Gedanken.«

Die westlichen Gelehrten und ihre Bewertung der arabisch-islamischen Zivilisation:

Aus einem Artikel in der saudischen Zeitschrift al-Fayṣal unter dem Titel »Die Westler und die Bewertung der islamischen Zivilisation«:

»Das älteste und wichtigste Werk, das je im gesamten Westen erschien und ehrlich und ausführlich über die arabisch-islamische Zivilisation und ihren Einfluss auf Europa sprach, ist das Buch, das der englische Orientalist Simon Ockley (1678–1720) unter dem Titel »Geschichte der Muslime« herausgab. Er sagt in seiner Einleitung: »Die Araber, denen die griechischen und römischen Historiker nur geringe Aufmerksamkeit schenkten, haben seit der Epoche Muḥammads, Allāhs Segen und Friede seien auf ihm, sowohl auf den Gebieten der Eroberungen als auch der Wissenschaften ihre intellektuelle Brillanz bewiesen. Deshalb ist das Studium ihrer Geschichte für uns zwingender als die Bekanntschaft mit der Geschichte einer anderen Nation; denn die Araber hatten so große Männer und so gewaltige Werke, wie jede andere Nation, die der Himmel beschattet.«

Der französische Gelehrte Gustave Le Bon in seinem Buch »Zivilisation der Araber« (erschienen 1884):

»Die Kraft war kein Faktor bei der Verbreitung des Islams. Die Araber ließen die Besiegten in ihren Religionen frei. Wenn manche christlichen Völker den Islam annahmen und das Arabische als Sprache übernahmen, so lag das daran, dass die siegreichen Araber Arten von Gerechtigkeit verkörperten, die die Menschen zuvor nicht kannten, und daran, dass der Islam eine Einfachheit aufwies, die andere Religionen nicht kannten… Der Islam verbreitete sich durch den Ruf, nicht durch das Schwert.«

Das Buch »Das Erbe des Islams« (Oxford, 1931, herausgegeben unter der Aufsicht von Prof. Thomas Arnold):

Das Buch würdigte das Verdienst der Araber und Muslime an der europäischen Renaissance und wurde 1954 ins Arabische übersetzt.

Sigrid Hunke, deutsche Orientalistin, in ihrem Buch »Allāhs Sonne über dem Abendland« (1960):

»Die Araber übernahmen die Wissenschaften, die sie erbten, nicht durch bloßes Abschreiben, noch übernahmen sie die wissenschaftlichen Instrumente und Materialien ohne Diskussion und Überprüfung. Von Anfang an erstaunten sie die Welt mit der sachlichen Freiheit und dem wissenschaftlichen Mut, mit dem sie die Ergebnisse und Aussagen der Vorgänger einer kritischen Prüfung, Forschung und Widerlegung unterzogen.«

George Sarton:

»Die Araber haben die Welt bereits in zwei langen Abschnitten des menschlichen Fortschritts geführt — etwa zweitausend Jahre vor den Griechen und dann im Mittelalter für ungefähr vier Jahrhunderte. Und es gibt nichts, das diese Völker daran hindert, die Welt erneut in der nahen oder fernen Zukunft zu führen.«

Franz Rosenthal:

»Die größte intellektuelle Aktivität der Araber zeigt sich deutlich auf dem Gebiet des empirischen Wissens im Rahmen ihrer Beobachtungen und Versuche; denn sie zeigten eine erstaunliche Aktivität und einen erstaunlichen Eifer beim Beobachten und Untersuchen, beim Sammeln und Ordnen.«

Das Buch »Die Araber und Europa« von dem englischen Ratgeber Louis Young:

»Ich erinnere mich, wie weit ich gelesen habe, und wie weit es mir klar wurde, dass Prof. Young eher als Liebhaber der Wahrheit denn als Liebhaber der Araber zu beschreiben ist. Ich sage das nicht, um das Mitgefühl des Autors gegenüber den Arabern zu leugnen, sondern um die Objektivität dieses Gelehrten zu würdigen, seine Fähigkeit, sich von Vorurteilen zu befreien, und seinen Eifer bei der Suche nach Wahrheiten und dem offenen Aussprechen davon, allem trotzend, was den Köpfen im Westen über viele Jahrhunderte hinweg anhaftete.«

Rom Landau:

»Wenn wir uns daran erinnern, wie primitiv die Araber in ihrer Jāhiliyya waren, wird das Ausmaß des kulturellen Fortschritts, den sie in 200 Jahren nach dem Tod des Gesandten, Allāhs Segen und Friede seien auf ihm, erzielten, und die Tiefe dieses Fortschritts zu einem wahrhaftig staunenswürdigen Phänomen.«

Und er fragt in demselben Buch nach den Hauptantrieben hinter dieser Flut wissenschaftlicher Leistungen bei den Arabern und Muslimen: »Ein brennender Wunsch nach tieferem Verständnis der Welt, die Allāh geschaffen hat; Akzeptanz der materiellen Welt nicht als untergeordnet der geistigen Welt an Rang und Stellung, sondern als ihr gleichwertig an Bestand; eine starke Realitätsnähe, die ehrlich und aufrichtig die Natur des arabischen emotionalen Geistes widerspiegelt; und schließlich ihr unstillbarer Hunger der Neugierde. Ihr Glaube, dass alles in der Existenz von Allāh ausgeht — vom Stich der Mücke bis zur Pest, die ganze Länder vernichtet —, dass all das die Macht Allāhs offenbart und deshalb der Betrachtung und des Studiums würdig ist. Im Islam kehrte keine von Religion und Wissenschaft der anderen den Rücken und schlug einen entgegengesetzten Weg ein — die Wahrheit ist vielmehr, dass die erste eine der Hauptantriebskräfte der zweiten war.«

Durant in »Die Geschichte der Zivilisation«:

»Die Anwendung der wissenschaftlichen empirischen Methoden in der Chemie, die die Araber entdeckten, gehört zu den wichtigsten Werkzeugen des modernen Geistes und seinen größten Ruhmestaten. Als Roger Bacon diese Methode in Europa verkündete — fünfhundert Jahre nachdem Jābir ibn Ḥayyān sie verkündet hatte —, war dies das Licht, das ihm seinen Weg von den Arabern al-Andalus erleuchtete, und dieses Licht selbst war nichts als ein Funken vom Licht der Muslime im Osten.«

Und dieser Orientalist erstellte eine Statistik der Anzahl der Ärzte in Bagdad im Jahr 931 n.Chr. und fand, dass es ungefähr 860 lizenzierte Ärzte in Bagdad allein gab.

Der Orientalist »Hall« in seinem Buch »Die arabische Zivilisation«:

»Die deutliche Überlegenheit der Araber über die Griechen auf diesem Gebiet ist der Tatsache zuzuschreiben, dass sie wissenschaftliche Experimente zur Aufklärung der Dunkelheiten und undurchdringlichen Erscheinungen beim Studium der Natur verwendeten, während die Griechen sich auf pure Betrachtungen stützten.«

Der Orientalist Sedillot in »Allgemeine Geschichte der Araber«:

»Die empirische Methode, die die Grundlage des wissenschaftlichen Fortschritts ist, blieb den arabischen Gelehrten zur Verfügung. In der Schule von Bagdad zeigte sich der wissenschaftliche Geist, der auf dem Nichtakzeptieren dessen aufgebaut ist, was sich nicht auf Erfahrung stützt. Diese Methode und dieser Geist wurden zu einem Werkzeug in den Händen der Gelehrten der Neuzeit, das sie zu ihren größten Entdeckungen führte.«

Campbell:

»Die Chirurgie genoss im dreizehnten Jahrhundert n.Chr. in Spanien einen größeren Ruf als in Paris, London oder Edinburgh, denn die Ärzte in Saragossa erhielten den Titel »Arzt-Chirurg«, während man in Europa den Titel »Barbier-Chirurg« trug, und diese Tradition blieb in Spanien bis ins 16. Jahrhundert gültig.«

Der amerikanische Arzt-Historiker Victor Robinson, Verfasser von »Die Geschichte der Medizin«:

»Europa lag in tiefster Dunkelheit nach Sonnenuntergang, während Córdoba von öffentlichen Laternen erleuchtet war. Europa war schmutzig, während Córdoba tausend Bäder errichtet hatte. Europa war von Ungeziefer befallen, während die Einwohner Córdobas ein Beispiel der Sauberkeit waren. Europa versank im Schlamm, während Córdobas Straßen gepflastert waren. Die Dachbalken der Paläste in Europa waren voller Löcher für Rauchklappen, während die Paläste von Córdoba mit dem erstaunlichen arabischen Ornament geschmückt waren. Die Adligen Europas konnten ihre Namen nicht unterschreiben, während die arabischen Kinder von Córdoba in Schulen gingen. Die Mönche Europas lasen die Kirchenbücher mit Fehlern, während die Lehrer Córdobas eine Bibliothek gegründet hatten, die in ihrem Umfang mit der großen Bibliothek von Alexandria wetteiferte.«

König Karl V. sprach im Jahr 1526 den Rat der Kathedrale tadelnd an über den Kirchenbau im Herzen der großen Moschee von Córdoba:

»Ihr habt hier gebaut, was ihr konntet, und jeder andere hätte es woanders gebaut. Aber ihr habt zerstört, was einzigartig auf der ganzen Welt war.«

Der berühmte Prof. Faure, einer der größten französischen Chirurgen, über Abū l-Qāsim az-Zahrāwī:

»az-Zahrāwī gilt zweifellos als die größte Persönlichkeit in der arabischen Chirurgie; er ist die Autorität, auf die alle arabischen chirurgischen Autoren zurückgriffen, und er ist die Autorität, auf die alle chirurgischen Autoren des Mittelalters mit größtem Respekt zurückgriffen.«

Der Historiker Lebry:

»Wären die Araber nicht in der Geschichte erschienen, hätte sich die Renaissance der Wissenschaften und Künste in Europa um viele Jahrhunderte verzögert.«

Zwölf islamische Erfindungen oder Entdeckungen, von denen jede eine entscheidende Wirkung auf den Verlauf der Geschichte hatte:

1 — Die Entdeckung des kleinen Blutkreislaufs (Lungenkreislauf): Entdeckt von Ibn an-Nafīs, gestorben 1288 n.Chr.

2 — Die Anästhesie: Das Verdienst für die Entdeckung der Anästhesie gehört Ibn Sīnā, der sie so beschrieb: ein Schwamm, eingetaucht in eine Lösung aus zusammengesetzten Kräutern (wie Hanf, Lolch, Mohn und Belladonna). Die Operation wird durchgeführt, nachdem der Patient in tiefen Schlaf verfallen ist. Außerdem erfanden die Muslime eine weitere Art von Schwamm, den »Weckenden Schwamm«, getränkt in Essig, um die Wirkung des Narkotikums zu beseitigen und den Patienten nach der Operation aufzuwecken. Auch wandte Ibn Sīnā die Kühlung mit eisgekühltem Wasser zur Lokalanästhesie an, wie in der Zahnchirurgie.

3 — Chirurgische Fäden aus Tier-Darm oder Gedärmen: Entdeckt von ar-Rāzī. Dies hatte einen großen Vorsprung in dem, was heute Innenchirurgie genannt wird.

4 — Die Brille: Die das Leben der Sehschwachen veränderte. Erfunden von al-Ḥasan ibn al-Haytham.

5 — Die Weiterentwicklung der Papierherstellung.

6 — Die Magnetnadel (Kompass): Dank ihr verbesserte sich die Seefahrt und erschienen die Seeentdeckungen und wurden neue Kontinente entdeckt.

7 — Das Schießpulver: Das für Friedens- und Kriegszwecke verwendet wurde.

8 — Die Kanone: Die viele historische Schlachten entschied.

8 — Die Saugkolbenpumpe: Die zur Grundlage für Motoren von Autos und Zügen wurde. Erfunden von »al-Jazarī«, geboren 1165 n.Chr.

9 — Die Kamera: Erfunden von Ibn al-Haytham.

10 — Das Pendel: Dank ihm wurde die Zeit bekannt und wurden Uhren von hoher Messgenauigkeit hergestellt. Erfunden von Ibn Yūnus al-Miṣrī, gestorben 1009 n.Chr.

11 — Die Algebra: Eine islamische Wissenschaft, erfunden von al-Khwārizmī, dem das Verdienst an der Entwicklung der Mathematik, des Rechnungswesens und des Computers zukommt.

12 — Die drei Bewegungsgesetze: Die heute Newton zugeschrieben werden, während die Muslime sie im 10. Jahrhundert n.Chr. vor ihm entdeckten. Dank ihnen entstand die moderne Mechanik und alle Bewegungsmaschinen.

1 — Übersetzung, Bibliotheken, Universitäten und Schulen

Bücher und Bibliotheken:

Innerhalb von zwei Jahrhunderten nach dem Tod des Gesandten, Allāhs Segen und Friede seien auf ihm, war die Buchherstellung in allen Teilen der islamischen Welt verbreitet, und die islamische Zivilisation drehte sich um das Buch. Es gab überall königliche, öffentliche und private Bibliotheken, wo der Buchhandel und das Kopierhandwerk florierten, und alle Schichten der islamischen Gesellschaft kauften eifrig Bücher mit beispiellosem Eifer. Der Grund für diesen Aufschwung war die Papierherstellung in Bagdad und Samarkand. Die Bibliotheken boten Ausleihemöglichkeiten und waren in allen islamischen Provinzen und Städten verbreitet: in Kairo, Aleppo, dem Iran, Zentralasien, Mesopotamien, al-Andalus und Nordafrika. Die Bibliotheksnetze hatten überall in der islamischen Welt eine Verbindung hergestellt. Ein Buch, das in Bagdad oder Damaskus erschien, wurde von Handelskarawanen auf Kamelen transportiert und gelangte innerhalb eines Monats nach Córdoba in Spanien. Dieser Aufschwung schuf kulturelle Einheit und die Verbreitung der arabischen Sprache als Wissenschafts- und Kultursprache in allen islamischen Ländern. Gekümmert wurde sich dabei um das Abschreiben, das Papier und das Buchbinden — was die Buchherstellung zu einem blühenden Gewerbe in der islamischen Welt machte, da Leser und Studenten eifrig Bücher kauften. Diese Bücher behandelten verschiedenste Wissenszweige: die Kalligraphie, die Koranwissenschaften und ihre Auslegungen, die arabische Sprache, Dichtung, Reisebeschreibungen, Biographien, Kulturerbe, Koranexemplare und Tausende andere Buchtitel. Diese kulturelle Renaissance war geeignet, das arabische Denken zum Aufblühen zu bringen, sich auszuzeichnen und sich weiterzuentwickeln.

In Westafrika, in den Königreichen Mali und Timbuktu in ihrer jeweiligen Blütezeit, hatten arabische Bücher ihren Wert, darunter seltene Bücher, die auf Arabisch kopiert wurden, und beide Königreiche hatten öffentliche neben privaten Bibliotheken eingerichtet.

In der Zeitschrift »al-Muqtabas« (Nr. 6, 22. Juli 1906):

»Bagdad erreichte in der Zivilisation ihre höchsten Stufen während der islamischen Hochkultur und war die Hauptstadt der Wissenschaft und der Ausgangspunkt der Strahlen der Weisheit, selbst in Epochen ihres Niedergangs, als ihre politische Schwäche offensichtlich wurde und die Herrschaft der Abbasiden in ihr nur noch nominell war — und noch immer hauchte sie den Geist des Wachstums und des Fortschritts, den die Kalifen des zweiten und dritten Jahrhunderts in sie eingeblasen hatten, sodass Gewohnheit oder die Kraft der Kontinuität regierte, dass das vierte, fünfte, sechste und siebte Jahrhundert jenen beiden Jahrhunderten nur wenig nachstanden. Und diese Hauptstadt blieb mit all ihren Mängeln bedeutender als Córdoba, Kairouan, Ägypten, Damaskus, Samarkand, Chorasan und andere Zentren der Zivilisation und Arbeit — trotz all der Bemühungen, die Führer jener Hauptstädte aufwendeten, um mit Dār as-Salām, der Kuppel des Islams, zu wetteifern.«

Das Haus der Weisheit (Bayt al-Ḥikma):

Das Haus der Weisheit (Bayt al-Ḥikma) ist eine der bedeutendsten Institutionen in der Geschichte der Menschheit. Es wurde begründet von Kalif al-Manṣūr (gest. 158 n.H./775 n.Chr.), der eine Büchersammlung in seinem Palast in al-Karkh anlegte und ihr einen eigenen Bereich widmete. Diese Sammlung ging dann auf Hārūn ar-Rashīd über, der sie mit einer großen Anzahl von Büchern und Werken bereicherte, die ihm aus allen Teilen der Welt zugesandt wurden. Unter Kalif al-Maʾmūn (gest. 218 n.H./833 n.Chr.) erhielt das Haus der Weisheit ein eigenes Gebäude im östlichen Teil Bagdads (ar-Ruṣāfa), und der Kalif, der ein herausragender Gelehrter war, widmete ihm außerordentliche Sorge und schenkte ihm viel von seinem Reichtum und seiner Zeit. ar-Rashīd sandte auch Expeditionen nach Konstantinopel und in andere byzantinische Länder, um Bücher zu erwerben, und beauftragte Yūḥannā ibn Māsawayh (gest. 243 n.H./857 n.Chr.) mit der Aufsicht über ihre Übersetzung ins Arabische.

Der innere Aufbau des Hauses der Weisheit:

Das Haus der Weisheit war im Inneren in viele Räume eingeteilt, zwischen denen sich lange Gänge erstreckten. Für die Bücher war ein Raum ausgestattet, versehen mit Regalen, auf denen die Bücher aufgestellt wurden. Für Vorträge und Debatten gab es einen dafür vorgesehenen Saal, und einen weiteren für die Ruhe, in dem Studierende und Lesende nach der Arbeit saßen. Die übrigen Räume des Hauses der Weisheit waren in Abteilungen entsprechend der dort Arbeitenden aufgeteilt: Räume für Übersetzer, Räume für Kopisten, Räume für Buchbinder und Papierhändler, Räume für Archivare und Auslieferer, dazu spezielle Räume für den Unterricht und andere für die Unterkunft der Studierenden.

Das Haus der Weisheit wurde von einem Aufseher geleitet, der seine Angelegenheiten verwaltete und »Besitzer des Hauses der Weisheit« (ṣāḥib Bayt al-Ḥikma) genannt wurde — ausgewählt aus den Gelehrten, die Sprachen beherrschten und ihre Grundlagen kannten. Als erster Leiter des Hauses der Weisheit unter Hārūn ar-Rashīd gilt Yūḥannā ibn Māsawayh, dem auch die Aufgabe der Aufsicht über die Übersetzung der Bücher übertragen wurde, die ar-Rashīd aus Byzanz mitgebracht hatte. Yūḥannā war Nestorianer aus Jundīshāpūr, schrieb auf Syrisch und Arabisch und beherrschte das Griechische, neben seiner Kompetenz in der Medizin.

Die Übersetzer im Haus der Weisheit:

Das Haus der Weisheit umfasste unter seinen Mitarbeitern die Gruppe der Übersetzer, die sich in zwei Hauptgruppen teilten:

— Eine Gruppe, die direkt aus der Sprache übersetzte, in der das Buch verfasst war — Griechisch, Syrisch oder Persisch — ins Arabische.

— Eine andere Gruppe, die aus einer Fremdsprache in eine andere Fremdsprache übersetzte, woraufhin andere Übersetzer diese Bücher ins Arabische übertrugen.

Zu den bekanntesten Übersetzern gehören: Abū Sahl al-Faḍl ibn Nawbakht, Yūḥannā ibn Māsawayh, Ibn al-Baṭrīq, Yaḥyā ibn Abī Manṣūr al-Munajjim, Ḥunayn ibn Isḥāq, Thābit ibn Qurra, Isḥāq ibn Ḥunayn und andere.

Neben den Übersetzern gab es die »Kopisten« (nussākhūn), die Bücher kopierten. Zu den bekanntesten zählt ʿAllān ash-Shuʿūbī, persischer Herkunft, der Bücher gegen hohe Honorare für ar-Rashīd, die Barmakiden und al-Maʾmūn kopierte. Dann kommen die »Archivare« (khāzinūn), die für die Aufbewahrung der Bücher nach ihren dafür bestimmten Plätzen sorgten und sie auf die für sie vorbereiteten Regale stellten, und die »Buchbinder« (mujalllidūn), die für das Einbinden der Bücher zuständig waren, von denen Ibn Abī l-Ḥarīsh der bekannteste war, und die »Auslieferer« (munāwilūn), deren Aufgabe darin bestand, die Bücher von den Archivräumen und Regalen zu den Lesenden, Kopierenden und Buchbindenden zu bringen.

Das Haus der Weisheit enthielt neben den Büchern und Schriften auch geographische Karten, astronomische Kalender und Ṭāshjānat (Ephemeridentabellen) und anderes. Al-Masʿūdī (gest. 346 n.H./957 n.Chr.) erwähnte diese Karten in seinem Buch »at-Tanbīh wa-l-Ishrāf«; es enthielt auch viele Bücher in verschiedenen Schriften — in Ḥimyarischer, Aramäischer, Hebräischer und anderen Schriften.

Die Bedeutung des Hauses der Weisheit:

Die Bedeutung des Hauses der Weisheit für die islamische Geistesrenaissance zeigt sich in der reichen Fülle von Werken, die in jener Zeit erschienen, und in der Vielzahl forschender Gelehrter: al-Farrāʾ an-Naḥwī (gest. 207 n.H./822 n.Chr.) verfasste sein Buch »Maʿānī al-Qurʾān«; al-Aṣmaʿī (gest. 216 n.H./831 n.Chr.) schrieb ein Buch über die Geschichte alter Könige; al-Khwārizmī, der berühmte Mathematiker (gest. nach 232 n.H./846 n.Chr.), schrieb seine mathematischen Werke, an erster Stelle sein Buch über die Algebra, die dieser ehrwürdige Gelehrte erfand; der Historiker Ḥamza al-Aṣfahānī (gest. 360 n.H./971 n.Chr.) schrieb sein Buch über »Die Geschichte der Könige und Propheten«, gestützt auf Quellen, die er im Haus der Weisheit fand; und Ibn an-Nadīm (gest. 438 n.H./1046 n.Chr.) schrieb sein Buch »al-Fihrist« (Katalog) ebenfalls im Haus der Weisheit — zusätzlich zu Hunderten von Büchern, die die Übersetzer in dieser wissenschaftlichen Institution in verschiedenen Wissenschaften herausbrachten.

Das Interesse am Haus der Weisheit ließ nach dem Tod von al-Maʾmūn nach, als das Zentrum des Kalifats unter Kalif al-Muʿtaṣim Billāh (gest. 227 n.H./842 n.Chr.) nach Sāmarrāʾ verlegt wurde. Dann erfreute es sich etwas Sorge unter Kalif al-Mutawakkil ʿalā Allāh (gest. 247 n.H./861 n.Chr.), der es in seiner Aktivität wiederherstellte, ihm Schenkungen zukommen ließ und es Ḥunayn ibn Isḥāq anvertraute und Übersetzer für es herbeiholte — so lebte es wieder auf und die Übersetzungsbewegung darin erblühte erneut.

Das Haus der Weisheit bestand bis zum Mongolensturm auf Bagdad im Jahr 656 n.H./1258 n.Chr., der alles zerstörte, was darin gebaut worden war — das Haus der Weisheit unter dem, was zerstört wurde; seine Bücher wurden verbrannt und seine Sehenswürdigkeiten gingen verloren, nachdem es mehr als viereinhalb Jahrhunderte lang eine islamische Universität und ein Leuchtturm des Wissens und der Gelehrten gewesen war.

Es sei angemerkt, dass das Haus der Weisheit verschieden ist von Dār al-Ḥikma, das der fatimidische Kalif »al-Ḥākim bi-Amr Allāh« in Kairo im Jahr 395 n.H./1005 n.Chr. gründete und zu einer Schatzkammer für Bücher und wissenschaftliche Gegenstände machte.

Die großen Universitäten des Islams:

Es ist, als ob Allāh das vierte Jahrhundert für die Gründung der größten muslimischen Hochschule von heute ausersehen hätte — nämlich al-Azhar in Kairo, den der Feldherr Jawhar baute; und als ob Er das fünfte Jahrhundert dafür bestimmt hätte, dass Allāh Niẓām al-Mulk, den Wesir der Seldschuken, zur Gründung der Niẓāmiyya-Schule im Jahr 459 n.H. in Bagdad berief; und al-Mustanṣir Billāh al-ʿAbbāsī, der ebenfalls seine Mustanṣiriyya-Schule zu Beginn des siebten Jahrhunderts in Bagdad gründete.

Die Niẓāmiyya-Schule des Niẓām al-Mulk:

Niẓām al-Mulk gründete seine Niẓāmiyya-Schule in der Mitte des östlichen Teils des Tigris und teilte sie in viele Kammern auf, von denen er jeder Zweig der Religions- und Weltwissenschaften einige widmete; er richtete darin viele Räume ein, in denen Studierende und Lehrende Unterkunft fanden — dazu Vorhallen, Begegnungsräume, Säle, ein großer Garten, eine Gebetsstätte, Ruheräume und alle Einrichtungen, die ein Wissenshaus wie dieses erforderte, von der Küche und dem Bad bis zu anderen Anlagen. Und es gab darin eine großartige Bücherschatzkammer wie in anderen großen Schulen, offen für alle Gelehrten und Studierenden.

Das Gebäude wurde in zwei Stockwerken errichtet, und an seinen Rändern wurden Gänge und Öffnungen angelegt; es wurden Amphitheater und Lagerräume eingerichtet, in denen alle Bedürfnisse seiner Bewohner an Nahrung, Kleidung und Bettstatt vorrätig waren. Lehrende wie Lernende wurden mit allem Notwendigen versorgt, so dass jeder Einzelne aus seinen reichen Stiftungseinkünften erhielt, was seinen Bedarf und manchmal sogar mehr als seinen Bedarf bedeckte.

Zu seinen Schejchen und Lehrenden gehörten herausragende Gelehrte wie Abū Isḥāq ash-Shīrāzī, Abū Naṣr ibn aṣ-Ṣabbāgh, die Koranische Autorität Abū Ḥāmid al-Ghazālī und sein Bruder Abū l-Futūḥ Aḥmad, Abū l-Fatḥ ibn Burhān, Abū l-Qāsim ad-Dabbūsī, Abū ʿAbdullāh aṭ-Ṭabarī, Abū Muḥammad ash-Shīrāzī, Ḍiyāʾ ad-Dīn as-Suhrawardī, Abū l-Qāsim al-Qushayrī und andere.

Die Mustanṣiriyya-Schule:

Die Schwester dieser Schule, ja ihre Nachfolgerin, ist die Mustanṣiriyya-Schule, die der abbasidische Kalif al-Mustanṣir Billāh im Jahr 631 n.H. in ar-Ruṣāfa am östlichen Ufer des Tigris baute. Er gab für ihren Bau aus, was Könige ausgeben, wenn sie mit ihm ihr Gedächtnis verewigen und ihre Ruhmesstaten lebendig halten wollen. Er richtete darin eine Bücherschatzkammer ein, in die aus allen Himmelsrichtungen Lasten von Büchern gebracht wurden — einer Überlieferung nach einhundertsechzig Trägerlastungen, einer anderen nach zweihundertneunzig, abgesehen von dem, was danach hinzugefügt wurde. Sie war nach den vier Rechtsschulen eingerichtet und beherbergte ein Krankenhaus mit Ärzten, die Medizin lehrten; auch wurden darin Tierkunde, Botanik, Astronomie, Mathematik in verschiedenen Formen, Literatur in ihren Arten, Geographie, Geschichte, Hadithwissenschaften und Koranwissenschaften unterrichtet.

Der erste, dem der Unterricht in dieser Hochschule übertragen wurde, war Muḥyī d-Dīn Abū ʿAbdullāh ibn Faḍlān ash-Shāfiʿī, und Rashīd ad-Dīn Abū Jaʿfar al-Farghānī al-Ḥanafī. Zu ihren berühmten Lehrenden zählte Jamāl ad-Dīn al-ʿĀqūlī.

Die erste Universität in Europa — von den Arabern übernommen:

ʿAbd ar-Raḥmān an-Nāṣir, achter König der Umayyaden in al-Andalus, bekannt als ʿAbd ar-Raḥmān III., bestieg den Thron al-Andalus im Jahr 300 n.H. und starb im Jahr 350 n.H. In seiner Zeit wurden Moscheen und Schulen errichtet, am berühmtesten davon die Medizinschule — nach Einigkeit der Historiker die erste Schule, die in Europa gegründet wurde. Er gründete auch die berühmte Bibliothek in Granada, eine der schönsten Bibliotheken ihrer Zeit auf Erden, in der er sechshunderttausend Bände aufbewahrte.

Mit dieser wissenschaftlichen Renaissance entstanden islamische Universitäten erstmals in der islamischen Welt — zwei Jahrhunderte vor Europa. Die erste Universität war Bayt al-Ḥikma, gegründet in Bagdad im Jahr 830 n.Chr.; dann folgte die Universität von al-Qarawiyyīn im Jahr 859 n.Chr. in Fes; dann al-Azhar im Jahr 970 n.Chr. in Kairo. Die erste Universität in Europa wurde in »Salerno« auf Sizilien im Jahr 1090 n.Chr. unter König Roger II. von Sizilien gegründet, der seine Idee von den dortigen Arabern übernahm. Dann folgte die Universität von Padua in Italien im Jahr 1222 n.Chr., an der damals arabische Bücher gelehrt wurden.

Traditionen der islamischen Universitäten:

Die islamischen Universitäten hatten etablierte Traditionen und Organisation. Die Studierenden trugen eine einheitliche spezielle Kleidung, und die Professoren trugen eine eigene Kleidung. Die Kleidung konnte von Land zu Land und von Epoche zu Epoche variieren. Die Europäer übernahmen von der islamischen Universitätskleidung den akademischen Umhang, der heute noch in ihren Universitäten verwendet wird. Wenn Kalifen und Wesire die islamische Universität besuchen wollten, legten sie das Gewand der Fürstenschaft und des Wesirs ab und zogen das Universitätsgewand an, bevor sie eintraten.

Die Zuwendungen der Universitäten stammten aus Stiftungseinkünften. Dem neu immatrikulierten Studierenden wurde eine neue Kleidung und eine Essensration gegeben. Die meisten erhielten ein Stipendium in Form eines Gehalts — was man heute als Studienbeihilfe bezeichnet. Der Unterricht war für alle kostenlos, gleich ob Araber oder Nicht-Araber, Weiß oder Schwarz.

An den Universitäten gab es kostenlose Studentenwohnheime für auswärtige Studierende, die man »Arkaden« (arwiqā) nannte. Die Studierenden wurden »Nachbarn« (mujāwirūn) genannt, weil sie in ihrer Nähe wohnten. An einer einzigen Universität lebten viele Nationalitäten aus den Völkern und Nationen der islamischen Welt in Brüderlichkeit und Gleichheit unter dem Schirm des Islams und des Wissens: Marokkaner, Syrer, Kurden, Türken, Chinesen, Bucharer, Samarkander, selbst aus den Tiefen Afrikas, Asiens und Europas.

Das Unterrichtssystem war ein Kreis-System (ḥalaqāt), von denen manche innerhalb von Klassenzimmern abgehalten wurden, die meisten aber im Freien — auf Plätzen oder neben Brunnen in großen Moscheen. Jeder Kreis hatte seinen Professor, der die Anwesenheit und das Fehlen seiner Studierenden notierte. Es gab kein Mindestalter für Studierende an diesen offenen Universitäten. Manche Kalifen und Herrscher besuchten diese Lehrkreise; sie wetteiferten darin, berühmte Gelehrte aus allen Teilen der islamischen Welt zu gewinnen, lockten sie mit Gehältern und Positionen und boten ihnen alle Erleichterungen für ihre Forschungen. Das trug dazu bei, dass sich das Wissen schnell verbreitete und die islamische Zivilisation in den Ländern des Islams weitergegeben wurde.

Der islamische Staat kümmerte sich bemerkenswert um öffentliche Einrichtungen: Er errichtete Moscheen, an die öffentliche Bibliotheken mit den neuesten Neuerscheinungen ihrer Zeit angegliedert waren, dazu Regierungskanzleien, öffentliche Bäder, Armenspeisungen, Herbergen für Reisende auf den öffentlichen Straßen — besonders auf den Wegen der weltweiten Handelskarawanen und den traditionsreichen Pilgerrouten — sowie die Gründung von Städten, Konventen und Rasthäusern für Sufis, Waisen, Witwen, Arme und Reisende. Brunnen wurden errichtet, um Trinkwasser auf den Straßen anzubieten.

Das neunte Jahrhundert — der Höhepunkt der islamischen Wissenschaft:

Das neunte Jahrhundert n.Chr. hat seine Bedeutung für die wachsende islamische Zivilisation, denn die Werke der muslimischen Gelehrten waren außergewöhnlich und sie waren herausragende Wissenschaftsmänner. Al-Maʾmūn, der gebildete und erleuchtete abbasidische Kalif (gest. 833 n.Chr.), ermunterte sie zur Wissenssuche und gründete für sie Bayt al-Ḥikma als Akademie der wissenschaftlichen Forschung in Bagdad unter seiner persönlichen Schirmherrschaft, richtete darin ein Observatorium und eine umfangreiche Bibliothek ein und gründete ein zweites Observatorium auf der Ebene von Palmyra in Syrien. Er sammelte Handschriften aus aller Welt zur Übersetzung ihrer Wissenschaften.

Die Astronomen in Palmyra bestimmten in seiner Zeit die Neigung der Mondfinsternis und erstellten Tabellen der Planetenbewegungen. Er bat sie, den Umfang der Erde zu bestimmen, und sie maßen ihn — sie fanden ihn 20.400 Meilen und seinen Durchmesser 6.500 Meilen. Das belegt, dass die Araber damals wussten, dass die Erde kugelförmig ist — fünf Jahrhunderte vor Kopernikus. Al-Maʾmūn bat sie auch, eine Karte der Erde zu erstellen.

In der Astronomie bewiesen sie ihre Rotation, und ihre Messungen kommen den Messungen der Astronomen mit künstlichen Satelliten nahe. Sie glaubten irrtümlicherweise, sie sei das Zentrum des Universums, um das Mond, Sonne und Planeten kreisten — diesen Glauben übernahmen sie vom griechischen Denken. Sie entdeckten viele Sterne und Galaxien und benannten sie mit arabischen Namen, die ihnen bis heute gegeben werden.

In Wikipedia, der freien Enzyklopädie, unter dem Titel »Islamische Wissenschaften«:

»Die Muslime erfanden neue Wissenschaften, die vor ihnen unbekannt waren, und nannten sie mit arabischen Namen wie die Chemie, die Algebra und die Trigonometrie. Aus unserer Lektüre des islamischen Wissenschaftserbes finden wir, dass muslimische Gelehrte die wissenschaftliche Methode im Forschen und Schreiben erfanden — sie stützte sich auf Experiment, Beobachtung und Schlussfolgerung. Die muslimischen Gelehrten führten erläuternde Zeichnungen in wissenschaftliche Bücher ein, Zeichnungen von Apparaten und chirurgischen Operationen sowie detaillierte geographische und astronomische Karten. Die Muslime erfanden Enzyklopädien und wissenschaftliche Wörterbücher nach dem Alphabet. Die Entdeckung der Papierherstellung und die Verbreitung des Schreibhandwerks (wirāqa) in der islamischen Welt trugen zur Verbreitung von Handschriften und ihrer Abschrift bei. Die arabischen Handschriften waren teils Übersetzungen, teils Eigenwerke. Und die islamischen Bibliotheken waren nicht wie die unserer Zeit bloße Orte zur Aufbewahrung von Büchern, sondern die Hauptbibliothek hatte eine spezielle Übersetzungsabteilung, eine weitere für Abschrift und Übertragung und eine für Aufbewahrung und Verteilung.«

Der Orientalist Adam Metz in seinem Buch »Die islamische Zivilisation im vierten Jahrhundert der Hijra«:

»Europa hatte damals nicht mehr als eine begrenzte Anzahl klösterlicher Bibliotheken. Die Geschichte kennt kein Volk, das sich um den Erwerb von Büchern und die Ehrerbietung gegenüber ihnen so gekümmert hat wie die Muslime in den Epochen ihrer Renaissance und Blüte. In jedem Haus gab es eine Bibliothek. Wohlhabende Familien brüsteten sich mit seltenen und wertvollen Handschriften, die sie besaßen. Manche Kaufleute reisten in die fernsten Teile der Erde, um eine Kopie einer seltenen oder neuen Handschrift zu erwerben. Und Kalifen und Reiche zahlten großzügig für jede neue Handschrift.«

Wichtigste ausländische Bibliotheken mit arabischen Handschriften:

1 — Der Escorial und die islamische Bibliothek: König Philipp II. sammelte ihren Kern im Jahr 1557 n.Chr. aus den Resten der islamischen andalusischen Bibliothek von Granada. Sie enthält 1.900 arabische Handschriften. Im Jahr 1614 wurde ihr die Bibliothek »Mawlāy Zaidān«, eines der Sultane Marokkos, hinzugefügt, die dreitausend arabische Handschriften enthält. Im Jahr 1671 brach ein Feuer im Escorial aus, das einen großen Teil davon fraß — von den arabischen Werken überlebten nur 1.900 Handschriften. 1749 wurde Mīkhāʾīl al-Mārūnī mit ihrer Katalogisierung beauftragt, und fünftausend arabische Bände wurden hinzugefügt. Im Jahr 1880 vollendete Hartwig Derenbourg die Katalogisierung ihrer Handschriften bis zur vollständigen Vollendung.

2 — Die Pariser Nationalbibliothek: Ihr Entstehungsdatum geht auf das Jahr 1654 n.Chr. zurück; sie enthält siebentausend arabische Handschriften, ferner Koranseiten auf Pergament und ein vollständiges Exemplar von Idrīsīs »Nuzhat al-Mushtāq«. Pater Peyron erstellte 1882 einen allgemeinen Katalog der orientalischen Handschriften.

3 — Die Chester Beatty Library in Dublin enthält seltene orientalische Handschriften, die Sir Chester Beatty erwarb; die Anzahl der arabischen Handschriften beträgt etwa 1.500.

4 — Die Bibliothek »Ḥājjī Khalīfa«: Eine der berühmtesten orientalischen Bibliotheken in Istanbul. Gegründet von Ḥājjī Khalīfa (1644–1665 n.Chr.), der mehr als tausend Handschriften auf Arabisch, Persisch, Türkisch und Hebräisch für sie sammelte.

Zu den anderen Bibliotheken, die arabische und islamische Handschriften enthalten, zählen: die Berliner Nationalbibliothek, die Dresdner Nationalbibliothek, die Rylands-Bibliothek John in Manchester, die Zürcher Bibliothek, die St.-Katharinen-Bibliothek, die dem Katharinenkloster auf dem Sinai angegliedert ist und etwa 600 arabische Handschriften enthält, die Bibliothek von Cambridge, die Bibliothek von Leiden in Holland, das British Museum in London, die Bibliothek von Neapel in Italien, die Bibliothek von Göttingen in Deutschland und die Vatikanische Bibliothek (60.000 orientalische und westliche Handschriften).

2 — Die Medizin

Prof. Dr. Asʿad al-Ḥakīm, Allāhs Erbarmen sei mit ihm, in einem Vortrag, den er in der Arabischen Wissenschaftlichen Akademie in Damaskus am 30. März 1923 unter dem Titel »Geschichte der Medizin bei den Arabern« hielt:

»Es gibt eine Gruppe, die der Meinung ist, die Araber hätten die Medizin erfunden, ins Leben gerufen, alle ihre Zweige kreiert und sie systematisiert; eine andere Gruppe ist der Meinung, die Araber hätten die griechische Medizin übernommen und vollständig umgewälzt, sodass sie für sie wie die Feder für den Schreiber oder das Skelett für den Körper war. Andere gehen zum Gegenteil davon über: die Araber seien nichts weiter als eine stumme Übertragungsbrücke oder eine bedeutungslose Präposition zwischen den Ärzten der Früheren und der Späteren gewesen — sie trugen auf ihren Rücken das Wissen der Früheren, ohne dass ihre Augen es musterten oder ihre Fingerkuppen es berührten. Ihr Verdienst-Anteil war der Anteil des Übertragenden, nicht der des Begründenden. Und manche gehen noch weiter in der Häßlichkeit der Voreingenommenheit: Die Araber hätten das Antlitz der alten Medizin entstellt durch das, was sie an Aberglauben und Scharlatanerie eingebracht hätten, was die Menschheit durch Jahrhunderte und Zeitalter behelligte.

Wer hat also Recht? Und was ist das entscheidende Wort zwischen diesen sich widersprechenden Aussagen und gegensätzlichen Urteilen? Die Araber schufen die Medizin nicht und erfanden sie nicht; ebensowenig waren sie eine stumme Übertragungsbrücke zwischen den Früheren und den Späteren.

Die Medizin ist in ihren Grundlagen nicht das Werk einer Nation, die sich der Welt gegenüber ihres Schaffens rühmt. Vielmehr ist sie eine der Bewegungen des ursprünglichen Menschen, zu der er durch einen natürlichen Antrieb getrieben wurde — den Instinkt der Lebenserhaltung und der Schmerzvermeidung. So drückte er seine Wunden, um die Blutung zu stoppen oder das Empfinden zu betäuben, mied die Bewegung zur Schmerzlinderung, suchte Wärme bei Kälte und suchte Kühle bei Fieber — instinktive Handlungen, die bei allen Tieren zu beobachten sind. Dann begann dieser natürliche Sinn, sich schrittweise in Wahrnehmung, dann in Erkenntnis, dann in Wissenschaft zu verwandeln, gemäß der Aufstiegssunna.

Die ersten Völker, die sich darum kümmerten, das zu sammeln, wozu der Mensch an Mitteln zur Abwehr von Krankheiten und zur Erhaltung der Gesundheit gelangt war, waren die Chaldäer; dann die Griechen, die Hippokrates annahm, Sokrates betreute und Galen veredelte.

Doch es dauerte nicht lange, bis die Zeit Griechenland mit Wucht niederstreckte und die Zivilisation Roms mit ihrer Armee vernichtete. So verdunkelten sich jene Sonnen nach dem Leuchten, und jene Gewässer trübten sich nach der Reinheit. Das Feld der Medizin wurde unfruchtbar nach der Fruchtbarkeit und ihr Markt stagnierte nach der Blüte. Die Drangsale warfen sie bald nach Byzanz, bald nach Rom, bald nach Alexandria und schließlich nach Jundīshāpūr. Und während sie ihren letzten Atemzug tat, erreichten die Araber sie mit ihrem Gegengift — sie erholte sich nach dem Ersticken und wurde vertraut nach der Hoffnungslosigkeit. Sie öffneten ihr die Weite ihrer Herzen, tränkten sie mit den süßen Wasserbecken ihrer Verstände, kleideten sie dann in die indischen Hauben und persischen Kronen, die sie gefunden hatten, und schmückten sie mit dem, was ihre Geister an neuen Gedanken erdacht und an Entdeckungen und Erfindungen hervorgebracht hatten — so erfreute sie das Wohlbefinden des Lebens und die Reinheit der Luft.«

Dr. Gustave Le Bon in »Zivilisation der Araber«:

»Nicht wie gesagt durch die Kreuzfahrer, sondern durch al-Andalus und Sizilien und Italien gelangte die Wissenschaft nach Europa. Im Jahr 1130 wurde in Toledo unter der Leitung von Erzbischof Raymond ein Übersetzungsbüro gegründet, das die berühmtesten arabischen Autoren ins Lateinische übertrug, und der Erfolg dieser Übersetzungen war groß — der Westen trat durch sie in eine neue Welt ein. Das Bemühen setzte sich im 12., 13. und 14. Jahrhundert ununterbrochen fort. Nicht nur wurden die arabischen Autoren wie ar-Rāzī, Abū l-Qāsim az-Zahrāwī, Ibn Sīnā, Ibn Rushd und andere ins Lateinische übertragen, sondern auch die griechischen Autoren wie Galen und Hippokrates, deren Werke die Araber in ihre Sprache übersetzt hatten. Den Arabern allein — nicht den Mönchen des Mittelalters, die nicht einmal das Vorhandensein der griechischen Sprache kannten — gebührt das Verdienst für die Kenntnis der alten Geschichte, und die gesamte Welt schuldet ihnen Dankbarkeit für ihre Rettung dieses kostbaren Schatzes.«

Berühmte Medizinbücher in der islamischen Renaissanceepoche:

Dr. ʿAbd ar-Raḥmān al-Kiyālī in einem Artikel in der Zeitschrift der Wissenschaftlichen Akademie Damaskus unter dem Titel »Bildung der Ärzte bei den Arabern — die berühmtesten Bücher in verschiedenen medizinischen Wissenschaften«:

1 — Das Buch »al-Ḥāwī« (Continens): Von Abū Bakr Muḥammad ibn Zakariyyā ar-Rāzī, genannt »Galen der Araber« und der höchste Arzt unter den arabischen Ärzten, gestorben im Jahr 420 n.H. Das Buch umfasst nach Abū l-Fidāʾ 30 Bände und nach Ibn an-Nadīm, dem Verfasser von »al-Fihrist«, 12 Bände. Farāj ibn Sālim übersetzte es ins Lateinische, und es wurde mehrfach in Venedig und in Brescia im Mittelalter veröffentlicht.

2 — Das Buch »Kāmil aṣ-Ṣināʿa aṭ-Ṭibbiyya« (Das vollständige ärztliche Handwerk): Von ʿAlī ibn al-ʿAbbās al-Majūsī, auch bekannt als »das Königliche Buch« (al-Kitāb al-Malakī), verfasst für König ʿAḍud ad-Dawla Fanākhusraw ibn Rukn ad-Dawla Abū ʿAlī Ḥasan ibn Būya al-Daylamī. Es ist ein bedeutendes Buch, das alle Teile des ärztlichen Handwerks einschließlich der Chirurgie enthält. Es wurde ins Lateinische übersetzt und in Leiden im Jahr 1533 n.Chr. gedruckt und in Bulaq in zwei Bänden gedruckt.

3 — Das Buch »at-Taṣrīf li-man ʿajaza ʿan at-Taʾlīf« (Die Methode für den, der nicht selbst verfassen kann): Von Abū l-Qāsim Khalaf ibn al-ʿAbbās az-Zahrāwī, einem der größten arabischen Chirurgen. Geboren in az-Zahrāʾ bei Córdoba, Leibarzt des Kalifen, gestorben im Jahr 403 n.H. Sein Buch wurde ins Lateinische übersetzt und im Jahr 1778 n.Chr. gedruckt. Er war der erste, der die Unterbindung der Schlagader zur Blutstillung anwendte, und viele europäische Gelehrte priesen ihn und bezeugten ihm Überlegenheit und Vorrang in vielen Dingen.

»at-Taṣrīf« ist eine medizinische Enzyklopädie mit dreißig Kapiteln, aufgeteilt in drei Teile: der erste über innere Medizin, der zweite über Pharmakopöe und Chemie, der dritte über Chirurgie. Der dritte chirurgische Teil zeichnet sich durch seine Zeichnungen chirurgischer Instrumente und Zahnarztinstrumente aus, die zu seiner Zeit verwendet wurden — diese Zeichnungen waren einzigartig in ihrer Art. Den chirurgischen Teil übersetzte »Girard von Cremona« ins Lateinische, und das Buch blieb Jahre lang als Lehrbuch an den Universitäten Europas — wie Salerno und Montpellier.

4 — »Tadhkirat al-Kaḥḥālīn« (Notiz der Augenheilkundigen): Von ʿAlī ibn ʿĪsā ibn al-Kamāl, dem christlichen Arzt, gestorben nach dem Jahr 400 n.H. in Bagdad. Das Buch ist gedruckt und eines der besten, was über Augenheilkunde verfasst wurde; es wurde ins Lateinische übersetzt und mehrfach gedruckt und war eines der Lehrbücher bei den Arabern.

5 — Das Buch »Tanqīḥ al-Manāẓir« (Verfeinerung der Optik): Von Ibn al-Haytham, Abū ʿAlī Muḥammad ibn al-Ḥasan al-Baṣrī, gestorben um das Jahr 400 n.H. Er ragte hervor in Geometrie, Optik und Lichtlehre. Er kam nach Ägypten in den Tagen von al-Ḥākim bi-Amr Allāh, zog sich dann zurück und beschäftigte sich mit dem Verfassen von Schriften und der Lehre. Er beschrieb das Auge genau, forschte die Optik umfassend und war der erste, der sagte, das Licht trete ins Auge ein, nicht aus. Er bewies, dass die Netzhaut des Auges das Zentrum des Sehens ist, dass die Gesehenen über den Sehnerv ins Gehirn übermittelt werden und dass die Einheitlichkeit des Sehens mit beiden Augen auf die Identität der Bilder auf beiden Netzhäuten zurückzuführen ist. Sein Buch wurde mit lateinischer Übersetzung unter der Aufsicht von Prof. Heil in Dresden im Jahr 1845 n.Chr. gedruckt.

6 — Das Buch »al-Qānūn fī aṭ-Ṭibb« (Der Kanon der Medizin): Von Scheikh ar-Raʾīs Abū ʿAlī ibn Sīnā, gestorben im Jahr 448 n.H. Es ist zweifellos das beste Erbe in der arabischen Medizin und das erhabenste Buch für den Unterricht der Medizin in Europa und den arabischen Ländern seit mehr als acht Jahrhunderten. Es wird noch in einigen Ländern des Nahen Ostens, Indiens und Nordafrikas verwendet und gelehrt. Es ist in fünf Teile aufgeteilt:

Erster Teil, fünf Kapitel: 1 — Definitionen, Elemente, Temperamente, Konstitutionen und Geister. 2 — Anatomie: Knochen, Muskeln, Nerven, Arterien, Venen. 3 — Krankheiten und ihre Symptome. 4 — Gesunderhaltung und Krankheitsprävention. 5 — Behandlung im Allgemeinen.

Zweiter Teil: untersucht Einzelarzneimittel nach dem Alphabet.

Dritter Teil: untersucht Erkrankungen des Körpers vom Kopf bis zu den Füßen, einschließlich Anatomie der Organe: Kopf, Gehirn, Augen, Ohren, Nase, Mund und Zunge, Lippen, Zähne, Zahnfleisch, Rachen, Brüste, Brust, Lungen, Speiseröhre, Magen, Leber, Gallenblase, Milz, Darm, Geschlechtsorgane bei Männern und Frauen.

Vierter Teil, sieben Kapitel: 1 — Fieber. 2 — Prognose und Krisis. 3 — Geschwülste und Wunden. 4 — Chirurgie und manuelle Eingriffe. 5 — Frakturen und Verrenkungen. 6 — Gifte. 7 — Hautkrankheiten.

Fünfter Teil: Zusammengesetzte Arzneimittel und Behandlungen.

7 — Das Buch »al-Mūjaz« (Kurzgefasst): Von Ibn an-Nafīs al-Qurashī, gestorben im Jahr 698 n.H. — ʿAlī ibn Abī l-Ḥazm al-Qurashī mit dem Beinamen Ibn an-Nafīs. Geboren in Damaskus, lebte er in Ägypten bis zu seinem Tod. Das Buch ist eine Zusammenfassung von Ibn Sīnās »Qānūn« und »ash-Shāmil fī aṭ-Ṭibb«. Es wurde in Indien gedruckt. Ibn an-Nafīs ist der erste, der den kleinen Blutkreislauf entdeckte.

8 — Das Buch »at-Taysīr fī l-Mudāwāt wa-t-Tadbīr« (Die Erleichterung in Behandlung und Planung): Von Ibn Zuhr, Abū Marwān ʿAbd al-Malik ibn Abī l-ʿAlāʾ ibn Zuhr, geboren in Sevilla, al-Andalus, im Jahr 464 n.H. und gestorben im Jahr 525 n.H. Er entstammt einer Familie, deren Mitglieder seit Generationen als Ärzte bekannt waren, doch er war der Brillanteste unter ihnen; er ist auch einer der wenigen arabischen Ärzte, die ihre Bemühungen ausschließlich auf die Medizin konzentrierten. Er verfasste dieses Buch und widmete es seinem Schüler, dem großen Philosophen und Arzt Ibn Rushd. Das Buch beschreibt Krankheiten klar und deutlich, frei von philosophischen Theorien.

Ibn Zuhr war der erste, der den Pleuraabszess präzise beschrieb und eine Perikardentzündung (Entzündung des Herzgefäßes) in beiden Formen — trocken und feucht — beschrieb und sie von Lungenkrankheiten unterschied. Während seiner Gefängniszeit schrieb er eine präzise Beschreibung der Symptome eines Magenkrebses, an dem sein Mitgefangener litt. Sein genanntes Buch wurde ins Lateinische übersetzt und mehrfach gedruckt und an europäischen Universitäten zum Unterricht verwendet.

9 — Das Buch »al-Mufradāt« (Einzelsubstanzen): Von Ibn al-Bayṭār, in zwei Bänden, gedruckt in Ägypten, auch bekannt als »al-Kitāb al-Jāmiʿ li-Mufradāt al-Adwiya wa-l-Aghdiya« (Das umfassende Buch der Einzelarzneimittel und Nahrungsmittel). Verfasst vom Weisen Ḍiyāʾ ad-Dīn Abū Muḥammad ʿAbdullāh ibn Aḥmad al-Andalusī al-Mālaqqī al-ʿAshshāb, bekannt als Ibn al-Bayṭār. Auf Befehl des Königs aṣ-Ṣāliḥ zusammengestellt, in Bulaq im Jahr 1391 n.H. gedruckt und ins Lateinische und andere Sprachen übersetzt.

Ibn al-Bayṭār wurde in Málaga geboren und bereiste Spanien, Marokko, Nordafrika, Ägypten, Syrien und Kleinasien; er starb in Damaskus im Jahr 646 n.H. Er verfasste die meisten seiner Bücher in Ägypten, wo er das Amt des Generalinspektors der Apotheken bekleidete. Er zitierte darin mehr als 100 Autoren und beschrieb mehr als 1.400 Pharmaka aus Pflanzen, Tieren und Mineralien — darunter 300 neue, die vor ihm nicht erwähnt worden waren.

10 — Das Buch »al-Mukhtārāt« (Ausgewähltes): In vier Bänden, über Medizin, von Muhadhdhab ad-Dawla Abū l-Ḥasan ʿAlī ibn Aḥmad ibn ʿAlī ibn Hubbal al-Baghdādī, geboren im Jahr 544 n.H. und gestorben im Jahr 616 n.H.; gedruckt in Hyderabad im Jahr 1363 n.H. Das Buch gliedert sich in mehrere Kapitel und Teile, die behandelt, was im »Qānūn«, »al-Ḥāwī«, »al-Manṣūrī« und anderen medizinischen Büchern steht.

11 — Das Buch »at-Tadhkirat al-Hādiya fī aṭ-Ṭibb« (Die Leitende Gedenkschrift über die Medizin): Von Ibrāhīm ibn Muḥammad, bekannt als Ibn as-Suwaidī. Geboren im Jahr 600 n.H. und gestorben im Jahr 670 n.H.; sein Stammbaum führt zurück auf einen Nachkommen von Saʿd ibn Muʿādh al-Awsī. Er lernte in Damaskus und praktizierte dort Medizin; er wurde als Arzt im Nūrī-Krankenhaus und im Krankenhaus Bāb al-Barī eingesetzt.

1 — Chirurgie und Anästhesie:

Die muslimischen Ärzte entwickelten neue Methoden der Wundbehandlung und erfanden die trockene geschlossene Verbandsmethode sowie chirurgische Dochte, getränkt in Bienenhonig, um innere Eiterung zu verhindern — eine Methode, die von den Spaniern übernommen und von den Europäern in ihren Kriegen angewandt wurde.

Die muslimischen Chirurgen machten mit der Chirurgie einen riesigen Sprung und führten sie von der Stufe des Pfeilentfernens, wie es bei den Griechen üblich war, zur Stufe der Präzisionschirurgie. Erleichtert wurde dies durch ihre Entdeckung der Anästhesie vor der Operation. Sie entwickelten, was sie »al-Marqud« (Betäubung) nannten: ein Schwamm, eingetaucht in eine Lösung aus zusammengesetzten Kräutern — Hanf (Cannabis), Lolch, Mohn (Opium) und Belladonna —, der zum Trocknen gelassen wird; vor der Operation wird der Schwamm dem Patienten in den Mund gelegt, und wenn die Schleimhäute den Saft aufnehmen, verfällt er in tiefen Schlaf, ohne den Schmerz der Operation zu spüren.

Die muslimischen Ärzte beschränkten sich nicht nur auf die Methode des betäubenden Schwamms, sondern verwendeten auch Zäpfchen oder einen Trank zum Trinken. Die Muslime kannten die Inhalationsanästhesie; Ibn Sīnā beschrieb ihre Wirkung: »Wer ihren Geruch einatmet, verfällt sofort in tiefen Schlaf.« Zur Erweckung aus der Betäubung verwendeten die arabischen Ärzte einen Schwamm, den sie »der Weckende Schwamm« nannten, getränkt in Essig, um die Wirkung des Narkotikums zu beseitigen und den Patienten nach der Operation aufzuwecken. Ibn Sīnā berichtete in seinem »Qānūn« über die Anästhesie durch Kühlung: »Zu dem, was betäubt, gehört Wasser, das durch Eis intensiv gekühlt wurde.« Er beschrieb, wie die Kühlung als Lokalanästhesie verwendet wird, wie in der Zahnchirurgie.

Zuvor scheuten sich die Chirurgen vor der Innenchirurgie und begnügten sich mit Amputationsoperationen sowie dem Kautern mit Feuer zur Stillung innerer Blutungen. Doch durch ar-Rāzīs Entdeckung und Erfindung der chirurgischen Fäden aus Tierdärmen ermöglichten sie es, jedes innere Organ sicher zu nähen, ohne es erneut öffnen zu müssen, um die Nähte zu entfernen. Die Chirurgen verwendeten bei ihren Nähten Nadeln und Fäden aus Seide oder Tierdärmen zur Naht innerer und äußerer Wunden, oder Goldfäden zur Zahnregulierung. Zur Desinfektion der Wundstelle wandten sie sich an den »Ghoul« (Alkohol).

Die Muslime entwickelten Methoden der Wundbehandlung und erfanden die Methode des trockenen geschlossenen Verbands — eine Methode, die von den Spaniern übernommen wurde und erstmals im Spanischen Bürgerkrieg angewandt, dann im Ersten Weltkrieg mit hervorragenden Ergebnissen verallgemeinert wurde. Die Araber waren die ersten, die den Wunddocht zur Verhinderung innerer Eiterung verwendeten, und die ersten, die Fäden aus Tierdärmen in der Innenchirurgie einsetzten. Zu den wichtigsten Wundverbandsmitteln, die die Muslime einführten, gehörte die Verwendung von Bienenhonig, von dem kürzlich nachgewiesen wurde, dass er weitreichende Eigenschaften zur Wunddesinfektion und zur Verhinderung von Keimwachstum hat.

Chirurgische Instrumente der Muslime:

Mit der Entwicklung der Chirurgie bei den Muslimen nach ihrer Entdeckung der Anästhesie erfanden sie viele chirurgische Instrumente, die vor ihnen unbekannt waren: Instrumente aus Silber, Stahl oder Kupfer. Die Namen der Instrumente zeigten das Ausmaß der Ausweitung und Vielfalt der Chirurgie: Es gab die Skalpelle in ihren Arten für äußere und innere Chirurgie, darunter einseitige und zweiseitige; die großen Sägen für Amputationen und die kleinen zum Schneiden innerer Knochen; die verschiedenen Lanzetten in unterschiedlichen Formen, darunter dornartige und gebogene zum Schneiden der Mandeln; Klemmen und Zangen und Haken; die feinen Skalpelle und Spezialscheren für Augenoperationen und Zangen in ihren verschiedenen Größen und Formen, wie die großen Zangen für Frauenkrankheiten zur Extraktion des Fötus oder zur Geburtserleichterung, Zangen für Knochenchirurgie zur Extraktion von Knochenresten oder Fremdkörpern innerhalb des Körpers, oder solche für Ohren-, Nasen- und Augenchirurgie, sowie Häkchen, die zwischen Blutgefäße, Venen und Nerven eingeführt werden und für die Chirurgie der inneren Gefäße und ihre Naht.

Bei Knochenbrüchen verwendeten die Ärzte verschiedene Arten von Schienen aus Rohr, Palmwedeln oder Holz. Die Knochenchirurgen behandelten Gelenkverrenkungen und Knochenbrüche mit manuellen Methoden in Erfahrung und Geschick, ohne chirurgisches Öffnen, und verwendeten oft Verband am Gelenk zur Verhinderung erneuter Verrenkung sowie eine Methode des plötzlichen Einrenkens.

Das Kautern mit verschiedenen Kauterinstrumenten war eine Methode, die die Araber seit der Jāhiliyya-Zeit überliefert hatten; muslimische Behandelnde verwendeten es zur Schmerzlinderung bei chronischen und hartnäckigen Krankheiten wie dem Ischias, dem Lumbago und dem Migräne. Sie bestimmten Karten des menschlichen Körpers, auf denen sie die Stellen des Kauterns für jede Krankheit festlegten. Das Kautern konnte bei einer Krankheit an mehr als einer Stelle angewandt werden. Die muslimischen Ärzte erfanden verschiedene Arten erhitzter Kauterinstrumente, darunter feine Nadeln mit einer, zwei oder drei Spitzen. Sie fertigten sie aus Eisen, Kupfer, Gold oder Silber und legten die geeignete Temperatur für die Behandlung jeder Krankheit fest.

Krebschirurgie:

Der Gelehrte Ibn Sīnā legte in seinem »Qānūn« die Hauptregeln für die Krebschirurgie in drei Phasen fest: Früherkennung, dann frühe Operation, dann vollständige Entfernung.

az-Zahrāwī erwähnte die Behandlung von Krebs in seinem »at-Taṣrīf« und sagte: »Wenn der Krebs an einem Ort ist, wo er vollständig entfernt werden kann — wie der Krebs, der in der Brust oder im Oberschenkel und ähnlichen Gliedmaßen entsteht, bei denen es möglich ist, ihn vollständig herauszunehmen —, wenn er anfänglich klein ist, tue es. Was aber einen Krebs betrifft, der fortgeschritten ist, sollst du dich ihm nicht nähern; denn ich war nie imstande, jemanden davon zu heilen, und ich habe vor mir keinen anderen gesehen, der das erreichte.« Er beschrieb die Operation: »Dann führst du in den Krebs die dafür geeigneten Häkchen ein, dann schabst du ihn von allen Seiten mit der Haut gründlich aus, bis nichts von seinen Wurzeln bleibt. Lass das Blut fließen und halte es nicht schnell an, sondern presse die Stellen so viel wie möglich.«

az-Zahrāwī führte die Schilddrüsenentfernungsoperation durch — eine Operation, die kein Chirurg in Europa vor dem 19. Jahrhundert wagte, also neun Jahrhunderte nach ihm. Er beschrieb diese Operation: »Dieser Tumor heißt Elefantenkrankheit des Kehlkopfes und ist ein großer Tumor in Körperfarbe; er kommt bei Frauen häufig vor. Er ist von zwei Arten: Entweder ist er natürlich oder zufällig. Der natürliche ist unbehandelbar. Der zufällige ist von zwei Arten: Eine ist ähnlich den Fettgeschwülsten, und die andere ähnelt dem Tumor, der durch Verknötung der Schlagader entsteht — und sie mit dem Messer zu öffnen ist gefährlich, also lass sie mit dem Eisen völlig in Ruhe.«

az-Zahrāwī beschrieb auch die Lagerung des Patienten bei der Darmchirurgie auf einem schräg gestellten Bett: Wenn die Operation am unteren Teil des Darms war, musste die Neigung zur Seite des Kopfes sein, und umgekehrt — das Ziel war, die Blutung während der Operation zu verringern und dem Chirurgen mehr Raum zu bieten. Er wies auf die Wichtigkeit der Wärmehaltung des Darms bei seinem Austreten aus dem Bauch hin, wenn sein rasches Zurückführen sich als schwierig erwies — mit warmem Wasser, damit er nicht gelähmt wird.

az-Zahrāwī erfand auch den Katheter zur Spülung der Blase und zum Einführen von Medikamenten zur Behandlung von innen. Auch entwickelte er die Operation zur Zertrümmerung von Blasensteinen vor ihrer Extraktion: »Wenn der Stein sehr groß ist, wäre es töricht, dafür einen großen Schnitt zu machen, denn das setzt den Patienten einem von zwei Dingen aus: entweder zu sterben oder ständigen Harnträufeln zu haben. Es ist besser, eine List zu ersinnen, um ihn mit Häkchen zu zerbrechen, dann ihn stückweise herauszunehmen.«

Anatomie:

Im Jahr 836 n.Chr. befahl Kalif al-Muʿtaṣim den Bau eines großen Anatomiesaals am Tigrisufer in Bagdad und ließ diesen Anatomiesaal mit verschiedenen Affenarten versorgen, die in ihrem Aufbau dem menschlichen Körper ähnlich sind, damit Medizinstudierende das Sezieren an ihnen üben konnten. Kein Buch aus den Schriften der Muslime über Medizin entbehrte eines eigenen Kapitels über die Anatomie, in dem die verschiedenen Organe, jeder Muskel, jede Vene und jeder Nerv namentlich detailliert beschrieben werden. ar-Rāzī pflegte zu sagen: »Der Kandidat für die ärztliche Zulassung wird zuerst in der Anatomie geprüft — wenn er sie nicht kennt, musst du ihn nicht bei den Patienten prüfen.«

Die Muslime stützten sich zunächst auf das, was die Griechen über die Anatomie des menschlichen Körpers geschrieben hatten, um religiöse Unannehmlichkeiten zu vermeiden. Doch durch die vergleichende Anatomie (d.h. das Sezieren von Tieren) entdeckten sie viele Fehler in den Kenntnissen der Griechen und begannen, sich auf sich selbst zu verlassen.

Durch ihr Anatomie-Studium entdeckte Ibn an-Nafīs den kleinen Blutkreislauf. Sie entdeckten, dass die Leber aus zwei und nicht aus fünf Lappen besteht, wie die Griechen glaubten. ʿAbd al-Laṭīf al-Baghdādī (gest. 1231 n.Chr.) entdeckte, dass der menschliche Unterkiefer aus einem einzigen Knochen besteht und nicht aus zwei Knochen, wie Galen erwähnte — nach Prüfung von 2.000 menschlichen Schädeln. Er entdeckte auch, dass das Kreuzbein aus einem einzigen Stück besteht und nicht aus sechs Stücken, wie der griechische Galen erwähnte.

2 — Augenheilkunde (Kaḥḥāla):

Die Muslime bezeichneten die Augenheilkunde als »al-Kaḥḥāla«, und eine Reihe ihrer Ärzte war unter dem Titel »al-Kaḥḥāl« bekannt. Die Augenheilkunde beschränkte sich nicht nur auf die Behandlung mit Kollyrium und Augentropfen, sondern umfasste neben diesen Medikamenten auch spezialisierte chirurgische Instrumente. Die Augenchirurgie entwickelte sich in Ländern, in denen diese Krankheiten häufig vorkamen, wie Ägypten und al-Andalus.

Ibn al-Haytham (gest. 1037 n.Chr.) hatte die Anatomie der Augenschichten und die Funktionen jeder Schicht entdeckt, wie Linse, Pupille, Netzhaut und den Aufbau der mit dem Auge verbundenen Nerven zum Gehirn.

Ibn al-Haytham beschrieb in seiner berühmten Abhandlung »Das Wesen des Sehens und die Art des Zustandekommens der Sehwahrnehmung« das physikalische Prinzip des Sehvorgangs und bewies die Sehtheorie; seine Theorie blieb maßgeblich, bis »Kepler« (1571–1630) kam und ihr einige ergänzende Informationen hinzufügte. Ibn al-Haytham sagte, dass der Kristallkörper das Sehorgan ist, dass der Strahl sich im Kristall sammelt und auf die Netzhaut fällt und das Bild umgekehrt entsteht.

Auf dem Gebiet der Augenheilkunde waren die Schriften des Augenheilkundlers ʿAlī ibn ʿĪsā al-Baghdādī eine der bedeutendsten und wichtigsten Arbeiten in der Augenheilkunde — seine übersetzten Werke blieben bis ins 18. Jahrhundert eine Hauptreferenz in der Augenheilkunde. Auch spielten die Übersetzungen des Arztes ʿAmmār al-Mawṣilī in der Augenheilkunde eine Referenzrolle für die Europäer.

Die Augenheilkunde gilt als eine Erfindung der Muslime; diese Wissenschaft erreichte durch ihre Bemühungen ihren Höhepunkt, und ihre Forschungen darin blieben der Grundstein dafür über viele Jahrhunderte. Ihre Schriften darüber wurden an den meisten europäischen Universitäten gelehrt.

Das Buch »al-ʿAshr Maqālāt fī l-ʿAynain« (Zehn Abhandlungen über die Augen) von Ḥunayn ibn Isḥāq gilt als eines der ältesten Bücher über Augenheilkunde auf wissenschaftliche Weise. Es ist eine große wissenschaftliche Enzyklopädie, gedruckt auf Arabisch und Englisch. Das Buch besteht aus zehn Abhandlungen: Die erste über die Natur und den Aufbau des Auges; die zweite über die Natur des Gehirns und seine Funktionen; die dritte über das Sehen; die vierte über das Notwendige für jeden, der etwas von der ärztlichen Behandlung kennen möchte; die fünfte über die Ursachen der Krankheiten, die im Auge entstehen; die siebte über alle Kräfte der einfachen Medikamente im Allgemeinen; die achte über Augenmedikamente, ihre Gattungen und die Verwendungsarten; die neunte über die Behandlung von Augenkrankheiten; die zehnte über die zusammengesetzten Medikamente, die im neunten Kapitel erwähnt werden, nach dem, was die Früheren für die im Auge entstehenden Übel zusammengestellt haben.

3 — Kräuterheilkunde (ʿIlm al-aʿshāb):

Auf dem Gebiet der Kräuterheilkunde entdeckten die muslimischen Gelehrten Tausende von Pflanzen, die unbekannt waren, und erklärten ihre Nutzen. Die meisten Kräuter wurden zunächst an Tieren wie Affen erprobt. Dann trennten sich die Spezialitäten, und der Arzt schrieb Rezepte, sogenannte Anʿāt, die der Patient dem Kräuterhändler oder Gewürzhändler übergab, der sie für ihn zusammenstellte.

Die muslimischen Gelehrten fanden verschiedene Wege, um die bitteren Medikamente, die dem Patienten zuwider waren, akzeptabel zu machen: Ibn Sīnā war der erste, der empfahl, das Medikament mit Gold- oder Silbersalzen zu überziehen — so wurden Tabletten bei den Muslimen überzogen und hatten keinen Geschmack mehr.

Ibn al-Bayṭār (»der Scheich der Kräuterkundigen«) durchreiste die Welt, begleitet von einem Maler, der für ihn in seinen Büchern die Pflanzen in Farbe in all ihren Zuständen, Phasen und Wachstumsstadien malte. Er allein entdeckte 300 neue Heilpflanzen, erläuterte sie in seinen Büchern und brachte sie mit.

Ibn al-Bayṭār (aus der Islamischen Enzyklopädie, as-Safīr, Nr. 39–40):

»Ibn al-Bayṭār: Er ist Ḍiyāʾ ad-Dīn Abū Muḥammad ʿAbdullāh ibn Aḥmad ibn al-Bayṭār al-Mālaqqī al-Andalusī, einer der größten Gelehrten der Botanik, Kräuterkunde und Medizin in der ersten Hälfte des siebten hijrīschen Jahrhunderts (13. Jahrhundert n.Chr.). Ibn al-Bayṭār wurde in der andalusischen Stadt Málaga im Jahr 575 n.H./1179 n.Chr. geboren. Sein Vater war ein erfahrener Tierarzt. Er lernte bei dem großen Meister Abū l-ʿAbbās Aḥmad ibn Muḥammad ibn Farāj an-Nabātī, bekannt als »Ibn ar-Rūmiyya«, dem Inhaber großer Bekanntheit in der Botanik, der das Buch »ar-Riḥla« verfasste, das für mehrere Jahrhunderte eine einzigartige Referenz blieb — doch Ibn al-Bayṭār übertraf seinen Meister.

Er studierte in Sevilla die Pflanzenarten und Kräuter bei einigen Gelehrten wie Abū l-ʿAbbās ibn ar-Rūmiyya (gest. 637 n.H./1239 n.Chr.), ʿAbdullāh ibn Ṣāliḥ und Abū l-Ḥajjāj. Er unternahm eine Wissenschaftsreise zum Zweck der Erfassung verschiedener Kräuter- und Heilpflanzenarten und des Treffens mit Ärzten und Botanikern in verschiedenen Ländern: Er reiste in den Osten, vorbei an Marokko, Tunesien, Algerien, Tripolis, Barqa, dem Hedschas, Gaza, Jerusalem, Beirut, Antiochia, Mosul; dann ging er nach Griechenland, Italien und in die Türkei. Diese Reise dauerte mehr als dreißig Jahre seines Lebens, und er untersuchte die Standorte der Pflanzen persönlich und verifizierte sie selbst.

Als er nach Ägypten kam, zog König al-Kāmil Muḥammad ibn Abī Bakr ibn Ayyūb ihn an seinen Hof und machte ihn zum Obersten der Ärzte und Kräuterhändler in Ägypten. Nach dem Tod des Kāmil behielt Ibn al-Bayṭār seinen hohen Rang bei seinem Sohn, dem König aṣ-Ṣāliḥ Najm ad-Dīn Ayyūb, blieb in seiner Stellung als Oberster der Ärzte und Kräuterhändler und zog nach Damaskus, wo er sich niederließ.«

Will Durant lobte Ibn al-Bayṭār und zählte seine Schriften zu den bedeutendsten in der Botanik. In seiner Enzyklopädie »Die Geschichte der Zivilisation« sagt er: »Das Buch »Jāmiʿ Mufradāt al-Adwiya wa-l-Aghdiya« weist auf Weite des Wissens und Stärke der Beobachtung hin — es ist das bedeutendste Buch in der Botanik.«

Ibn al-Bayṭār zeichnet sich dadurch aus, dass er Kräuterhändler, Arzt und Botaniker zugleich war. Seine Beschreibung der Kräuter und Pflanzen ist von Genauigkeit und Klarheit geprägt: Er spricht über die Pflanze und ihre Eigenschaften, Wurzel, Stängel, Blatt, Blüte und Frucht — damit er nicht nützliche und schädliche Pflanzen verwechsle. Dann folgt die Erwähnung des daraus extrahierten nützlichen Arzneimittels zur Behandlung, wie es eingenommen wird, wann es eingenommen wird, wie es zum Medikament zubereitet wird, wie es verabreicht wird, die Dosismenge und anderes.

Ibn al-Bayṭār hinterließ eine Reihe wissenschaftlicher Werke über Kräuter und Heilmittel, darunter: Das Buch »al-Jāmiʿ li-Mufradāt al-Adwiya wa-l-Aghdiya«, bekannt als »Mufradāt Ibn al-Bayṭār«, sein wichtigstes Werk — es ist eine Sammlung einfacher Behandlungen aus Naturelementen (Mineralien, Pflanzen und Tiere); er versammelte darin die Rezepte der früheren griechischen und arabischen Mediziner neben seinen persönlichen Versuchen, nach dem Alphabet geordnet. Er stützte sich auf mehr als 150 Autoren und beschrieb mehr als 1.400 Arten von Heilmitteln aus Pflanzenwelt, Tierwelt und Mineralwelt — darunter 300 neue Arten, die vor ihm niemand erwähnt hatte. Seine Beschreibung ist äußerst präzise: Er erwähnt die Synonyme und ihre Übersetzungen ins Griechische, Persische, Berberische und Spanische.

Die deutsche Orientalistin Sigrid Hunke sagt in »Allāhs Sonne über dem Abendland«: »Seit der Epoche al-Maʾmūns im 9. Jahrhundert n.Chr. standen die Apotheken unter staatlicher Aufsicht, und die Apotheker wurden einem Verhaltenstest unterzogen. Ibn al-Bayṭār war Dekan der Pharmazieabteilung in Kairo, wo er einer der berühmtesten Chemie- und Pharmakologiegelehrten war… Die Versuche vervielfältigten sich, sodass die von den Arabern neu hergestellten Stoffe zahlreich wurden. Doch Ibn al-Bayṭār ist der größte Genius der Araber in der Botanik.«

Ibn al-Bayṭār starb in Damaskus im Jahr 646 n.H./1248 n.Chr. nach der Einnahme eines giftigen Mittels, laut dem Verfasser von »Nafḥ aṭ-Ṭīb«.

4 — Psychiatrie:

Die arabische Medizin hatte sich um die »Gerontologie« (Medizin der Alten) gekümmert und die »somatische Psychiatrie« — wie die Medizin für Geisteskranke und Gefangene — bekannt. Ibn Sīnā war der erste, der auf den Einfluss psychischer Zustände auf das Verdauungssystem, auf Magengeschwüre, auf den Blutkreislauf und auf die Pulsgeschwindigkeit hinwies.

5 — Innere Medizin:

Die arabischen Ärzte befolgten die Präventivmedizin und erforschten ansteckende Krankheiten. Sie kannten die Ansteckung und ihre Rolle bei der Übertragung von Krankheiten Hunderte von Jahren vor der Entdeckung des Mikroskops und der Mikroben. Sie erklärten den Schaden des Umgangs mit einem an einer ansteckenden Krankheit Erkrankten oder der Benutzung seiner Gefäße oder Kleidung, sowie die Rolle von Speichel und Sekreten bei der Übertragung von Infektionen. Ibn Rushd hatte die Immunität entdeckt, die beim Patienten nach einer Ansteckungskrankheit wie Pocken entsteht, und erklärt, dass er nicht ein zweites Mal befallen wird. Sie fertigten eine Art Impfung gegen Pocken an — sie nahmen einige Pusteln von einem genesenden Patienten und impften die gesunde Person, indem sie diese auf der Handfläche auflegten und gut einrieben oder eine Kratzspur an ihrer Stelle erzeugten — dieselbe Impfidee, die später Europa zugeschrieben wurde.

Bezüglich der Erkrankungen von Lunge, Kehlkopf und Bronchien: Ibn Sīnā führte eine umfassende Studie des Kehlkopfes durch, in der er ein genaues Bild und eine Beschreibung der Knorpel, Muskeln und Bänder darbot, sowie ihre Aktivitäten beim Sprechen, Atmen und Schlucken. Im »Qānūn« findet sich ein Ausdruck, der auf die »Trachealintubation« hinweist, wo er sagt: »Manchmal wird in den Rachen ein Röhrchen eingeführt, das aus Gold, Silber oder Ähnlichem hergestellt ist und bei der Atmung hilft.« Damit zeigt sich, dass Ibn Sīnā die Trachealintubation mit selbst hergestellten Röhren erfand — tausend Jahre vor der Entdeckung durch MacEwen im Jahr 1880 und Eisenmenger im Jahr 1893.

Die arabisch-muslimischen Gelehrten kannten den Tracheotomieschnitt; Abū l-Qāsim az-Zahrāwī, Ibn Zuhr und Ibn al-Qaff beschrieben den Tracheotomieschnitt im Detail zur Rettung von Erstickenden.

Zu den bedeutendsten Entdeckungen in der Geschichte der arabisch-islamischen Medizin gehört die Entdeckung des kleinen Blutkreislaufs durch Ibn an-Nafīs — mehr als drei Jahrhunderte vor der Beschreibung durch William Harvey (1578–1657). Seine Beschreibung in seinem Buch »Sharḥ Tashrīḥ al-Qānūn« stimmt genau mit der Beschreibung von William Harvey überein.

Abū Bakr ar-Rāzī behandelt in seinem Buch »al-Ḥāwī«, einer medizinischen Enzyklopädie, den Unterschied zwischen Masern und Pocken — er ist der erste Arzt und Wissenschaftler, der zwischen ihnen unterschied und ihre Symptome so beschrieb, dass sich das spätere Werk der westlichen Wissenschaftler, besonders des Arztes Osler, nicht davon unterschied. ar-Rāzī war auch der erste, der den saisonalen Heuschnupfen beschrieb — wegen der Allergie gegen Blüten und Kräuter. Damit erfand er das Konzept der Allergie als Krankheitsursache. Er beschrieb auch die Elephantiasis und den Befall durch Guinea-Fadenwürmer.

3 — Die Pharmakologie (ʿilm al-adwiya oder aṣ-ṣaydalāna):

Aus einem Artikel von Dr. Ibrāhīm ibn Murād von der Universität von Manouba, Tunesien, unter dem Titel »Das Erbe der Pharmakologie bei den Arabern und Muslimen«:

»Abū r-Rayḥān al-Bīrūnī (gest. 440 n.H./1048 n.Chr.) definierte die Pharmakologie — er schrieb sie al-Ṣaydana — als: die Kenntnis der Einzelheilmittel in ihren Gattungen, Arten und ausgewählten Erscheinungsformen, sowie das Mischen der zusammengesetzten Medikamente nach dem Kern ihrer aufgezeichneten Formeln oder nach dem, was der vertrauenswürdige, verbessernde Zubereiter will. Das, was darüber im Rang steht, ist die Kenntnis der Kräfte der Einzelheilmittel und ihrer Eigenschaften.«

Das Grundziel der Kenntnis der Medikamente ist das Beherrschen ihrer Verwendung bei der Behandlung. Von hier aus stammt ihre feste Verbindung mit der Medizinwissenschaft. Die Araber hatten seit lange vor dem Islam Kenntnisse über Medikamente und Behandlung, und es waren bei ihnen Menschen bekannt, die »ʿAṭṭārūn« (Gewürzkundige) genannt wurden, bekannt für die Herstellung von Duftmitteln und Parfümen und Ölen und deren Aufbewahrung.

Das älteste zuverlässige Zeugnis in diesem Bereich ist das Buch »an-Nabāt« (Die Pflanzen) von Abū Ḥanīfa ad-Dīnawarī (gest. 282 n.H./895 n.Chr.); in diesem Buch gibt es viele Hinweise auf die Verwendung bestimmter Pflanzen zur Behandlung.

Die Pharmakologie im wissenschaftlichen Sinne wurde erst nach dem Erscheinen des Islams und der Gründung seines Staates bekannt. Die erste Privatapotheke wurde in Bagdad zwischen 750 und 754 n.Chr. gegründet, was einer Erklärung über die Trennung der Pharmakologie von der Medizin gleichkam. Bemerkenswert ist, dass dieser Schritt in Europa offiziell in der Zeit Friedrichs II. im Jahr 1240 n.Chr. stattfand.

Die Regulierung der Apothekerpraxis erfolgte unter dem abbasidischen Kalifen al-Muqtadir (908–932 n.Chr.), wo das Hisba-System für die Arbeit der Apotheker entstand — in Anlehnung an die Schriften von Galen und Ḥunayn ibn Isḥāq. Das Hisba-System entwickelte sich danach so, dass dem Muḥtasib (Marktaufseher) eine Art »Arzneibuch« zur Verfügung stand, auf das er zurückgreifen konnte. Im Buch »Nihāyat ar-Rutba fī Ṭalab al-Ḥisba« von ʿAbd ar-Raḥmān ibn Naṣr as-Sīrzī (1193 n.Chr.) gibt es einen eigenen Abschnitt über die Hisba für Apotheker, in dem Fälschungsmethoden und Anzeichen ihrer Aufdeckung beschrieben werden. Wichtig ist zu erwähnen, dass das »Arzneibuch« Europa erst vor etwa hundertdreißig Jahren bekannt wurde, als 1864 Arzneibücher in London, Edinburgh und Dublin erschienen.

Al-Majūsī (944 n.Chr.) sagt in seinem Buch »Kāmil aṣ-Ṣināʿa aṭ-Ṭibbiyya«: »Wenn es dir möglich ist, den Kranken mit Nahrungsmitteln zu behandeln, gib ihm keinerlei Medikament; und wenn es dir möglich ist, mit einem leichten Einzelmittel zu behandeln, behandle nicht mit einem zusammengesetzten Mittel und wende keine fremden und unbekannten Medikamente an.«

Abū Bakr ar-Rāzī erwähnte in seinem Buch »al-Ḥāwī«: »Wenn der weise Arzt imstande ist, mit Nahrungsmitteln ohne Medikamente zu behandeln, hat er das Glück getroffen.« Und er sagte auch: »Das Leben ist zu kurz, um über alle Wirkungen jedes Krauts der Erde zu urteilen — halte dich an die Bekanntesten, über die Einigkeit besteht, und lass das Seltene beiseite und beschränke dich auf das Erprobte.«

Ibn Sīnā sagte: »Bei zusammengesetzten Medikamenten ist das Erprobte besser als das Nicht-Erprobte; und wenige Medikamente sind besser als viele bei einem einzigen Zweck.«

Die Araber wandten viele Methoden zur Reinigung und Zubereitung von Medikamenten an, wie Kochen, Zerstoßen, Rösten, Sublimation, Wachsüberzug und Kristallisation. Sie entwickelten verschiedene pharmazeutische Formen wie Sirupe und Emulsionen — diese Formen werden bis heute unter ihren arabischen Namen verwendet, wie »Sharāb« (Sirup). Zu den Präparaten, die die Araber herstellten, gehören Öle, Salben, Pillen, Klistiere, Inhalationen, Gurgellösungen, Augentropfen, Cremes, Latwergen und Tinkturen.

Europa übernahm von den Arabern die Verwendung vieler sanft wirkender Medikamente, die die Araber in das Behandlungsarsenal einführten, wie Senna, Rhabarber, Tamarinde, Moschus, Kassia, Kampfer, Muskatnuss, Gewürznelken, Safran, Fenchel und Süßholzwurzel. Von den Arabern übernahm Europa auch die Methode der Überzugspillen mit vergoldetem oder versilbertem Überzug, die Destillation von Rosenwasser, sowie die Einführung von Emetikus im elften Jahrhundert, Akonit (Wolfswürger) und die Beschreibung der Wirkung von Mutterkorn, Koloquinte, indischem Hanf und Ambra.

Das islamische Arzneibuch in Spanien:

Das Arzneibuch in Spanien enthielt mehr als zweihundert neue Pflanzen, die Europa zuvor nicht kannte.

Aus der Zeitschrift al-ʿArabī (Kuwait), Nr. 471, Februar 1998:

»Obwohl die Pharmakologie als relativ neue Wissenschaft gilt — der Begriff »Pharmakologie« tauchte erstmals 1693 durch den Physiologen Samuel Dale auf, und das erste spezialisierte Pharmakologielabor wurde durch Rudolf Buchheim in Deutschland 1849 gegründet —, gehen viele Grundlagen dieser Wissenschaft auf die Araber zurück. Nicht nur das: Eine Reihe der sehr neuen und wichtigen Konzepte in der Pharmakologie hatten die Araber berührt und entdeckt, bevor diese Konzepte in ihrem modernen Gewand dem westlichen Geist in den Sinn kamen.«

Sigrid Hunke sagt: »Jedes Krankenhaus mit seinen Einrichtungen und Labor, jede Apotheke und jedes Medikamentenlager in unserem heutigen Zeitalter ist in Wirklichkeit ein Denkmal für das arabische Genie; und jede Medikamentenpille, vergoldet oder verzuckert, ist ebenfalls ein kleines offensichtliches Denkmal, das uns an zwei der größten arabischen Ärzte und Lehrer der Westländer erinnert« — damit meint sie ar-Rāzī und Ibn Sīnā.

Die Krankenhäuser (al-Bīmāristān):

»al-Bīmāristān«: ein persisches Wort, das »Krankenhaus« oder »Haus der Kranken« bedeutet, zusammengesetzt aus zwei Wörtern: »Bīmār« (der Kranke oder Verletzte) und »Stān« (das Haus oder der Ort). Später wurde das Wort auf »Māristān« verkürzt und bezeichnet bis heute die psychiatrische Anstalt.

Die Bīmāristāne entstanden in der Stadt Jundīshāpūr in Persien drei Jahrhunderte vor dem Islam, unter einer Gruppe nestorianischer Ärzte, die vor der Verfolgung durch die östlichen Römer geflohen waren.

Der Bīmāristān war eine der islamischen Einrichtungen und Bauwerke — wie Moscheen, Schulen und Konvente —, die Kalifen, Sultane, Könige, Fürsten und Vornehme als Almosen und fromme Tat für Allāh den Erhabenen errichteten. Seine Funktion beschränkte sich nicht auf die Pflege und Behandlung von Kranken, sondern er war gleichzeitig eine wissenschaftliche Einrichtung und Schule für den Unterricht der Medizin, an der Ärzte, Chirurgen, Augenheilkundler und Apotheker ausgebildet wurden. Manche waren ortsgebunden an dem Ort, an dem sie errichtet worden waren; andere waren mobil mit den Armeen im Krieg oder mit den Kalifen und Fürsten auf Reisen, oder je nach den Umständen von Krankheiten und Seuchen und ihrer Verbreitung in Ländern ohne feste Bīmāristāne.

Das erste nicht ortsfeste Krankenhaus im Islam ist das, das der Gesandte, Allāhs Segen und Friede seien auf ihm, beim Grabenkrieg errichten ließ. ʿĀʾisha, Allāh sei mit ihr zufrieden, berichtete: »Saʿd ibn Muʿādh wurde am Tag des Grabens verletzt — ein Mann aus den Quraysh namens Ḥibbān ibn al-ʿAriqā traf ihn in der Ellbogenader. Der Prophet, Allāhs Segen und Friede seien auf ihm, schlug ein Zelt in der Moschee auf, um ihn von nah besuchen zu können.« (Ṣaḥīḥ al-Bukhārī). Ibn Isḥāq (gest. 151 n.H./768 n.Chr.) sagte: Der Gesandte Allāhs, Allāhs Segen und Friede seien auf ihm, hatte Saʿd ibn Muʿādh in einem Zelt einer Frau aus »Aslam«, die Rufayda hieß, in seiner Moschee untergebracht; sie pflegte Verwundete und widmete sich selbst dem Dienst an denen unter den Muslimen, die hilfebedürftig waren. Der Gesandte Allāhs, Allāhs Segen und Friede seien auf ihm, hatte seinen Leuten gesagt, als er im Graben vom Pfeil getroffen wurde: »Bringt ihn ins Zelt der Rufayda, damit ich ihn von nah besuchen kann.« (Sīra Ibn Hishām).

Das erste ortsfeste Krankenhaus im Islam baute al-Walīd ibn ʿAbd al-Malik im Jahr 88 n.H./706 n.Chr., und er setzte, wie al-Maqrīzī berichtet, »Ärzte ein und ließ ihnen Gehälter auszahlen« und befahl, die Leprakranken einzusperren, damit sie nicht hinausgehen, und ließ ihnen und den Blinden Gehälter auszahlen. Das erste Leprakrankenhaus bauten die Muslime im Jahr 707 n.Chr. in Damaskus — während Europa die Lepra als Zorn Allāhs betrachtete, der Strafe verdiente, bis König Philipp im Jahr 1313 den Befehl erließ, alle Leprakranken im Feuer zu verbrennen.

Die ortsfesten Krankenhäuser waren anfangs einfach, entwickelten sich dann bedeutend in der Abbasidenzeit und wurden in verschiedenen islamischen Ländern zahlreich gebaut, bis sie Kairo, Damaskus, Bagdad und Córdoba überall verbreiteten — Córdoba allein hatte in der Mitte des vierten hijrīschen Jahrhunderts fünfzig Krankenhäuser —, sowie andere Zentren der islamischen Welt.

Das große Universitätskrankenhaus enthielt eine große Vorlesungs- und Unterrichtshalle und einen Prüfungsraum für neue Ärzte, dazu eine angeschlossene umfangreiche medizinische Bibliothek mit medizinischen Handschriften. Wer diese Krankenhäuser besichtigt, findet sie den großen modernen Krankenhäusern ähnlicher als den antiken Heilstätten.

Das große Universitätskrankenhaus enthielt eine große Vorlesungs- und Unterrichtshalle und einen Prüfungsraum für neue Ärzte sowie eine umfangreiche medizinische Bibliothek. Wer diese Krankenhäuser besichtigt, findet sie den großen, weitläufigen und prachtvollen Palästen ähnlicher. Um das Gebäude herum befanden sich Gärten, darunter ein Garten, in dem Heilkräuter angebaut wurden.

Bis zur Mitte des 10. Jahrhunderts n.Chr. gab es in Córdoba, al-Andalus, allein mehr als fünfzig Krankenhäuser, und noch mehr in Damaskus, Bagdad, Kairo und Kairouan — zuzüglich der mobilen Krankenhäuser und Feldlazarette für Kriegsverwundete und der Spezialkrankenhäuser wie die Fieberkrankenhäuser, die über eine medizinische Quarantäne zur Isolierung ansteckender Krankheiten verfügten. In ihnen wurde die Luft durch Wasserfontänen oder Belüftungsöffnungen gekühlt und die Temperatur gemäßigt. Es gab Chirurgiekrankenhäuser, bei denen trockene Luft gefordert war, um bei der Wundheilung zu helfen.

Vier berühmte islamische Krankenhäuser, die lange Bestand hatten:

1 — Das ʿAḍudī-Krankenhaus in Bagdad:

Eine der größten Leistungen von ʿAḍud ad-Dawla al-Buyahī — errichtet im Jahr 371 n.H. im westlichen Teil Bagdads, ausgestattet mit allem, was benötigt wurde: Ärzten, Pflegern, Dienern, Köchen, Geräten und Medikamenten; dazu ein psychiatrisches Krankenhaus. Es arbeiteten dort mehr als sechzig Ärzte in verschiedenen Spezialisierungen; manche wurden aus verschiedenen Orten herbeigeholt, darunter die Ärzte Jibrāʾīl ibn ʿUbaydullāh Bakhtīshūʿ, Abū Yaʿqūb al-Ahwāzī, Abū ʿĪsā Baqiyya, der Augenheilkundler Abū Naṣr ar-Raḥabī und Abū l-Ḥasan Thābit ibn Sinān ibn Thābit ibn Qurra, der die Leitung der Ärzte im Krankenhaus übernahm.

Das Verdienst für den Bau dieses Krankenhauses geht auf den Genialen Sinān ibn Thābit ibn Qurra al-Ḥarrānī zurück: Eine Pestepidemie überwältigte Bagdad zur Zeit des Wesirs ʿAlī ibn ʿĪsā al-Jarrāḥ, und Sinān riet dem Wesir zur Errichtung eines Krankenhauses als Gegenmaßnahme. Der Wesir beeilte sich, auf eigene Kosten ein Krankenhaus zu errichten und nannte es das ʿAḍudī-Krankenhaus.

2 — Das Große Nūrī-Krankenhaus in Damaskus:

Errichtet von Sultan König al-ʿĀdil Nūr ad-Dīn ash-Shahīd im Jahr 549 n.H./1154 n.Chr. aus dem Lösegeld eines der Frankenkönige. Zur Zeit seiner Errichtung war es eines der schönsten Krankenhäuser in allen Ländern; er machte es zur Bedingung, dass es für Arme und Bedürftige sei, und wenn Wohlhabende die darin befindlichen Medikamente benötigten, wurde es ihnen erlaubt. Der Trank und das Medikament darin standen jedem Patienten offen, der es aufsuchte.

Ibn Jubayr der Reisende besuchte es im Jahr 580 n.H. und beschrieb die Fürsorge der Ärzte für die Patienten und ihr Augenmerk auf ihre Angelegenheiten und die Zubereitung der für sie geeigneten Medikamente und Nahrungsmittel. Es gab darin eine Abteilung für Geisteskranke, in der die Geisteskranken mit Ketten gefesselt wurden — bei gleichzeitiger Sorge um ihre Behandlung und Ernährung. Einige Historiker berichten, dass im Jahr 831 n.H. ein fremder Mann von Bildung und feinem Geschmack Damaskus besuchte. Als er das Nūrī-Krankenhaus betrat und die Vielzahl der Ärzte und die gute Pflege der Patienten und die unzähligen Speisen, Leckereien und Delikatessen sah, wollte er die Sachkenntnis seiner Ärzte prüfen — er täuschte Krankheit vor und blieb drei Tage dort, und der Chefarzt kam regelmäßig zu ihm. Als er seinen Puls fühlte, wusste er, dass er nicht krank war und dass er nur seine Ärzte prüfen wollte — er verschrieb ihm gute Speisen, gemästete Hühner, Süßigkeiten, Getränke und verschiedene Früchte. Nach drei Tagen schrieb er ihm einen Zettel: »Die Gastfreundschaft bei uns beträgt drei Tage…« — da erkannte der Fremde, dass sie seinen Zweck durchschaut hatten und ihn während dieser ganzen Zeit im Krankenhaus bewirtet hatten.

Dieses Krankenhaus setzte seine großartige Arbeit fort bis zum Jahr 1317 n.H., als das Ghurābāʾ-Krankenhaus gegründet wurde — das Krankenhaus, das heute von der Medizinischen Fakultät der Syrischen Universität betreut wird. Das Nūrī-Krankenhaus wurde dann geschlossen und als Privatschule genutzt.

3 — Das Große Manṣūrī-Krankenhaus (Māristān Qalāwūn) in Kairo:

Ein Palast einiger Fürsten, den König al-Manṣūr Sayf ad-Dīn Qalāwūn im Jahr 683 n.H./1284 n.Chr. in ein Krankenhaus umwandelte. Er widmete ihm eine Stiftung, die jährlich tausend Dirham einbrachte, und schloss eine Moschee, eine Schule und eine Koranlernstätte für Waisen daran an.

Der Überlieferung nach war der Grund für seine Errichtung folgender: Als König al-Manṣūr Qalāwūn sich noch als Fürst auf dem Feldzug gegen die Byzantiner in den Tagen des Zahir Baybars im Jahr 1275 n.Chr. befand, erkrankte er in Damaskus. Die Ärzte behandelten ihn mit Medikamenten, die aus dem Großen Nūrī-Krankenhaus genommen wurden — er genas und ritt, bis er das Krankenhaus selbst besah. Er war davon begeistert und gelobte Allāh: Wenn Allāh ihm die Königsherrschaft geben würde, würde er ein ähnliches errichten. Als er Sultan wurde, wählte er diesen Palast aus, kaufte ihn und baute ihn in ein Krankenhaus um.

Es war eines der Wunder der Welt in Organisation und Ordnung: Er machte den Eintritt und den Nutzen davon für alle Menschen zulässig — Mann und Frau, Freier und Knecht, König und Untertan. Er bestimmte für jeden, der geheilt aus ihm herausging, eine Kleidung; wer darin starb, wurde aufgebahrt, in Leichentücher gehüllt und begraben. Er bestellte Ärzte aus verschiedenen Zweigen der Medizin; er stelle Pfleger und Dienende zur Verfügung für den Dienst an den Patienten und zur Instandsetzung ihrer Räume, ihrer Reinigung, des Waschens ihrer Kleidung und ihres Dienstes im Bad — sodass für jeden Patienten zwei Personen zu seinem Dienst standen. Er gab jedem Patienten ein Bett mit vollständiger Bettstatt. Er sonderte für jede Gruppe von Patienten eigene Räume aus. Er richtete einen Platz ein, an dem der Chefarzt für Medizinstudenten Vorlesungen hielt.

Eines der Wunderbarsten daran: Die Nutzung war nicht auf die im Krankenhaus stationären Patienten beschränkt, sondern war auch für den eingerichtet, der von zu Hause aus bat — was er an Getränken, Nahrungsmitteln und Medikamenten benötigte, wurde ihm bereitgestellt. Dieses Krankenhaus erfüllte seine erhabene humanitäre Aufgabe, bis manche Augenärzte, die darin arbeiteten, berichteten, dass täglich viertausend Personen darin behandelt wurden — Eintretende und Genesende, Ausgehende. Und kein Genesener verließ es, bevor ihm eine neue Garnitur Kleidung und Geldmittel gegeben wurden, damit er nicht unmittelbar nach seinem Ausgang zu schwerer Arbeit gezwungen war.

Eines der Wunderbarsten daran auch: Die Urkunde seiner Stiftung schrieb vor, dass die Mahlzeit jedes Patienten in seiner eigenen besonderen Schüssel serviert wird, ohne dass sie ein anderer Patient benutzt, und dass sie abgedeckt und dem Patienten in dieser Form gereicht wird.

Eines der Wunderbarsten auch: Die schlaflosen Patienten wurden in einem eigenen Saal abgesondert, wo sie mit Musikklängen beschallt wurden oder sich durch Erzählungen unterhielten. Die Genesenden sahen komische Aufführungen und Szenen volkstümlicher Tänze. Die Muezzins in der anliegenden Moschee riefen zwei Stunden vor der Morgendämmerung zum Gebet auf und sangen Hymnen mit melodischen Stimmen, um den Schmerz der Patienten zu lindern, die Schlaflosigkeit und die lange Zeit quälte. Diese Gewohnheit setzte sich fort bis zum Einzug der französischen Expedition nach Ägypten im Jahr 1798, als die französischen Gelehrten es mit eigenen Augen sahen und darüber schrieben. Das ist, bei Allāh, ein erstaunliches menschliches Hochgefühl und eine gute Weisheit, auf die die moderne Welt erst in der Neuzeit aufmerksam wurde.

4 — Das Krankenhaus von Marrakesch:

Errichtet vom Befehlshaber der Gläubigen al-Manṣūr Abū Yūsuf aus den Königen der Almohaden im Maghreb. Er wählte einen weiten Platz in Marrakesch an dem ausgewogensten Ort darin aus, und befahl den Baumeistern, es auf das Schönste zu vollenden. Er befahl, alle Bäume und Blumen und Speisepflanzen darin anzupflanzen. Er leitete viele Wasserläufe, die durch alle Häuser flossen, zusätzlich zu vier Becken in der Mitte — eines davon mit weißem Marmor. Dann befahl er für es an herrlichen Teppichen aus Wolle, Leinen, Seide und Leder und anderem, was nicht zu beschreiben ist. Er bestellte Apotheker für die Zubereitung von Getränken, Ölen und Augenheilmitteln, und richtete für den Patienten Tag- und Nachtkleidung zum Schlafen — Sommer- und Winterausrüstung — ein.

Wenn der Patient genas: War er arm, wurde ihm beim Hinausgehen Geld gegeben, das ihn ernährte, bis er arbeiten konnte; war er reich, wurde ihm sein Vermögen ausgehändigt. Nicht beschränkte er es auf Arme im Unterschied zu Reichen, sondern jeder, der in Marrakesch erkrankte — sei er fremd — wurde hingebracht und behandelt, bis er genas oder starb. Und jeden Freitag besuchte er selbst das Krankenhaus, empfing die Patienten und fragte nach ihren Zuständen und nach der Behandlung durch Ärzte und Pfleger.

Vergleich mit europäischen Krankenhäusern zur selben Zeit:

Während die islamischen Krankenhäuser in dieser Höhe von Organisation und Fortschritt standen, waren die Krankenhäuser des Westens das genaue Gegenteil. Der Historiker Max Meyerhof erklärte, dass die europäischen Krankenhäuser ihren Standard erst zur Zeit und als Ergebnis der Kreuzzüge zu verbessern begannen — die Krankenhäuser, die in Europa während des siebten Hijrī-Jahrhunderts (13. Jahrhundert n.Chr.) erschienen, waren Nachahmungen der fortschrittlichen Krankenhäuser, die die Kreuzfahrer im islamischen Osten während der Kreuzzüge beobachtet hatten.

Sigrid Hunke beschrieb das »Hôtel-Dieu«, das älteste Krankenhaus in Paris im Mittelalter: »Es gab dort großes Stroh, das auf dem Boden lag, auf dem sich die Patienten drängten, die Füße der einen neben den Köpfen der anderen… Kinder neben Alten, Männer neben Frauen auf eine Weise, die Staunen erregt. Neben mäßig Erkrankten waren Menschen mit ansteckenden Krankheiten, viele von ihnen, darunter eine Schwangere in Geburtsschmerzen, ein Kind in den Todeskämpfen, ein Tuberkulosekranker, dessen Brust der Husten zerfetzte, der Blut spuckte, und ein Hautkranker, der seinen Körper mit den Fingernägeln aufkratzte…«

Marques Tordeu und Tenon beschrieben das Hôtel-Dieu: »Das Krankenhaus enthält 1.200 Betten, von denen 486 für eine einzige Person bestimmt waren; die übrigen — kein einzelnes überstieg eine Breite von fünf Fuß — enthielten gewöhnlich drei bis sechs Patienten. Die großen Gänge waren muffig und feucht, ohne Belüftungsöffnungen, immer dunkel. Man sah dort stets etwa 800 Patienten auf dem Boden liegen, dicht gedrängt übereinander, auf dem Boden oder auf einem Strohhaufen, in einem bejammernswürdigen Zustand… Im Bett mittlerer Größe findet man vier, fünf oder sechs aneinanderliegende Patienten — die Füße des einen neben dem Kopf des anderen. Man findet Kinder neben Alten, Frauen neben Männern, eine Frau unter Geburtswehen neben einem kind in Zuckungen, das an Typhus erkrankt im Fieberanfall brennt, und beide neben einem Hautkranken, der seine verfaulte Haut mit blutigen Fingernägeln kratzt, sodass der Eiter aus den Blasen auf die Decken fließt. Das Essen der Patienten ist das Schlechteste, was man sich vorstellen kann, in sehr kleinen Mengen aufgeteilt, in unregelmäßigen Abständen ohne Ordnung…«

Dies ist ein einfacher Vergleich zwischen dem Zustand unserer Krankenhäuser in den Epochen unserer Zivilisation und ihrem Zustand bei den Westlern in jenen Zeitaltern — er zeigt das Ausmaß des wissenschaftlichen Niedergangs, in dem jene Leute lebten, und die offensichtliche Unwissenheit über die Grundlagen der Krankenhäuser, ja sogar über die offensichtlichen Grundsätze der allgemeinen Gesundheit.

Wir schließen dieses Thema mit den Schlussfolgerungen, auf die wir nach diesen Vergleichen hinweisen möchten: Dass wir in unserer Zivilisation den Westlern bei der Organisation der Krankenhäuser um mindestens neun Jahrhunderte voraus waren… Dass unsere Krankenhäuser auf einem menschlichen Gefühl standen, das in der Geschichte seinesgleichen sucht und die Westler bis heute nicht kennen… Dass wir die früheste unter den Nationen in der Erkenntnis waren, welchen tiefen Einfluss Musik, komische Literatur und Autosuggestion auf die Heilung der Patienten haben… Dass wir bei der Verwirklichung des sozialen Zusammenhalts einen Grad erreichten, den die westliche Zivilisation bis heute nicht erreicht hat — als wir Medizin, Behandlung und Nahrung für die Patienten kostenlos machten, ja sogar als wir dem armen Genesenden Geld gaben, das ihn ernährte, bis er arbeiten konnte.

Berühmte arabisch-muslimische Ärzte:

1 — Thābit ibn Qurra (221–288 n.H./834–901 n.Chr.):

Thābit ibn Qurra wurde im Jahr 221 n.H./834 n.Chr. in Ḥarrān aus der Region al-Jazīra im Norden des Irak (heute Türkei) geboren.

»Er war in der frühen Zeit seines Lebens Wechsler in Ḥarrān und gehörte den Ṣābiern an, bevor er zum Islam übertrat. Es entstanden zwischen ihm und den Leuten seiner Denomination Dinge, die sie ihm ankreideten, und ihr Oberhaupt verbot ihm den Eintritt in den Tempel. So verließ Thābit Ḥarrān nach »Kafr Tūthā«, und dort traf er Muḥammad ibn Mūsā Shākir, der Verwalter des Hauses der Weisheit in Bagdad war. Dieser war von Thābits Intelligenz, Brillanz und Beredsamkeit begeistert und nahm ihn mit nach Bagdad, stellte ihn dem Kalifen al-Muʿtaḍid vor, der ihm Ehre erwies und ihm Schenkungen und Gaben überhäufte — und er erlangte Gunst und Rang bei ihm.« (Islam Online)

Thābit vereinte eine große Anzahl von Wissenschaften in sich und ragte in allen hervor: Er brillierte in der Medizin, glänzte in der Mathematik, übertraf in der Astronomie, beherrschte eine Reihe von Sprachen, aus denen er mit Geschick und Kompetenz übersetzte — neben seiner Beherrschung und Festigkeit in der arabischen Sprache. So zeichneten sich seine Übersetzungen durch Leichtigkeit und Klarheit aus, seine Ausdrücke waren fließend und einfach.

Thābit befolgte in seinen Übersetzungen den Stil der Sinnübersetzung ohne Bindung an die ursprünglichen Wortlaute, weshalb seine Übersetzungen besser und präziser waren als die wortgenaue Übersetzung, bei der der Sinn schwierig und der Zweck gewunden werden kann.

Wichtigste Übersetzungen von Thābit ibn Qurra:

Das Buch »al-Kiymūs« von Galen; das Buch »Geographie der bewohnten Erde und Beschreibung der Erde« von Ptolemäus; das Buch »Arithmetik« von Nikomachos; das Buch »Geometrische Grundlagen«, Archimedes zugeschrieben; das Buch »Sphärische Figuren« von Ptolemäus; das Buch »Die sich bewegende Kugel« von Autolycos.

Thābit ibn Qurra gilt als einer der bedeutenden Mathematiker seiner Zeit und wurde deshalb »Euklid der Araber« genannt. Er ragte in der Geometrie hervor, bis über ihn gesagt wurde, er sei der größte arabische Geometer aller Zeiten. Er gilt auch als einer der herausragenden arabischen Ärzte seiner Zeit, ja sein Einfluss dehnte sich sogar auf die folgenden Jahrhunderte aus — seine Werke blieben für Jahrhunderte eine wichtige Referenz für Lernende und Forscher in aller Welt.

Thābit war einer der frühesten Pioniere auf einem wichtigen Gebiet der Medizin, das viele Ärzte seiner Zeit nicht berührt hatten: Er interessierte sich für Hautkrankheiten und kosmetische Präparate und Medikamente; er sprach über die Krankheiten, die die Oberfläche der Gesichtshaut befallen — Chloasma, Tinea und die schwarzen und weißen Narben aus Pocken; er sprach über Geschwüre, Vitiligo, Jucken, Weißfleckenkrankheit in beiden Formen (weiß und schwarz), Ringelflechte, Krätze und Haarerkrankungen; er sprach auch über Abmagerung und Fettleibigkeit und nannte ihre Ursachen, Auswirkungen und Behandlungsmittel.

Er berührte Kopfkrankheiten und nannte die Arten von Kopfschmerzen, die den Menschen befallen; er befasste sich mit den Arten der Migräne und nannte das, was den Kopf stärkt und das Gehirn von Medikamenten und Nahrungsmitteln reinigt; er sprach über die für Kopf und Gehirn und Verstand schädlichen Nahrungsmittel und erklärte den schädlichen Einfluss von Fetten und Ölen auf die menschliche Gesundheit. Er hatte weitreichende Kompetenz bei den Nerven-, Geistes- und Seelenkrankheiten; er war imstande, den Schlaganfall und die Epilepsie zu diagnostizieren und zwischen ihnen zu unterscheiden; er beschrieb Krämpfe und nannte ihre Ursachen und Behandlungen; er beschrieb psychische Krankheiten wie die Melancholie.

Er hatte auch Studien und Forschungen auf dem Gebiet der Geschlechtskrankheiten und Männerkrankheiten und nannte ihre Ursachen und erläuterte ihre Symptome. Er befasste sich mit Frauenkrankheiten und der Geburtshilfe und sprach über Uteruskrämpfe, die Menstruation und ihre Hemmung, Schwangerschaftsursachen und -unterbrechungen, Geburtsschwierigkeiten und die Extraktion des toten Fötus und der Plazenta. Er interessierte sich auch für Kinderheilkunde.

Er bewies auch Überlegenheit und Brillanz auf dem Gebiet der Augenheilkunde und Anatomie des Auges; er sprach über einige Augenkrankheiten wie Augenentzündung, Grauer Star und Grüner Star (Glaukom); er erwähnte Vorquellen und Einsinken des Auges; er sprach über Sehschwäche, nannte ihre Ursachen und Ratschläge zu ihrer Vorbeugung.

Er ragte hervor bei Nasen-, Ohren- und Kehlkopferkrankheiten und sprach über die Übel, die die Nase befallen — Geruchsveränderung und Geruchsverlust —, und die das Atmungssystem befallenden Krankheiten wie Asthma, Schnupfen und Katarrh; er unterschied zwischen Katarrh und Schnupfen; er beschrieb einige Krankheiten wie Tuberkulose und sprach über Herzerkrankungen. Er sprach auch über Mund- und Zahnkrankheiten, nannte ihre Behandlungen, beschrieb den Aufbau der Zähne und ihre Funktionen, und sprach über Zahnfleischerkrankungen und ihre Behandlungen. Er lieferte genaue Informationen bei Nieren- und Blasenerkrankungen, sprach über die Bildung von Steinen in ihnen und nannte die Nahrungsmittel, die dies verursachen; er befasste sich mit den Ursachen des Harntreibens und nannte viele harntreibende Medikamente und Nahrungsmittel, und sprach über Harninkontinenz.

Seine wichtigsten medizinischen Werke:

Das Buch »adh-Dhakhīra fī ʿIlm aṭ-Ṭibb«; das Buch »Über die Wissenschaft des Auges, seine Beschwerden und ihre Behandlung«; das Buch »Über die Pocken und Masern«; das Buch »ar-Rawḍa fī aṭ-Ṭibb«; eine Abhandlung über die Bildung von Steinen; eine Abhandlung über die Beschreibung der Entstehung des Embryos; eine Abhandlung über die Wahl des Zeitpunkts für die Abstoßung des Samens.

Nach einem Leben voller Wissen und Gabe starb Thābit am 26. Ṣafar 288 n.H./19. Februar 901 n.Chr. im Alter von 76 Jahren und hinterließ einen unendlichen Schatz an Wissen und Erkenntnis.

2 — Thābit ibn Sinān ibn Thābit ibn Qurra (gest. 365 n.H./975 n.Chr.):

Abū l-Ḥasan Thābit ibn Sinān ibn Thābit ibn Qurra wurde in einer altehrwürdigen Familie geboren, die für Wissen und Medizin bekannt war. Er wuchs in Bagdad auf. Sein Vater Sinān war ein fähiger Arzt, den Wesir Abū ʿĪsā ibn al-Jarrāḥ mit der Aufgabe der Aufsicht über die Behandlung der Gefangenen in den Gefängnissen des Staates und der Versorgung mit Medikamenten und Gesundheitspflege betraute. Er betraute ihn auch mit den Krankenhäusern (Bīmāristāne) in Bagdad und anderswo.

Thābit ibn Sinān war ein nobler Arzt, der die Bücher der Früheren studiert und ihnen viele seiner Erfahrungen und Beobachtungen hinzugefügt hatte. Sein Eintauchen in die Medizinwissenschaften wurde dadurch gefördert, dass er in einer Familie aufwuchs, die dieses Wissen erbte. Seine Beschäftigung mit der Medizin hinderte ihn nicht an der Beschäftigung mit einer anderen Wissenschaft: der Geschichtswissenschaft, in der er ein berühmtes Buch verfasste — er machte es zu einem Anhang zu »Tāʾrīkh aṭ-Ṭabarī« und folgte darin seinem Stil, aber dieses Buch ist verloren gegangen. Thābit ibn Sinān gilt somit als Arzt und Historiker; er war auch Philosoph, Schöngeist und Astronom.

Thābit ibn Sinān war Lehrer vieler Studierender und Ärzte; er lehrte die Bücher des Hippokrates und Galen, beteiligte sich an der Übersetzung vieler medizinischer Bücher aus dem Syrischen und Griechischen, kommentierte sie und fügte ihnen neue Informationen hinzu. Seine Brillanz, Geschicklichkeit und sein Wissen hatten den größten Anteil daran, dass er die Leitung des Krankenhauses von Bagdad als Nachfolger seines Vaters übernahm und Dekan der Ärzte Bagdads wurde. Er starb am 11. Dhū l-Qaʿda 365 n.H./11. Juli 975 n.Chr.

3 — Die Familie Bakhtīshūʿ:

»Bakhtīshūʿ«: eine Familie, deren viele Mitglieder in der abbasidischen Epoche im Arztberuf brillierten. Das Wort »Bakhtīshūʿ« bedeutet auf Syrisch »Knecht des Messias«.

Bakhtīshūʿ ibn Jūrjis:

Einer der bekannten Ärzte im zweiten Hijrī-Jahrhundert (8. Jahrhundert n.Chr.). Er lernte die Medizin bei seinem Vater Jūrjis und war der fähigste Arzt seiner Zeit. Er diente dem abbasidischen Kalifen al-Manṣūr. Bakhtīshūʿ trat in Verbindung mit Kalif Hārūn ar-Rashīd und erlangte bei ihm hohe Stellung bis er Chefarzt für seine Geschicklichkeit und Brillanz in der Medizin wurde. Hārūn ar-Rashīd pflegte über ihn zu sagen: »Jeder, der ein Anliegen an mich hat, soll Jibrāʾīl damit ansprechen; denn ich tue alles, was er mich darin bittet und von mir verlangt.« Er starb um das Jahr 184 n.H./800 n.Chr. Unter seinen Schriften hinterließ er sein Buch »Kunnāsh«, eine Kurzfassung des Buches »at-Tadhkira«, das er für seinen Sohn Jibrāʾīl verfasste.

Jibrāʾīl ibn Bakhtīshūʿ:

Er lernte die Medizin bei seinem Vater bis er darin brillierte und trat in Verbindung mit dem Wesir Jaʿfar ibn Yaḥyā al-Barmakī (gest. 187 n.H./803 n.Chr.) und wurde sein Leibarzt nach Empfehlung seines Vaters Bakhtīshūʿ. Sein Vater pflegte zu sagen: »Er ist tüchtiger als ich im Handwerk (der Medizin).« Dann trat Jibrāʾīl in Verbindung mit Hārūn ar-Rashīd und seinen Söhnen al-Amīn und al-Maʾmūn sowie den Großen des Staates; ihm wurden Reichtümer beschert und sein Rang am Hof der Kalifen stieg.

Jibrāʾīl war bekannt für seine Treue gegenüber seinem Meister Galen, bis er sich heftig erzürnte, als Ibrāhīm ibn al-Mahdī Jibrāʾīl über Galen stellte: »Allāhs Fluch auf den, der Wohltaten nicht dankt und sie nicht nach Kräften vergilt! Ja, bei Allāh, ich zürne, wenn man mich in irgendeiner Weise Galen gleichstellt, und danke für seine Überordnung über mich in allen Lagen.«

Jibrāʾīl hinterließ einige Schriften, darunter: eine »Abhandlung an al-Maʾmūn über Essen und Trinken«, das Buch »Einführung in das Wissen der Logik«, eine kurze Abhandlung über Medizin und ein »Kunnāsh« — ein Buch über die Herstellung von Räucherwerk, das er für Kalif al-Maʾmūn verfasste. Jibrāʾīl ibn Bakhtīshūʿ starb im Jahr 213 n.H./828 n.Chr. und wurde im Kloster »Mār Sarjīs« bei al-Madāʾin begraben.

Bakhtīshūʿ ibn Jibrāʾīl:

Er lernte die Medizin bei seinem Vater bis er brillierte und trat in den Dienst der abbasidischen Khalifenkalifenserabbabasidischen Kalife, wie al-Wāthiq, al-Mutawakkil, al-Mustaʿīn, al-Muhtadī und al-Muʿtazz; er genoss jedoch besonders hohe Stellung beim Kalifen al-Muhtadī, der ihn an sich zog, sodass er ihm keine Bitte abschlug. Unter seinen überlieferten Ratschlägen in der Medizin ist sein Wort: »Trinken auf nüchternen Magen ist schlecht, und Essen auf vollem Magen ist noch schlechter.« Unter seinen Schriften gibt es ein Buch über »die Schröpfung«. Er starb im Jahr 256 n.H./870 n.Chr.

Aus der Zeitschrift ar-Risāla, Nr. 702, Artikel von Prof. Ṣalāḥ ad-Dīn al-Munajjid unter dem Titel »Ärzte der abbasidischen Kalifen«:

»Die Familie Bakhtīshūʿ hatte großes Ansehen; unter ihnen gab es Ärzte und Wesire, Krankenhaus-Ärzte und Lehrer für Medizin und Philosophie. Der erste, der den Kopf dieser Familie nach Bagdad berief, war der abbasidische Kalif al-Manṣūr: Als er die Stadt des Friedens Bagdad im Jahr 148 n.H. baute, befiel ihn eine Magenschwäche, schlechte Verdauung und mangelnder Appetit; und je mehr ihn die Ärzte behandelten, desto schlimmer wurde seine Krankheit. Er ließ sie versammeln und fragte sie: ›Ich möchte unter den Ärzten in allen Städten einen fähigen Arzt.‹ Sie sagten: ›Niemand in unserer Zeit ist besser als Jūrjis ibn Bakhtīshūʿ, der Chefarzt von Jundīshāpūr — er ist ein tüchtiger Arzt.‹ Da befahl al-Manṣūr, ihn zu holen.«

Jibrāʾīl ibn Bakhtīshūʿ (Ergänzung):

Jibrāʾīl lernte die Medizin bei seinem Vater und dem berühmten Arzt Galen, bis er darin brillierte; er trat in Verbindung mit dem Wesir von Hārūn ar-Rashīd, Jaʿfar ibn Yaḥyā al-Barmakī (gest. 187 n.H./803 n.Chr.), und wurde nach Empfehlung seines Vaters Bakhtīshūʿ sein Leibarzt. Jibrāʾīl war bekannt für seine Treue gegenüber seinem Meister Galen. Er hinterließ Schriften, darunter: eine »Abhandlung an al-Maʾmūn über Essen und Trinken«, das Buch »Einführung in das Wissen der Logik« und einen »Kunnāsh« — ein Buch über die Herstellung von Räucherwerk. Er starb im Jahr 213 n.H./828 n.Chr.

Bakhtīshūʿ ibn Jibrāʾīl:

Er lernte die Medizin bei seinem Vater bis er brillierte und trat in den Dienst der abbasidischen Khalife, wie al-Wāthiq, al-Mutawakkil, al-Mustaʿīn, al-Muhtadī und al-Muʿtazz. Er genoss besonders hohe Stellung beim Kalifen al-Muhtadī, der ihn an sich zog, sodass er ihm keine Bitte abschlug. Unter seinen überlieferten Ratschlägen in der Medizin: »Trinken auf nüchternen Magen ist schlecht, und Essen auf vollem Magen ist noch schlechter.« Er starb im Jahr 256 n.H./870 n.Chr.

4 — Isḥāq ibn Ḥunayn (215–298 n.H./830–910 n.Chr.):

Er ist Isḥāq ibn Ḥunayn ibn Isḥāq al-ʿIbādī, der berühmte Arzt, mit Beinamen Abū Yaʿqūb. Er wurde in Bagdad im Jahr 215 n.H./830 n.Chr. geboren. Sein Vater Ḥunayn war ein fähiger Arzt und berühmter Philosoph mit langer Reichweite bei der Übersetzung griechischer und syrischer Werke ins Arabische — besonders Bücher der Philosophie und Mathematik. So lernte Isḥāq von ihm die Künste der Medizin, der Weisheit und der Übersetzung, bis er ihn darin übertraf. Er übertraf auch seinen Vater darin, wobei er auch bei dem Arzt Yūḥannā ibn Māsawayh und dem Gelehrten al-Khalīl ibn Aḥmad studierte.

Isḥāq stand in Verbindung mit den abbasidischen Kalifen und schloss sich ihrem Dienst an. Er schrieb auch Gedichte und pries sich und sein Volk, das er in der Medizin lernte:

»Ich bin der Sohn derer, bei denen die Medizin anvertraut wurde / und mit ihnen benannt werden — ob Kind, ob Greis, ob Heranwachsender / Aristoteles sieht mich als begabt an, er der die Logik gerade stellt / Ein Argument, das unaufhaltbar ist / Hippokrates in der Entfaltung dessen, was die Früheren für uns feststellten / Das Übel und die Krankheiten als gleichrangige Medizin / Galen heilte noch immer unsere Herzen / Für was die Naturen bei uns auseinanderstrebten / Und Yaḥyā ibn Māsawayh und Ahrūn vor ihm / Ihre Bücher für die Menschen darin sind Nutzen / Er sah, dass er in der Medizin die Palme erlangte und so war es / Kein Ruheplatz von ihrer Bewahrung und unseren Fingern.«

Isḥāq erlitt am Ende seines Lebens eine Lähmung und starb in Bagdad im Rabīʿ al-Ākhir 298 n.H. unter der Herrschaft des abbasidischen Kalifs al-Muqtadir Billāh.

5 — Ibn al-Jazzār (gest. 369 n.H./980 n.Chr.):

Aḥmad ibn Ibrāhīm ibn Abī Khālid Abū Jaʿfar al-Qayrawānī, Ibn al-Jazzār — Arzt und Historiker aus Kairouan. Unter seinen Schriften: »Zād al-Musāfir wa-Qūt al-Ḥāḍir« — ein medizinisches Manuskript, von dem Kopien in der Bibliothek des Volkes in Paris und Dresden in Deutschland vorhanden sind; es wurde ins Lateinische, Griechische und Italienische übersetzt. Er schrieb auch »al-Iʿtimād« über einfache Arzneimittel, »al-Bughya« über zusammengesetzte Arzneimittel, »Dhamm Ikhrāj ad-Dam«, eine Abhandlung über die Seele, »Asbāb al-Wabāʾ bi-Miṣr« und »Ṭibb al-Fuqarāʾ«.

6 — Dāwūd al-Anṭākī (10. Hijrī-Jahrhundert):

Er wird mit dem Titel »der tüchtige einzigartige Weise« und »der einmalige geschickte Arzt, der Galen seiner Zeit und der Hippokrates unserer Epoche, der vollständige Gelehrte« bezeichnet. Er wurde in Antiochia geboren und ihm zugeordnet — das war im zehnten Hijrī-Jahrhundert. Antiochia ist eine Stadt im Norden Syriens, in der Mitte einer schönen fruchtbaren Ebene im unteren Becken des Orontes-Flusses; ihre Geschichte reicht bis 300 Jahre vor Christus zurück.

Dāwūd las die Bücher der griechischen Früheren wie Hippokrates, Dioskurides und Galen; er las auch Ibn Sīnā, ar-Rāzī, az-Zahrāwī und andere. Er beschäftigte sich besonders mit dem Studium der klinischen Medizin und der Zubereitung von Medikamenten und Rezepten. Zu seinen bekanntesten Werken: sein umfangreiches Buch »Tadhkirat Ūlī l-Albāb wa-l-Jāmiʿ li-l-ʿAjab al-ʿUjāb«, bekannt als »Tadhkirat Dāwūd«.

7 — Muwaffaq ad-Dīn Ibn Abī Uṣaybiʿa (gest. 668 n.H./1270 n.Chr.):

Er ist Muwaffaq ad-Dīn Abū l-ʿAbbās Aḥmad ibn al-Qāsim ibn Abī Uṣaybiʿa as-Saʿdī al-Khazrajī. Er wurde in Damaskus kurz nach dem Jahr 590 n.H./1194 n.Chr. geboren, wuchs dort auf und lernte Medizin bei seinem Vater al-Qāsim, einem Augenheilkundler, und bei Raḍī ad-Dīn Yūsuf ibn Ḥaydara ar-Raḥabī. Er übte auch im Nūrī-Krankenhaus eine Zeit lang. Er zog nach Kairo zur weiteren Vertiefung des Medizinstudiums, und sein Gefährte und Freund war Ibn an-Nafīs — doch Ibn an-Nafīs war zweifellos klüger und brillanter; er entdeckte den kleinen Blutkreislauf. Ibn Abī Uṣaybiʿa kehrte bald nach Damaskus zurück (632 n.H.) und arbeitete im Großen Krankenhaus. Im Jahr 634 n.H./1236 n.Chr. zog er nach Ṣarkhad in Ḥawrān und trat in den Dienst seines Herrn, des Amīrs ʿIzz ad-Dīn Aybak al-Muʿaẓẓamī und blieb dort bis zu seinem Tod im Jumādā al-Ūlā 668 n.H./1270 n.Chr.

Ibn Abī Uṣaybiʿa hinterließ vier Werke: »Iṣābāt al-Munajjimīn«, »at-Tajārib wa-l-Fawāʾid«, »Ḥikāyāt al-Aṭibbāʾ fī Mudāwāt al-Adwāʾ« und »ʿUyūn al-Anbāʾ fī Ṭabaqāt al-Aṭibbāʾ«. Nur das letzte Werk ist auf uns gekommen.

4 — Die Mathematik (ʿilm ar-riyāḍiyyāt):

Das abbasidische Kalifat hatte sich im Osten und Westen der Erde ausgedehnt, und der Bedarf der Muslime an einer neuen mathematischen Wissenschaft wuchs, die ihnen beim Handel zwischen den Völkern bei Unterschieden in Währungen, Maßen und Vertragssystemen helfen würde. Das war es, was al-Maʾmūn dazu brachte, al-Khwārizmī, den Mathematiker Bagdads, damit zu beauftragen, sich der Entwicklung einer neuen Methode zur Lösung schwieriger Gleichungen zu widmen, die den mit der Arithmetik Beschäftigten entgegengetreten waren. So verfasste er sein Buch »al-Jabr wa-l-Muqābala« und erläuterte seine Zwecke bei seiner Präsentation: »Die Menschen brauchen es in ihren Erbschaften und Vermächtnissen, in ihrer Aufteilung und ihren Urteilen, in ihrem Handel und in allem, was sie untereinander an Landvermessung, Kanalgraben, Geometrie und anderem betreiben.«

Die arabischen Ziffern, die heute international verwendet werden, wurden von den Muslimen auf der Grundlage der Winkelmethode entwickelt, und die Muslime fügten das System der Null hinzu — ohne die wir viele mathematische Gleichungen verschiedener Grade nicht lösen könnten. Die Verwendung der Null in arithmetischen Operationen führte zur Entdeckung des Dezimalbruchs, der von dem Mathematiker Jamshīd ibn Maḥmūd Ghiyāth ad-Dīn al-Kāshī (gest. 840 n.H./1436 n.Chr.) entdeckt wurde, wie in seinem Buch »Miftāḥ al-Ḥisāb« erwähnt — das war eine Einleitung zu Studien und unendlich kleinen Berechnungen. Die arabischen Ziffern mit ihrer Null und ihren Dezimalbrüchen waren in der Tat das Geschenk des Islams an Europa.

Ibrāhīm al-Fazārī:

al-Fazārī gilt als der erste, der das Astrolabium herstellte — das astronomische Instrument, das zur Beobachtung der Planeten verwendet wird.

al-Battānī (Albategnius, 858–929 n.Chr.):

Al-Battānī erfand die Sinus- und Kosinus-Funktion für Bögen in der Trigonometrie. Er erfand auch die Tangentenlinien für Bögen und führte sie in die Berechnungen von Sonnenquadranten ein, nannte sie den »ausgedehnten Schatten« — bekannt in späteren Büchern als die in der Trigonometrie verwendete Tangentengeraden. Die Araber erkannten zu Zeiten von Ibn Yūnus und Abū l-Wafāʾ die Verwendung von Tangentenlinien bei der Messung von Dreiecken.

Abū r-Rayḥān al-Bīrūnī (362–440 n.H./973–1048 n.Chr.):

Abū r-Rayḥān Muḥammad ibn Aḥmad al-Khwārizmī, mit Beinamen »al-Bīrūnī«. Das Wort »Bīrūn« ist persischen Ursprungs und bedeutet auf Arabisch »außen« oder »draußen«. Er wurde am 2. Dhū l-Hijja 362 n.H./3. September 973 n.Chr. in einem Dorf der Vororte der Stadt »Kāth«, Hauptstadt von »Khwārazm« — heute zu Usbekistan gehörend —, geboren. Diese Stadt wurde nach ihm »al-Bīrūnī-Stadt« benannt, zum Gedenken an ihn.

al-Bīrūnī blieb bis zu seinem 25. Lebensjahr in seiner Heimat und empfing das Wissen von »Abū Naṣr Manṣūr ibn ʿAlī ibn ʿIrāq«, einem der Fürsten der regierenden Familie »Banū ʿIrāq« in Khwārazm, der ein berühmter Gelehrter in Mathematik und Astronomie war.

In Jurjān traf al-Bīrūnī Ibn Sīnā und diskutierte mit ihm; er traf auch den berühmten Arzt und Astronomen Abū Sahl ʿĪsā ibn Yaḥyā al-Masīḥī (gest. 389 n.H.), wurde sein Schüler und beteiligte sich an seinen Forschungen. Er vollendete in Jurjān mehrere Werke, am bedeutendsten das Buch »al-Āthār al-Bāqiya min al-Qurūn al-Khāliya« (Übergebliebenes aus vergangenen Jahrhunderten), das er Fürst Qābūs widmete.

Im Jahr 407 n.H. bemächtigte sich Sultan Maḥmūd al-Ghaznawī Kāths und ließ al-Bīrūnī nach Ghazna (heute Kabul) mitnehmen, um von seiner Arbeit zu profitieren. al-Bīrūnī lebte am Hof von Ghazna, beschäftigte sich mit Astronomie und anderen Wissenschaften und begleitete den Sultan bei vielen seiner Militärfeldzüge im Nordwesten Indiens.

al-Bīrūnī ermöglichten seine Reisen, die Wissenschaften Indiens und seine grundlegenden Sprachen zu beherrschen und die islamische Weisheit und Wissenschaften dorthin zu übertragen. Er hatte Zugang zu den Schätzen seines Wissens in Literatur, Philosophie und Wissenschaften — neben Gewohnheiten, Traditionen, verschiedenen Überzeugungen, Gesetzen und Geschichte. Er erforschte die Geographie seiner Länder und fasste all das in seinem großen Buch »Taḥqīq mā li-l-Hind min Maqūla Maqbūla fī l-ʿAql aw Mardhūla« (Überprüfung dessen, was Indien an Aussagen hat, die verstandesmäßig annehmbar oder verwerflich sind) zusammen — veröffentlicht von Sachau, gedruckt in London im Jahr 1305 n.H./1887 n.Chr. und ins Englische und Russische übersetzt.

Beiträge al-Bīrūnīs in verschiedenen Wissenschaften:

In der Physik: Er hatte einige Forschungen über Licht und Gravitation; er entwickelte eine einfache Theorie zur Berechnung des Erdumfangs, die noch heute in Schulbüchern unter seinem Namen bekannt ist. In der Mineralogie: Er erfand ein kegelförmiges Gerät zur Messung des spezifischen Gewichts von Metallen und Edelsteinen — es gilt als das älteste Metallkondensationsmessgerät. In der Pharmakologie: Sein Buch »aṣ-Ṣaydana« ist eine Enzyklopädie über den Apotheker in der Kunst des Sammelns von Arzneimitteln und der Wahl der besten. In der Soziologie und Zivilisation: Sein Buch über Indien gilt als wichtigste Referenz für jeden Studierende der indischen Kultur.

In der Geologie: al-Bīrūnī vertrat als erster Pionier Theorien über den Aufbau der Erdkruste und die Entwicklungen auf Festland und Wasser in verschiedenen geologischen Epochen. Er interessierte sich auch für das Problem der Bestimmung der Qibla-Richtung (Gebetsrichtung) und beschrieb zwei Methoden dafür. Er übersetzte zweiundzwanzig Bücher aus dem Sanskrit ins Arabische.

al-Bīrūnī liebte die arabische Sprache und bevorzugte das Schreiben darin; er sagte darüber: »Geschmäht zu werden auf Arabisch ist mir lieber als gelobt zu werden auf Persisch.« al-Bīrūnī blieb bis zu seinen letzten Lebensstunden wissbegierig. Yāqūt al-Ḥamawī überlieferte in seinem Buch »Muʿjam al-Udabāʾ«: »Ich kam zu Abū r-Rayḥān, als er im Sterben lag, sein Atem keuchte und seine Brust sich ihm engte. Er fragte mich in diesem Zustand: ›Wie hast du mir einmal das Berechnen der fehlerhaften Großmütter erklärt?‹ (ein Thema der Erbschaftslehre). Ich sagte aus Mitgefühl: ›In diesem Zustand?!‹ Er sagte zu mir: ›O dieser — ich verlasse die Welt, während ich diese Aufgabe kenne; ist das nicht besser, als sie zu verlassen, während ich sie nicht kenne?‹ Ich wiederholte sie ihm, er behielt sie, lehrte mich, was er versprochen hatte, und ich verließ ihn. Als ich auf dem Weg war, hörte ich das Klagen.« Das war in Ghazna am 3. Rajab 440 n.H./12. Dezember 1048 n.Chr.

Muḥammad ibn Mūsā al-Khwārizmī (164–235 n.H./780–850 n.Chr.):

al-Khwārizmī lebte in Bagdad, brillierte unter al-Maʾmūn in Mathematik und Astronomie, bis al-Maʾmūn ihn zum Leiter des Hauses der Weisheit ernannte. Im Haus der Weisheit entwickelte al-Khwārizmī das mathematische Denken, indem er Systeme zur Analyse sowohl von Gleichungen ersten als auch zweiten Grades mit einer Unbekannten auf algebraischen und geometrischen Wegen entwickelte. Deshalb gilt »al-Jabr wa-l-Muqābala« von al-Khwārizmī als erster systematischer Versuch, die Algebra auf wissenschaftlich-logischen Grundlagen zu entwickeln.

al-Khwārizmī erläuterte in der Einleitung zu seinem Buch, dass Kalif al-Maʾmūn von ihm die Abfassung des Buches verlangte, um seinen Nutzen für alles zu erleichtern, was die Menschen brauchen. Das Wort »Algoritmi« (Algorithmus) im Lateinischen ist aus seinem Namen al-Khwārizmī abgeleitet — das ist die Grundlage des heute in der Informatik verwendeten Begriffs.

5 — Die Physik und Ingenieurtechnik:

Die Mechanik (ʿilm al-ḥiyal):

Die Söhne von Mūsā ibn Shākir waren im 9. Jahrhundert n.Chr. berühmt für die Mechanik und verfassten das Buch »al-Ḥiyal an-Nāfiʿa« (Nützliche Maschinen) und »al-Qurṭasūn« sowie »Beschreibung der Maschine, die von selbst spielt — ein Werk des Mūsā ibn Shākir«. Zu ihren Erfindungen gehört ein riesiges astronomisches Beobachtungsgerät, das in ihrem Observatorium arbeitete und durch Wasserdruck angetrieben wurde.

Die Araber erfanden und entwickelten die Mechanik auf einen hohen Grad der Vollkommenheit. Das Ziel dabei war, sie zu nutzen, menschliche Kraft zu sparen, die mechanische Kraft zu erweitern und mit geringem Aufwand mehr als mit menschlicher und tierischer Anstrengung zu leisten. Sie wollten damit den Nutzen des Menschen verwirklichen, List anstelle von Kraft setzen, Verstand anstelle von Muskeln und Maschinen anstelle des Körpers — und auf die Fronarbeit der Sklaven verzichten; zumal der Islam das System der Fronarbeit verboten und die Überlastung von Dienern und das Beschwerlichmachen für Tiere untersagt hatte.

Die drei Newtonschen Gesetze — muslimische Priorität:

Die Bewegungswissenschaft beruht heute auf drei Hauptgesetzen, die der englische Gelehrte Newton in der frühen Zeit des 18. Jahrhunderts n.Chr. aufstellte, als er sie in seinem berühmten Buch »Mathematische Grundlagen der Naturphilosophie« veröffentlichte. Newton hatte in diesen Gesetzen die alten arabischen Informationen zusammengefasst, was die arabischen Gelehrten über die Bewegung von Objekten sieben Jahrhunderte vor seiner Zeit geschrieben hatten — er formte sie nur in mathematische Gleichungen.

Zum ersten Newtonschen Bewegungsgesetz — »Ein Körper bleibt in Ruhe oder in gleichförmiger Bewegung in gerader Linie, sofern keine äußere Kraft ihn zum Wechsel dieses Zustandes zwingt« — sagen die Ikhwān aṣ-Ṣafāʾ in ihren berühmten Abhandlungen: »Die universellen Körper haben jeweils einen spezifischen Ort und befinden sich darin ruhend — sie treten nicht heraus, außer durch einen Zwingenden, der sie zwingt.« Und Ibn Sīnā (gest. 1037 n.Chr.) sagt in »al-Ishārāt wa-t-Tanbīhāt«: »Du weißt, dass der Körper, wenn er sich selbst überlassen wird und keine fremde äußere Wirkung auf ihn einwirkt, seine größte Anfälligkeit für Bewegung gleich seiner kleinsten sein wird, und weder das eine wird widerstrebender noch das andere gefügiger sein, wo es keinerlei Hemmung gibt.«

Und zum dritten Newtonschen Gesetz — »Auf jede Aktion gibt es eine ihr in Betrag gleiche und ihr in Richtung entgegengesetzte Reaktion« — sagt Abū l-Barakāt Hibat Allāh al-Baghdādī (gest. 1165 n.Chr.) in seinem Buch »al-Muʿtabar fī l-Ḥikma«: »Der Ring, der zwischen zwei sich ziehenden Ringern gezogen wird, hat für jeden der beiden Ziehenden in seinem Zug eine der Kraft des anderen entgegenwirkende Kraft; und wenn einer von ihnen siegt und es zu sich zieht, hat das nicht bedeutet, dass es leer von der Zugkraft des anderen war — diese Kraft ist vorhanden, aber überwältigt; und wären es nicht beide, hätte der andere nicht all dieses Ziehen nötig.«

Islamische Architektur und angewandte Mechanik:

Die islamische Architektur stützte sich auf die angewandten Aspekte der Mechanik. Das wird bei der Errichtung von Moscheen, Minaretten, Kuppeln, Bögen und Dämmen deutlich. Die Muslime brillierten beim Bau riesiger Kuppeln und gelangen bei ihren komplexen Berechnungen, die auf Methoden der Analyse von Schalen-Konstruktionen beruhen. Diese komplexen und fortgeschrittenen Kuppelkonstruktionen — wie der Felsendom in Jerusalem, die Moschee-Kuppeln in Istanbul, Kairo und al-Andalus — unterscheiden sich grundsätzlich von den römischen Kuppeln und stützen sich vollständig auf komplexe Mathematik.

Die Muslime errichteten hohe Minarette, die sich von den römischen Türmen unterscheiden; ein Minarett kann bis zu siebzig Meter über dem Moscheedach ragen. Sie bauten in der Zeit der Abbasiden, Fatimiden und Andalusier riesige Dämme über Flüsse wie den Nahrawan-Damm, den Rastin-Damm und den Euphrat-Damm.

6 — Die Chemie (ʿilm al-kīmiyāʾ):

Dr. Aḥmad Shawqī al-Finjrī sagt:

»Die Chemie ist eine islamisch-arabische Wissenschaft mit Namen und Tat. Das Wort »al-kīmiyāʾ« war in keiner Sprache oder Zivilisation vor den Arabern — weder bei den alten Ägyptern noch bei den Griechen — bekannt oder erwähnt. Der Name Chemie ist von »al-kamm« oder »al-kammiyya« (Menge) abgeleitet — weil die muslimischen Gelehrten, die diese Wissenschaft begründeten, sagten: Wenn wir diese Menge von diesem Stoff zu zwei oder drei Mengen des zweiten Stoffs hinzufügen, entsteht das und das. Dieser Name selbst weist uns auf eine wichtige Tatsache hin: dass die muslimischen Gelehrten als erste die Theorie des Verhältnisses in der Vereinigung der Stoffe entdeckten — fünf Jahrhunderte vor dem Chemiker Proust.«

Die Chemie vor dem Islam:

Die Chemie war bei den alten Ägyptern und Griechen ein Handwerk, das von theoretischen Ansichten beherrscht wurde und nur von Priestern und Zauberern ausgeübt wurde. Die alten Ägypter kannten die Mumifizierung mit chemischen Stoffen, die Konservierung von Nahrungsmitteln und Kleidung, und brillierten bei der Herstellung bleibender Farben. Die Griechen hatten auch Bemühungen in der Chemie — sie stellten die Theorie der Möglichkeit der Umwandlung unedler Metalle in edle auf. Doch waren die Bemühungen der Griechen in der Chemie gering und beschränkt, da sie die Wissenschaften von der theoretischen und philosophischen Seite studierten. Die Araber waren die ersten, die diese Wissenschaft neu auf dem Grundsatz des Experiments und der Beobachtung begannen.

Die Muslime und die Chemie — Jābir ibn Ḥayyān (gest. 810 n.Chr.) und Abū Bakr ar-Rāzī (gest. 932 n.Chr.):

Diese beiden Giganten legten die Grundlagen der modernen Chemie und verwandelten sie von den platonischen Theorien und Ansichten in eine Experimentalwissenschaft mit festen Regeln, praktischen nützlichen Zielen und Laboratorien mit Bedingungen.

Holmyard schrieb bei der Beschreibung von Jābir ibn Ḥayyāns Labor, das er bei Ausgrabungen in Kufa entdeckte: »Es befindet sich in einem Keller unter der Erde… zur Kontrolle der Temperaturgrade; darin wenig Möbel zur Brandvermeidung… ein großes Feuer und verschiedene Glas- und Kupfergeräte, am wichtigsten: Flaschen, Trichter, Siebe, Filter, Becken, Destillationsgeräte, Kondensatoren, Röhren, verschiedene Mörser und Metallkugeln zum Zerstoßen, dazu genaue Waagen.« Dabei wurde auch ein Mörser aus purem Gold mit einem Gewicht von zweihundert Pfund gefunden.

Grundsätze der Chemie bei den Muslimen:

Das Ziel der Chemie: Die Goldherstellung war nicht mehr das einzige Ziel der muslimischen Gelehrten. Sie verwendeten die Chemie in der Pharmazie und bei der Herstellung chemischer Arzneimittel — erstmals in der Geschichte —, und setzten sie auch ausgedehnt in der Industrie, im Krieg und im Frieden ein.

Das Experiment: Jābir ibn Ḥayyān pflegte seinen Schülern zu empfehlen, den wissenschaftlichen Experimenten Aufmerksamkeit zu schenken und sich nur auf diese zu stützen, mit genauer Beobachtung. Zu seinen Ratschlägen: »Das erste Gebot ist zu arbeiten und Experimente durchzuführen; denn wer nicht arbeitet und Experimente durchführt, erreicht nicht die niedrigste Stufe der Vollkommenheit. Also halte dich an das Experiment, mein Sohn, um zur Erkenntnis zu gelangen.«

Die wichtigsten chemischen Operationen: Destillation (al-taqṭīr), Amalgamierung (al-malghama), Sublimation (at-tasāmī), Kristallisation (at-tabullur), Filtration (at-tarshīḥ). Die meisten dieser Operationen sind arabische Erfindungen und waren den Griechen nicht bekannt.

Leistungen der Muslime in der Chemie:

1 — Die Muslime waren die ersten, die die Chemie in der Arzneimittelherstellung einsetzten: ar-Rāzī führte erstmals die Verwendung von Metallsalzen — wie Quecksilber, Magnesium, Eisen und Zink — als Medikamente ein und stellte daraus Salben, Pulver, Tabletten und Einreibemittel her. ar-Rāzī testete diese Medikamente an Tieren, besonders Affen, die dem menschlichen Körper ähnlich sind. Ibn Sīnā war der erste, der empfahl, Medikamentenpillen mit Gold- oder Silbersalzen zu überziehen, wenn das Medikament bitter schmeckte oder wenn es nicht im Magen, sondern im Darm gelöst werden sollte.

2 — Die Muslime waren die ersten, die Seife aus Soda herstellten — gefärbt, parfümiert, flüssig und fest. Sie sollen die ersten gewesen sein, die Papier herstellten; Jābir ibn Ḥayyān entwickelte Papierarten, die feuerbeständig waren und zur Einbindung von Koranexemplaren und wertvollen Büchern verwendet wurden. Er erfand auch wasserdichten Stoff. ʿAbbās ibn Firnās gelangte zur Nachahmung des Blitzes unter der Himmelskuppel durch das Brennen von Magnesium — und öffnete damit den Weg zur Nachtfotografie; er gelangte auch zur Nachahmung des Donners durch die Verwendung von Schießpulver.

3 — Die Muslime erfanden und entwickelten verschiedene Glasarten von hoher Reinheit und Qualität. Jābir ibn Ḥayyān erfand die Methode, Mangandioxid dem Glas hinzuzufügen, um die grüne und blaue Färbung zu entfernen. ʿAbbās ibn Firnās gilt als erster, der Kristallglas herstellte.

4 — Die Muslime erfanden den Alkohol durch Gärung und extrahierten ätherische Öle durch Destillation. Sie entdeckten Natrium und gewannen Zucker aus Fruchtsaft durch Einkochen. ar-Rāzī entdeckte 932 n.Chr. Salpetersäure und Salzsäure. ar-Rāzī entdeckte auch den Damaszener Stahl, aus dem die arabischen Schwerter hergestellt wurden, die sprichwörtlich für ihre Schärfe und Festigkeit waren.

5 — Die Muslime erkannten, dass Feuer bei Abwesenheit von Luft erlischt. Sie entdeckten Säuren und Basen und den Unterschied zwischen ihnen — das Wort »al-Qalī« (Lauge) ist im Arabischen der Ursprung des Wortes »Alkali« in den europäischen Sprachen.

Die islamische Glasindustrie:

Die Muslime erfanden auch das Email, das aus Glaspulver besteht, das mit einigen Metalloxiden vermischt wird; das Gemisch wird dann in einem Öl aufgelöst, bis es durch Erhitzung zur Flüssigkeit wird, und erhabene Zeichnungen werden damit auf Glas gezeichnet — leuchtend und transparent. Diese Zeichnungen fertigten sie auf Laternen und Moschee-Glas. Diese Kunst gelangte von al-Andalus nach Europa und verbreitete sich in Kirchen und Fürstenpalästen.

7 — Die Botanik (ʿilm an-nabāt):

Ibn al-Bayṭār — Schöpfer der ersten botanischen Lehrmaterialien:

Die Bücher von Ibn al-Bayṭār wurden zur Bildung der ersten botanischen Sammlung und der ersten englischen Apotheke verwendet, die von der Medizinischen Fakultät in der Zeit Jakobs I. vorbereitet wurde. Sein Buch »al-Adwiya al-Mufrada« gilt als eine der Grundlagen der modernen Pharmakologie.

8 — Die Musik (al-mūsīqā):

al-Fārābī (872–950 n.Chr.) — al-Muʿallim ath-Thānī (Der zweite Lehrer):

Abū Naṣr Muḥammad al-Fārābī war ein Genie seiner Zeit in der Musik; er hatte darin ein berühmtes Werk und viele Erfindungen. Ibn Khallikan sagt: »al-Fārābī war ein großer Meister der Musik — er spielte auf dem Lautenstrument mit solcher Meisterschaft, dass er die Menschen zum Lachen und Weinen brachte.« al-Fārābī verfasste das erste systematische arabische Werk zur Musiktheorie: »Kitāb al-Mūsīqā al-Kabīr« (Das große Buch der Musik), das die griechische Musiktheorie überprüfte und erweiterte.

9 — Die Philosophie und Geschichtswissenschaft:

Ibn Khaldūn (732–808 n.H./1332–1406 n.Chr.):

Walī d-Dīn ʿAbd ar-Raḥmān ibn Muḥammad ibn Khaldūn al-Ḥaḍramī al-Mālakī ist einer der größten Denker, die die Menschheit in ihrer Geschichte hervorgebracht hat. Er wurde in Tunis geboren und stammte aus einer ursprünglich aus dem Jemen stammenden und in al-Andalus lebenden Familie. Er gilt als Begründer der Soziologie, der Geschichtsphilosophie und der modernen Wirtschaftswissenschaft.

Seine »Muqaddima« (Prolegomena) ist das erste und bedeutendste Werk in der arabischen Historiographie und wird von Historikern als das größte historiographische Werk angesehen, das je geschrieben wurde. In ihr entwickelte er seine bahnbrechende Theorie des sozialen Wandels, des Aufstiegs und des Verfalls der Zivilisationen, gestützt auf das Konzept der »ʿaṣabiyya« (Stammes- und Gemeinschaftssolidarität) als Triebkraft des historischen Wandels.

Arnold Toynbee sagte: »Ibn Khaldūn hat in seiner Einleitung zur Geschichte eine Philosophie der Geschichte entworfen, die zweifellos das bedeutendste Werk dieser Art ist, das je von einem menschlichen Geist zu irgendeiner Zeit und an irgendeinem Ort in der Welt geschaffen wurde.«

Der Orientalist Rosenthal sagte: »Ibn Khaldūn ist der erste Soziologe in der Geschichte der Menschheit; seine Theorie über den Aufstieg und Verfall der Zivilisationen ist immer noch gültig und wird in den Sozialwissenschaften studiert.«

Abschluss — Der Weg zum Wiederaufstieg:

Scheich ʿAlī aṭ-Ṭanṭāwī, Allāhs Erbarmen sei mit ihm, sagt (»Islamische Kapitel«, S. 79):

»Wie in allen Dingen bringt der Islam eine Besonderheit: Er hat niemals zwischen Glauben und Wissen einen Widerspruch gesehen. Der Koran ermutigt zur Beobachtung der Natur, zum Nachdenken über die Schöpfung und zur wissenschaftlichen Forschung. Die muslimischen Gelehrten waren deshalb zugleich Theologen und Naturwissenschaftler, Ärzte und Juristen, Astronomen und Philosophen. Das Wissen war für sie eine Form der Gottesverehrung.

Als die Blütezeit verging — nach dem 9. Hijrī-Jahrhundert —, geschah das nicht, weil der Islam die Wissenschaft ablehnte, sondern weil die Muslime sich vom Geist des Islams entfernten. Sie hörten auf, die Koranverse über das Nachdenken und Beobachten zu beherzigen. Sie wurden zu Nachahmern statt zu Erfindern. Und heute fragt man: Wie können wir unsere führende Rolle zurückgewinnen? Die Antwort ist einfach, so einfach wie sie komplex ist — sie fasst das bekannte Wort zusammen: ›Die Letzten dieser Gemeinschaft werden nicht gut werden, es sei denn durch das, womit ihre Ersten gut wurden.‹«

Dr. Muṣṭafā as-Sibāʿī, Allāhs Erbarmen sei mit ihm, in »Von den Wundern unserer Zivilisation«:

»Zu den Grundsätzen, auf denen unsere Zivilisation stand, gehörte ihre Vereinigung von körperlichem Bedarf und seelischem Bedarf, und ihre Betrachtung der Sorge um den Körper und seine Erfordernisse als notwendig für die Verwirklichung des menschlichen Glücks und das Erleuchten seiner Seele. Zu den überlieferten Worten des Gründers dieser Zivilisation, des Gesandten Allāhs, Allāhs Segen und Friede seien auf ihm, gehört: ›Wahrlich, dein Körper hat ein Recht auf dich.‹ (Ṣaḥīḥāni überliefert). Und bemerkenswerterweise verwirklichen die Gottesdienste des Islams den wichtigsten Zweck der Medizin — nämlich die Erhaltung der Gesundheit. Das Gebet, das Fasten, die Pilgerfahrt und was diese Gottesdienste an Bedingungen, Säulen und Handlungen erfordern — all das erhält dem Körper seine Gesundheit, Aktivität und Kraft.

Wir schließen dieses Gespräch mit den Schlussfolgerungen, auf die wir nach diesen Vergleichen hinweisen möchten: dass wir in unserer Zivilisation den Westlern bei der Organisation der Krankenhäuser um mindestens neun Jahrhunderte voraus waren… Dass unsere Krankenhäuser auf einem menschlichen Gefühl standen, das in der Geschichte seinesgleichen sucht und die Westler bis heute nicht kennen… Dass wir die früheste unter den Nationen in der Erkenntnis waren, welchen tiefen Einfluss Musik und Kunst auf die Heilung der Patienten haben… Und dass wir im sozialen Zusammenhalt einen Grad erreichten, den die westliche Zivilisation bis heute nicht erreicht hat.«

Das Verhältnis des Islams zur westlichen Zivilisation — Schlussbetrachtung:

Der Islam ist eine Glaubensüberzeugung des Aufstiegs — eine ihrer charakteristischsten Eigenschaften ist, dass sie in der Seele des Gläubigen das Gefühl der Würde und Erhabenheit weckt, das Bewusstsein der Zugehörigkeit zur besten Gemeinschaft, die für die Menschen hervorgebracht worden ist, und das Gefühl der Verpflichtung gegenüber der Menschheit.

Die westliche Zivilisation ruht zweifellos auf einigen Grundlagen, von denen die wichtigsten sind: Säkularismus, Nationalismus und Demokratie. Doch kein Atheist unter uns braucht einen Beweis für die Existenz Allāhs; denn das gesamte Universum ist der Beweis. Für Nationen gibt es wie für Individuen eine materielle und eine geistige Grundlage.

Und soziale Krankheiten haben sich in die schwachen Länder eingeschlichen unter dem Deckmantel von Zivilisation und Modernität. Das Schlimmste an Krankheiten ist das Verborgene; und das Schlimmste an Giften ist das, was verlockend schmeckt — so stürzten sich die Menschen auf sie wie Mücken auf das Licht, glaubend, Glück in ihrem Licht zu finden, doch ihre Flammen verschlangen ihr Leben. Die Einheit dieser Gemeinschaft, die durch solche Krankheiten zerrissen wurde, ist die einzige Stütze ihrer angestrebten Einheit; so wird sie wie die Krähe fremd, die das Alte nicht anerkennt und das Neue nicht einholen kann. Soziale Krankheiten haben sich in diese schwachen Länder eingeschlichen unter dem Deckmantel der glitzernden Zivilisation und Modernität, und das Schlimmste an Krankheiten ist das Verborgene, und das Schlimmste an Giften ist das Verlockende; so stürzten sich die Menschen auf sie, wie Mücken auf das Licht stürzen, glaubend, Glück in ihrem Licht zu finden, doch ihre Flammen verzehrten ihr Leben.

Und Allāh weiß es am besten.

Jābir ibn Ḥayyān — vollständige Biographie:

»Er ist Abū ʿAbdullāh oder Abū Mūsā Jābir ibn Ḥayyān ibn ʿAbdullāh al-Azdī al-Kūfī al-Ṭūsī, bekannt als aṣ-Ṣūfī wegen seiner Weltentsagung. Er lebte zwischen 120 und 198 n.H./738–814 n.Chr. Er ist ein arabischer Gelehrter; die Historiker sind sich über seinen Geburtsort uneins: Manche sagen, er stamme aus al-Jazīra am Euphrat im Osten Syriens, andere sagen, sein Ursprung liege in der Stadt Ḥarrān aus der Region Mesopotamien in Syrien. Er wurde als großgewachsen, dichtbärtig, bekannt für Glauben und Gottesfurcht beschrieben.«

Es heißt, er wurde »Jābir« (Heiler) genannt, weil er die Wissenschaft »heilte«, d.h. neu organisierte. Er wurde »al-Kūfī« genannt, weil er einen langen Teil seines Lebens in der Stadt Kufa im Irak verbrachte.

Der Gelehrte George Sarton sagt in seinem Buch »Einführung in die Geschichte der Wissenschaften«: »Jābir ibn Ḥayyān erlangte durch seine herausragende Leistung auf dem Gebiet der Chemie großen Ruhm; er ist die Enzyklopädie des Mittelalters in allen Wissenschaften.«

Der Forscher Prof. Fuad Sezgin fügte hinzu: »Jābir ibn Ḥayyān war als Chemiker bekannt, aber er ist auch ein bedeutender Gelehrter in der Mathematik, Astronomie, Medizin und Physik, und er war außerordentlich belesen — dies zeigt sich aus seinen vielen Schriften in allen Wissenszweigen.«

Jābir ibn Ḥayyān führte viele Laboroperationen durch: Verdampfung, Kalzinierung, Sublimation, Destillation, Kondensation, Filtration, Lösung, Schmelzung und Kristallisation. Er stellte eine große Anzahl chemischer Stoffe her, darunter: Quecksilberoxid, Quecksilbersulfid, Schwefelsäure, Salpetersäure, Salzsäure und das Königswasser, das Gold löst. Er ist der Erfinder der in der modernen Chemie-Terminologie bekannten Alkalien (arabisch: »al-Qalī«); er entdeckte das Silbernitratlösung; er ist der Verdienst-Träger dessen, was die Europäer über Salmiak und Goldlösung und Kali kannten.

Er war der erste, der erkannte, dass beim Mischen einer Kochsalzlösung mit einer Silbernitratlösung ein weißer Niederschlag entsteht — dieser Niederschlag ist Silberchlorid. Er bemerkte, dass Kupfer der Flamme eine grüne Farbe gibt und die Flamme dem Kupfer eine blaue Farbe verleiht.

Jābir ibn Ḥayyān interessierte sich sehr für die Waagenwissenschaft — was man in der Neuzeit das Gesetz der äquivalenten Gewichte nennt.

Jābir ibn Ḥayyān übertrug die Chemie von den Tiefen der Aberglauben in die Wahrheiten der Experimentalwissenschaft in den Laboratorien. Er verfasste ungefähr dreitausend Schriften, darunter Bücher, Abhandlungen und Artikel. Mehr als tausend Jahre lang blieben Jābirs Werke eine Referenz für Gelehrte des Westens und des Ostens gleichermaßen. Er starb in der Stadt Kufa, über neunzig Jahre alt, im Jahr 813 n.Chr.

Abū Bakr ar-Rāzī (240–320 n.H./854–932 n.Chr.):

»Abū Bakr Muḥammad ibn Zakariyyā ar-Rāzī, der Arzt-Philosoph, mit dem Beinamen ›Galen der Araber‹, im Westen bekannt als ›Rhazes‹. Er wurde in ›ar-Rayy‹ südlich von Teheran, der Hauptstadt des Perserlandes, im Jahr 240 n.H./854 n.Chr. geboren und starb in Bagdad im Jahr 320 n.H./932 n.Chr.«

Die Princeton-Universität in Amerika widmete ihm den prachtvollsten Teil ihres schönsten Gebäudes für seine wissenschaftlichen Verdienste — als Zeichen seiner Stellung in der Geschichte der Wissenschaft und Zivilisation. Zu seinen berühmtesten Büchern in der Chemie gehört »Kitāb al-Asrār« (Buch der Geheimnisse), das manche Historiker als Grundlage der »modernen Chemie« im Osten und Westen betrachten. al-Bīrūnī erwähnte im Index der Bücher ar-Rāzīs, dass dieser dreiundzwanzig Bücher über die Chemie verfasst hatte.

7 — Die islamische Philosophie:

Die Rolle al-Kindīs in der Philosophie:

Yaʿqūb ibn Isḥāq al-Kindī (805–873 n.Chr.) war der erste Muslim, der versuchte, die logische Methode beim Studium des Korans anzuwenden. Er wuchs in Basra auf, genoss die Schirmherrschaft des abbasidischen Kalifen al-Maʾmūn, und seine Interessen waren vielfältig — Mathematik, Wissenschaft, Philosophie —, doch sein hauptsächliches Interesse galt der Religion.

al-Kindī gilt als der erste arabische Philosoph, der versuchte, die Lehren der Philosophie — insbesondere die des Aristoteles — mit den Lehren der Religion in Einklang zu bringen.

In einem Artikel von Prof. Qadrī Ḥāfiẓ Ṭūqān in der Zeitschrift ar-Risāla (Nr. 54): »Er ist einer der berühmtesten islamischen Philosophen. Er ist in der Mathematik, Astronomie, Arzneilehre, Philosophie, Arithmetik, Geometrie, Logik und Astrologie bewandert. Sein Vater war Gouverneur von Kufa. Der Kalif al-Maʾmūn wählte ihn als einen derjenigen, denen er die Übersetzung der Werke des Aristoteles und anderer griechischer Weiser anvertraute.«

Die Rolle von al-Fārābī in der Philosophie — »Der zweite Lehrer« (260–330 n.H./872–950 n.Chr.):

Abū Naṣr Muḥammad ibn Muḥammad ibn Ṭarkhān al-Fārābī — nach der Stadt »Fārāb« aus dem Gebiet Khorasan benannt, wo er geboren wurde; sein Vater war ein türkischer Heerführer. Als er aufwuchs, war sein Ehrgeiz wie bei jenen Genies mit Talenten, deren Seelen sich nach Wissen sehnen und die in der Weisheit und den Wissenschaften Nahrung dafür finden. So verließ er seinen Geburtsort nach Bagdad, dem Wiege der Zivilisation in der Abbasidenzeit.

Als er Bagdad betrat, war dort Abū Bishr Mattā ibn Yūnus der berühmte Weise. Bei ihm lernte er die Logik, dann reiste er nach der Stadt Ḥarrān, wo Yaḥyā ibn Ḥaylān, der christliche Weise, war, und übernahm von ihm ebenfalls einen Teil der Logik. Dann kehrte er nach Bagdad zurück und widmete sich dem Lesen der philosophischen Bücher und nahm sich alle Bücher »des Aristoteles« in der Logik vor. Er brillierte bei der Erklärung ihrer Bedeutungen und Zwecke, bis gesagt wurde, er habe das Buch »Über die Seele« von Aristoteles mit seiner Handschrift kommentiert, darauf geschrieben: »Ich habe dieses Buch hundert Mal gelesen.«

al-Fārābī gilt als der wahre Begründer der philosophischen Studien in der arabischen Welt und der erste Gründer dessen, was wir heute »die islamische Philosophie« nennen. Man findet kaum einen Gedanken bei denen, die nach ihm unter den islamischen Philosophen kamen, ohne dass dieser seine Wurzel bei al-Fārābī hätte. Er ist der Islamphilosoph, der mit der Geschichte der Philosophie und den Theorien der Philosophen am vertrautesten ist.

al-Fārābī verfasste viele Werke, die meisten zur Logik. Darunter: das Buch »al-Qiyās« (Syllogismus), das Buch »al-Burhān« (Beweis), das Buch »al-Jadal« (Dialektik), das Buch »al-Maqūlāt al-ʿAshr« (Die zehn Kategorien) und andere. al-Fārābī starb bei Sayf ad-Dawla al-Ḥamdānī im Rajab des Jahres 339 n.H. Er schrieb »Ārāʾ Ahl al-Madīna al-Fāḍila« (Ansichten der Bewohner der Tugendstadt) in Anlehnung an Platons »Republik«.

Die Rolle von Ibn Rushd (Averroes, 520–595 n.H./1126–1198 n.Chr.):

In einem hochadligen Milieu und aus einer für Wissen, Bildung und Rechtswissenschaft bekannten Familie wurde Ibn Rushd geboren. Er wuchs in den Armen seines Vaters auf, der einer der großen Richter al-Andalus‘ war. Er studierte islamisches Recht, Theologie, Medizin, Mathematik, Logik und Philosophie, in der er brillierte und sich auszeichnete und für die er eintrat gegen Widersacher, bis er in Marrakesch im Dezember des Jahres 595 n.H./1198 n.Chr. starb, um in Córdoba begraben zu werden.

Ibn Rushd erlangte seinen Ruhm in der Zeit der Almohaden, als der erste König dieser Staat ʿAbd al-Muʾmin ibn ʿAlī ihn nach Marrakesch holte (548 n.H.), um seinen Rat bei der Gründung einiger Schulen dort einzuholen. Als Ibn Rushd ihn traf, begeisterte sich der Fürst außerordentlich für ihn, und seine Stellung bei ihm wurde groß. Auch wurde seine Stellung in der Zeit des Kalifen Abū Yaʿqūb Yūsuf ibn ʿAbd al-Muʾmin groß.

Ibn Rushd arbeitete an mehreren wichtigen Fragen, unter ihnen die Frage der Vereinbarkeit von Scharia und Philosophie. Er bezeichnete mit dem Beinamen »der Kommentator« — so nannten ihn die Europäer —, weil er alle Bücher des Aristoteles kommentierte. Er fasste einige Werke Platons zusammen, darunter die »Republik«. Er war absolute Autorität in der Philosophie an den Universitäten Frankreichs, Italiens und Paduas ab dem 13. Jahrhundert.

Als Ludwig XI. im Jahr 1473 den Unterricht organisieren wollte, nahm er die Philosophie des Ibn Rushd und des Aristoteles in den Lehrplan auf. Ibn Rushds berühmtestes Werk in der Philosophie war »Tahāfut at-Tahāfut« (Inkohärenz der Inkohärenz), das er als Antwort auf al-Ghazālīs »Tahāfut al-Falāsifa« (Inkohärenz der Philosophen) schrieb.

Ibn Ṭufayl (gest. 581 n.H./1185 n.Chr.):

Abū Bakr Muḥammad ibn ʿAbd al-Malik ibn Muḥammad ibn Ṭufayl al-Qaysī, der berühmte maghrebinische Philosoph. Er übte zunächst die Medizin in Granada aus, wurde dann Privatarzt des Almohaden-Sultans Abū Yaʿqūb Yūsuf. Er hatte großen Einfluss auf diesen Sultan und nutzte diesen Einfluss, um Gelehrte an den Hof zu bringen. So stellte er den jungen Ibn Rushd dem Sultan vor und war es auch, der Ibn Rushd dazu brachte, die Bücher des Aristoteles zu kommentieren.

Ibn Ṭufayl ist der Verfasser der bekannten philosophischen Geschichte »Ḥayy ibn Yaqẓān« (Der Lebendige, Sohn des Wachen). Das Buch wurde 1671 ins Lateinische übersetzt, und ohne Zweifel ist die Geschichte »Robinson Crusoe« nach seinem Vorbild gestaltet.

Ibn Bājja (Avempace, gest. 523 n.H./1138 n.Chr.):

Er ist Abū Bakr Muḥammad ibn Yaḥyā aṣ-Ṣāʾigh, bekannt als Ibn Bājja, geboren in Saragossa am Ende des fünften Hijrī-Jahrhunderts. Er erlangte Berühmtheit in der Philosophie, Medizin und Musik; Ibn Abī Uṣaybiʿa sagte über ihn: »Er war in der Weisheitswissenschaft der Gelehrte seiner Zeit und der Einmalige seiner Epoche.« Ibn Khaldūn zählte ihn zu den großen islamischen Philosophen in al-Andalus.

Die Musik bei den Muslimen:

al-Fārābī war das Genie seiner Zeit in der Musik; er hatte darin ein berühmtes Werk und viele Erfindungen. Ibn Khallikan sagt, al-Fārābī sei der Erfinder des Instruments namens »Qānūn« (Kanun) und derjenige, der es zum ersten Mal in dieser Zusammensetzung baute; andere sagen, er habe ein anderes, dem Qānūn ähnliches Instrument erfunden.

Scheich Dr. Yūsuf al-Qaraḍāwī, Allāhs Erbarmen sei mit ihm, in einem Artikel »Kein Ersatz für die Religion«:

»Es hat sich uns gezeigt, dass der Mensch der modernen Wissenschaft jener »Unbekannte« ist, den die Wissenschaft nicht zu ergründen, seine Wirklichkeit nicht zu kennen und zu seinen Tiefen nicht vorzudringen vermochte — wie Alexis Carrel und René Dubos und andere zeigten.

Die Wissenschaft erkannte das Unbelebte oder die Materie, analysierte sie und entdeckte ihre Gesetze. Doch sie scheiterte an der Erkenntnis des Menschen, weil der Mensch von einer solchen Zusammensetzung und Komplexität ist, dass nur der ihn kennt, der ihn erschuf und formte: ›Sollte Er nicht wissen, Der erschaffen hat? Er ist der Feinkundige, der Allkundige.‹ (al-Mulk, 67:14 — Bubenheim/Elyas).

Solange die Wissenschaft den Menschen nicht kennt, kann man von ihr nicht erhoffen, ihn gut zu leiten, zu erziehen und Gesetze für ihn zu erlassen. Ja, es ist heute offenbar geworden, dass die Wissenschaft — genauer gesagt ihre technologischen Anwendungen — zur Gefahr für die menschliche Natur und menschliche Umwelt geworden ist.

Und der »Mensch der Philosophie« hat kein besseres Los als der Mensch der Wissenschaft. Die Philosophie stimmte trotz ihrer Beschäftigung mit dem Menschen seit Sokrates darüber nie überein, welcher Ansicht über den Menschen sie sei: Ist er Geist oder Materie? Ein vergänglicher Körper oder eine bleibende Seele? Verstand oder Begierde? Engel oder Teufel? Ist das Ursprüngliche in ihm das Gute oder das Schlechte? Ist er Mensch wie wir ihn sehen oder ein verkleideter Wolf? Ist er egoistisch oder altruistisch? Individualistisch oder kollektivistisch? Beständig oder entwicklungsfähig? Nützt die Erziehung bei ihm oder nicht? Ist er frei oder erzwungen?

Von hier aus vermag die Philosophie allein den Menschen nicht rechtszuleiten noch seinen Hunger zu stillen, ihm eine Methode zu geben, der er vertrauen und auf der er sich stützen kann und auf deren Grundlage er sein Leben einrichten kann.

Der Glaube allein ist es, der die großen Fragen des Seins erklärt, der die Fragen des Ursprungs, des Ziels und der Würde klärt, der dem Leben Geschmack, Ziel und Botschaft verleiht.«

Scheich ʿAlī aṭ-Ṭanṭāwī, Allāhs Erbarmen sei mit ihm (»Islamische Kapitel«, S. 79) — Zur Geschichte der islamischen Zivilisation:

»Alles in der Welt wird schwach geboren, dann wächst es, dann kehrt es zur Schwäche zurück. Wenn wir eine Kurve für den Verlauf der islamischen Zivilisation zeichnen, finden wir sie bis zum vierten Jahrhundert aufsteigend, dann bis zum sechsten gleichbleibend, dann leicht abfallend bis zum neunten Jahrhundert, dann schnell fallend, bis sie zu Beginn des dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts, von denen ich euch erzähle, den Tiefpunkt erreichte.

Das neunte Jahrhundert war das Jahrhundert der Sammlung. Die Zeit des Säens und Erntens war vorbei, und die Zeit des Einlagerns war gekommen. Im neunten Jahrhundert wurden die Früchte gesammelt und aufgehäuft, gemischt und durcheinander in Nachschlagewerken wie »al-Itqān« in den Koranwissenschaften, »al-Muzhir« in der Sprachkunde, »Nihāyat al-Arab«, »Ṣubḥ al-Aʿshā« und Ähnlichem. Die Erfindung war vollständig verloren gegangen, das Wissen zur Wiederholung und zum Neuauflegen geworden; die Rechtswissenschaft wurde zu Urteilen ohne Beweis, der Jurist zum Rezitator ohne eigenes Urteil, der Grammatiker zum Auswendiglerner ohne Begabung, die Redekunst das Fernste von Schaffenskunst.

Dann erhob sich in Europa die Renaissance, eröffnete neue Denkweisen, und es gab neue Entdeckungen in der Welt. Wir hätten gemäß den Weisungen unserer Religion diese übernehmen müssen, weil die Weisheit das Vermisste des Gläubigen ist, wo immer er sie findet. Doch die Welt schritt voran und wir standen an unserem Platz.«

Prof. Maḥmūd Muḥammad Shākir, Allāhs Erbarmen sei mit ihm (Zeitschrift ar-Risāla, Nr. 366):

»Die Zeit, die auf der Erde wandelt und unter ihren Fußspuren das Grüne erblüht, ist dieselbe Zeit, die über sie kriecht und ihr Trampeln das Knirschen von dem hören lässt, was darunter vom Aufbau der Welt und dem Bau der Zivilisation zerbricht. Unter den Fußspuren der Zeit fallen alle Zivilisationen zusammen oder stehen auf. Und seit dem Tag, an dem die Erde nach dem Leben seufzte, vergeht etwas und entsteht etwas — und was von ihr verschwindet, verschwindet nur, damit auf ihr eintritt, was eintritt; denn Bewegung ist das Zeichen des Lebens.

Wir haben von den Ereignissen der Zeit getroffen, was uns nach Glanz in die Erniedrigung zurückgeworfen hat. Und in diesem Osten gibt es ein edles Erbe an Werken, Moral, Literatur und Politik. Doch dieses verlorene, vergessene Erbe nützt dem Schlafenden, der die Augen vor dem Leben geschlossen hat, nichts. Dieses unbekannte Erbe braucht jemanden, der den Staub des Alters und die Schlacken der Vernachlässigung von ihm wischt und es wieder strahlend und leuchtend vor die Augen der Menschen stellt.«

Prof. az-Zayyāt, Allāhs Erbarmen sei mit ihm (Zeitschrift ar-Risāla, Nr. 4):

»Was war, war an Königreich und Herrschaft, dann verging es, als wäre das Volk nie gewesen. Doch die Araber — ihre Staatsherrschaft dreht sich und ihre Dominanz schwindet, und der siegreiche Verwüster richtet das Schwert gegen ihre Männer und das Feuer gegen ihre Überreste, bis er meint, er habe gesiegt und sein Feind sei vernichtet — da rufen ihm die Araber von jedem Ort und aus jedem Menschen entgegen: Ich bin hier! Und der prahlende Angreifer ergibt sich dieser unsichtbaren Kraft, die seine Gedanken, Gefühle und sein Wesen besetzt — dann wendet er sich trotzdem zum Rufer zu ihrer Nachfolge und zum Verbreiter ihrer Kultur!

Hat die Geschichte ihresgleichen gesehen bei diesem Volk, das die Menschen offenkundig und verborgen beherrschte? Hat die Geschichte seinesgleichen gesehen bei diesem Volk, das einen großen Teil der Welt seit dreizehn Jahrhunderten mit seinem Stempel geprägt hat — und dieses Prägemal ist trotz aller Widrigkeiten noch immer deutlich sichtbar und klar erkennbar? Die Herrschaft der Araber über die Welt wich seit Jahrhunderten, aber ihre Kultur ist im islamischen Osten bis heute lebendig!«

Prof. Dr. Muḥammad Haytham al-Khayyāṭ, Allāhs Erbarmen sei mit ihm, in einem Artikel:

»Was geschah mit dem Wissen der Muslime? Was ließ ihren gewaltigen Beitrag zur menschlichen Zivilisation auf dem Gebiet der Wissenschaft versiegen — besonders der Medizin und Mathematik — an dem Tag, als ihre Herrscher auf dem Höhepunkt ihrer Zivilisation in Bagdad und al-Andalus sich von Gelehrten und Literaten umgaben und eine Atmosphäre der Freiheit bereitstellten, die es Muslimen, Christen und Juden erlaubte, Seite an Seite zur Bereicherung dieser Zivilisation zu arbeiten? Von dem allem ist heute nur noch Erinnerung übrig!!

Vielleicht kann ich erläutern, was geschah, anhand von zwei Texten, zwischen denen etwa vier Jahrhunderte liegen. Der erste Text ist von Abū Bakr Muḥammad ibn al-Ḥasan al-Karkhī in seinem Buch »Inbāṭ al-Miyāh al-Khafiyya« (Erschließung verborgener Gewässer). Er sagt darin: »Als ich den Irak betrat und seine Bewohner von Klein und Groß sah, wie sie das Wissen lieben, seinen Wert ehren und seine Leute würdigen, verfasste ich in jeder Zeitspanne eine Schrift über Arithmetik und Geometrie…«

Der zweite Text ist von Ibn Khaldūn in seiner Einleitung: »Ebenso haben wir in dieser Epoche vernommen, dass diese philosophischen Wissenschaften in den Ländern des Franken und den Küsten des Mittelmeers und was sich darum an nördlichen Küsten befindet, florierend sind, ihre Strukturen erneuert werden und ihre Lehrsitzungen zahlreich sind. Allāh weiß, was dort ist… Doch die Fragen der Naturwissenschaften waren für uns in unseren religiösen Angelegenheiten nicht Gegenstand unserer Sorge, deshalb haben wir sie beiseite zu legen, wie es für uns war.‹«

Ich glaube, ich brauche keinen Kommentar dazu!«

Diese Gemeinschaft, von der wir sind, ist eine neue Schöpfung, die mit dem Zusammenbruch der Abbasidenherrschaft im Osten und der Almohadenherrschaft im Westen entstanden ist — Ende des siebten Hijrī-Jahrhunderts (13. Jahrhundert n.Chr.). Diese neue Schöpfung setzte ihre Formung fort, ja ihre Entstellung, sieben magere Jahrhunderte, bis sie die Phase des muslimischen Menschen zu Beginn dieses Jahrhunderts erreichte — ein Mensch, der sich bückt und sich begnügt mit dem, was von den Brosamen anderer auf ihn fällt. Ein Mensch, der nicht vor anderen besiegt wurde, so sehr wie er vor sich selbst besiegt wurde.«

8 — Der Islam: eine Glaubensüberzeugung des Aufstiegs

Der Islam ist eine Glaubensüberzeugung des Aufstiegs. Zu seinen besonderen Eigenschaften gehört, dass sie in der Seele des Gläubigen das Gefühl der Würde ohne Hochmut, den Geist des Vertrauens ohne Selbstüberschätzung und das Gefühl der Beruhigung ohne Lethargie weckt. Und sie lässt die Muslime die menschliche Verantwortung spüren, die auf ihren Schultern liegt — die Verantwortung der Bevormundung dieser Menschheit in den Weiten der Erde, die Verantwortung der Führung der umherirrenden Herden und ihrer Rechtleitung zur aufrechten Religion und zum geraden Weg und ihrer Herausführung aus den Finsternissen ins Licht durch das, was Allāh ihnen an Licht der Rechtleitung und des Unterscheidungsvermögens gegeben hat:

»Ihr seid die beste Gemeinschaft, die für die Menschen hervorgebracht worden ist: Ihr gebietet das Rechte, verbietet das Verwerfliche und glaubt an Allāh.« (Āl ʿImrān, 3:110 — Bubenheim/Elyas)

»Und genauso haben Wir euch zu einer mittleren Gemeinschaft gemacht, damit ihr Zeugen über die Menschen seid und der Gesandte ein Zeuge über euch sei.« (al-Baqara, 2:143 — Bubenheim/Elyas)

Sayyid Quṭb, Allāhs Erbarmen sei mit ihm (Zeitschrift ar-Risāla, Nr. 947, 27. August 1951):

»Wie sehr brauchen die Muslime heute jemanden, der ihnen ihren Glauben an sich selbst zurückgibt, ihr Vertrauen in ihre Vergangenheit und ihre Hoffnung auf ihre Zukunft! Wie sehr brauchen sie jemanden, der ihnen ihren Glauben an diese Religion zurückgibt, die sie beim Namen tragen und deren Wesen sie nicht kennen, die sie mehr durch Erbschaft annehmen als durch Wissen erwerben! Und dieses Buch, das vor mir liegt, ›Was verlor die Welt durch den Niedergang der Muslime‹ von Sayyid Abū l-Ḥasan ʿAlī al-Ḥasanī an-Nadwī, ist eines der Besten, was ich in dieser Richtung gelesen habe — im Alten wie im Modernen gleichermaßen.«

Scheich ʿAlī aṭ-Ṭanṭāwī, Allāhs Erbarmen sei mit ihm, über den Wiederaufstieg (»Islamische Kapitel«, S. 79):

»Alles in der Welt wird schwach geboren, dann wächst es, dann kehrt es zur Schwäche zurück. Die Renaissance erhob sich in Europa und eröffnete neue Denkweisen, und es gab neue Entdeckungen in der Welt. Wir hätten gemäß den Weisungen unserer Religion diese übernehmen sollen, weil die Weisheit das Vermisste des Gläubigen ist, wo immer er sie findet, und weil das Mehren des Wissens zu den Pflichten unserer Scharia gehört. Die Welt schritt voran und wir standen an unserem Platz, die Karawane der Leute schlug neue nützliche Wege ein, und wir blieben auf unserem Weg, berauscht von dem, was wir haben, glaubend, die Welt sei noch immer wie in den Zeiten der Kreuzzüge, und unsere Wissenschaften und ihre Unwissenheit sei noch immer so, wie Usāma ibn Munqidh es in seinem Buch »al-Iʿtibār« beschrieben hatte.«

Dr. Asʿad al-Ḥakīm, Allāhs Erbarmen sei mit ihm, in einem Artikel bei der Wissenschaftlichen Akademie in Damaskus am 25. Oktober 1929 unter dem Titel »Die Rauschmittel und ihr Schaden«:

»Für Nationen wie für Individuen gibt es eine materielle und eine geistige Grundlage. Die materielle Grundlage der Nationen sind ihre Individuen, und ihre geistige Grundlage sind ihre allgemeinen Prinzipien, die diese Individuen zusammenfügen und zu einem einzigen Körper machen, der sich mit einem einzigen Antrieb bewegt. Das Verhältnis von Materie zu Geist beim Aufbau einer Nation ist wie das Verhältnis von Steinen zum Bau. Denn wie verstreute Steine, egal wie zahlreich und wie gleichförmig, kein Gebäude bilden, ohne dass sie sich zusammenfügen, zusammenkleben und miteinander in bekannter geometrischer Form verbinden — so bilden Individuen, egal wie zahlreich, wie gleichartig ihr Aussehen, wie einheitlich ihre Herkunft und wie gebildet ihre Geister, keine Nation, wenn sie nicht eine gemeinsame Gemeinschaft zusammenbringt, sodass sie von einem Impuls bewegt werden, für den sie leben und in dessen Weg sie sterben.

Auf die arabische Nation haben bis auf unsere heutigen Tage verschiedene religiöse, politische, administrative und soziale Faktoren eingewirkt, die ihr ihre allgemeinen Prinzipien raubten. So verlor sie damit alles, was sie an Ruhm, Herrschaft und politisch-gesellschaftlichem Wesen hatte, und verharrt in dem, was sie heute ist — woran die Stirn rot wird, wenn man es erwähnt, und das Herz erschrickt, wenn man daran denkt. Sie lebt heute ein individuell-sektiererisches Leben, dem die zerstreuten Steine eines gewaltigen Bauwerks ähneln, das ein heftiges Erdbeben zerstörte, sodass sie auf der Erde verstreut liegen, bewahrt in ihrer Härte und ihrem Glanz.

Soziale Krankheiten schlichen sich in diese schwachen Länder ein unter dem Deckmantel der glitzernden Zivilisation und Modernität. Das Schlimmste an Krankheiten ist das Verborgene; und das Schlimmste an Giften ist das, was verlockend schmeckt — so stürzten sich die Menschen auf sie wie Mücken auf das Licht, glaubend, Glück in ihrem Licht zu finden, doch ihre Flammen verschlangen ihr Leben.«