Ernährungsgesundheit — Verbote, Erlaubtes und Einfluss auf den Charakter
- 1. Ernährungsgesundheit — Anatomie des Verdauungstrakts
- 2. Ernährungsgesundheit — Etikette beim Essen und Gesundheitsregeln
- 3. Ernährungsgesundheit — Verbote, Erlaubtes und Einfluss auf den Charakter
Verbotene Unreinheiten — die islamische Lehre von den Khabāʾith
Scheich Dr. Yusuf al-Qaradawi — möge Gott ihn begnadigen — schreibt in „Das Erlaubte und das Verbotene im Islam“ (S. 43):
„Die Völker und Nationen haben seit jeher unterschiedliche Ansichten darüber gehabt, was sie essen und trinken dürfen — besonders bei tierischen Nahrungsmitteln. Was pflanzliche Nahrung betrifft, gab es kaum Streit. Der Islam hat von pflanzlicher Nahrung nur verboten, was zu Wein geworden ist. Bei tierischer Nahrung gehen die Meinungen weit auseinander.“
Das Schlachten bei den Brahmanen
Gewisse Gruppen wie die Brahmanen und manche Philosophen haben sich das Schlachten von Tieren und den Fleischverzehr verboten und leben rein vegetarisch. Doch aus der Betrachtung der Schöpfung ergibt sich: Tiere wurden nicht mit Vernunft und freiem Willen ausgestattet wie der Mensch. Die Schöpfungsordnung Gottes zeigt, dass das Niedere dem Höheren dient — die Pflanze dem Tier, das Tier dem Menschen. Das Töten eines Tieres für die Ernährung des Menschen ist Teil dieser Ordnung. Zudem würde der Mensch, wenn er keine Tiere schlachtet, selbst sterben — denn das Leben frisst das Leben, wie Gott es in seiner Schöpfung eingerichtet hat.
Verbotene Tiere bei Juden und Christen
In den Schriftreligionen hat Gott den Juden viele Land- und Meerestiere verboten — als besondere Prüfung für sie, wie der Koran erklärt. Den Christen galten diese Verbote ebenfalls, doch Paulus erklärte: „Alles ist rein für die Reinen“ — und öffnete damit die Tür zum Schweinefleisch, obwohl es in der Tora bis heute verboten ist. Die vorislamischen Araber hatten eigene, willkürliche Verbote — manche Tiere galten als unrein, andere als für Götzen reserviert.
Der Islam erlaubt die guten Dinge — al-Tayyibāt
Der Islam kam und richtete beides aus — Maßlosigkeit und Extremismus beim Essen. Er wandte sich an alle Menschen: „O ihr Menschen! Esset von dem, was auf Erden erlaubt und gut ist, und folget nicht den Schritten des Satans.“ [al-Baqara, 168]
Und zu den Gläubigen: „O ihr, die ihr glaubt! Esset von den guten Dingen, mit denen Wir euch versorgt haben, und dankt Gott.“ [al-Baqara, 172]
In Sure al-Māʾida nennt der Koran die Verbote ausführlicher: „Verboten ist euch das Verendete, das Blut, das Schweinefleisch und was zum Namen eines anderen als Gott geschlachtet wurde, das Ersticktte, das Erschlagene, das Gestürzte, das Gestoßene, das von wilden Tieren Gerissene — außer dem, was ihr noch schlachten konntet.“ [al-Māʾida, 3]
Medizinische Begründung der Verbote
- Das Verendete (Mayta) — In verendeten Tieren setzen sofort Verwesungsprozesse ein, bei denen hochgiftige biogene Amine entstehen. Dazu kommen Krankheitserreger, die sich unkontrolliert vermehren.
- Das Blut — Blut enthält hohe Konzentrationen an Stoffwechselabfallprodukten, Hormonen und potenziellen Krankheitserregern. Die islamische Schlachtmethode führt zu maximaler Entblutung — was die Haltbarkeit des Fleisches verbessert und seinen hygienischen Wert erhöht.
- Schweinefleisch — Das Schwein ist ein Allesfresser und Wirt für zahlreiche auf den Menschen übertragbare Erreger: Trichinen, Bandwürmer, Hepatitis-E-Virus und Influenzaviren. Das islamische Verbot ist eines der medizinisch am besten belegten religiösen Ernährungsgebote.
- Alkohol — Der Koran nennt Alkohol „Dreck aus dem Werk des Satans“ [al-Māʾida, 90]. Die moderne Medizin und Suchtforschung kennt keine sichere Menge Alkohol — selbst geringe Mengen erhöhen das Risiko für Leberzirrhose, Krebserkrankungen, Herzrhythmusstörungen und Hirnschäden.
Ablehnung des erzwungenen Vegetarismus
Der Islam lehnt den erzwungenen Vegetarismus als religiöse Doktrin ab. Der Mensch ist von seiner Biologie her ein Omnivore — seine Zahnstruktur, Enzymausstattung und sein Nährstoffbedarf sind auf eine gemischte Ernährung ausgerichtet. Vitamin B12, das ausschließlich in tierischen Produkten vorkommt, ist für das Nervensystem unentbehrlich und kann durch rein pflanzliche Ernährung ohne Supplementierung nicht ausreichend aufgenommen werden.
Der Einfluss der Ernährung auf den Charakter
Der Koran verbindet das Essen des Guten mit dem Tun des Guten: „O ihr Gesandten! Esset von den guten Speisen und handelt rechtschaffen.“ [al-Muʾminun, 51] Der Islam versteht den Körper und die Seele als untrennbare Einheit: Was in den Körper eingeht, wirkt auf die Seele.
Ahmad Amin schreibt:
„Ich habe beobachtet, dass Völker, die sich von leichter, ausgewogener Kost ernähren, in ihrem Denken klarer und in ihrem Handeln gemäßigter sind als jene, die sich von schwerer, fetter Nahrung ernähren. Die Ernährung formt nicht nur den Körper — sie formt auch das Temperament.“
Die moderne Ernährungswissenschaft bestätigt dies. Der Darm wird das „zweite Gehirn“ genannt — er produziert über 90% des körpereigenen Serotonins, das Stimmung, Wohlbefinden und Impulskontrolle beeinflusst. Eine gesunde Ernährung stärkt das Darmmikrobiom und verbessert nachweislich psychische Gesundheit und emotionale Stabilität.
Antioxidantien aus Obst und Gemüse schützen Gehirnzellen vor oxidativem Stress. Omega-3-Fettsäuren aus Fisch fördern die neuronale Konnektivität. Magnesium und B-Vitamine aus Hülsenfrüchten sind für das Nervensystem unentbehrlich. Der Islam hat mit seiner Ernährungsordnung — dem Verbot des Schädlichen, dem Gebot des Guten, dem Maßhalten und der bewussten Nahrungsaufnahme mit der Basmalah — eine ganzheitliche Ernährungsphilosophie begründet, die Körper, Geist und Seele in Einklang bringt.
Und Gott ist der Allwissende, der Allweise.