Die Nase — Anatomie, Funktionen und prophetische Sunna | Band I
Die Nase — Anatomie und Funktionen
Die Nase ist eines der bedeutendsten Organe des menschlichen Körpers. Sie vereint in sich eine Reihe von Eigenschaften und Funktionen, die weit über das bloße Atmen hinausgehen.
Erstens: Die Nase als Atemorgan
Dies ist die Hauptfunktion der Nase — denn die natürliche Atmung beim Menschen und allen anderen Säugetieren ist die Nasenatmung, nicht die Mundatmung. Letztere ist einerseits unzureichend und andererseits schädlich für Atemwege, Rachen und Kehle.
Die Nasenatmung zeichnet sich durch mehrfache Abwehr- und Schutzmechanismen aus. Die Luft, die durch die Nase eintritt, durchläuft eine Reihe aufeinanderfolgender Prozesse, bevor sie die unteren Atemwege erreicht:
- Erwärmung — unabhängig von der Außentemperatur wird die Luft auf Körpertemperatur erwärmt, bevor sie die Bronchien erreicht.
- Befeuchtung — unabhängig von der Trockenheit der Umgebungsluft wird sie so angefeuchtet, dass sie die Bronchien nicht reizt.
- Filterung — die Nase reinigt die Luft von Staub, Bakterien und schädlichen Substanzen. Täglich strömen etwa zwanzigtausend Liter Luft durch die Nase — und all das muss gefiltert werden, bevor es die Lunge erreicht.
Diese Filterung erfolgt durch mehrere Mechanismen:
Die sekretorische Immunität
Die Schleimhaut der Nase produziert Immunglobulin A (IgA), das Eindringlinge neutralisiert, bevor sie in den Körper gelangen.
Die Ziliarfiltration
Feine Flimmerhärchen — die Zilien — bedecken die Schleimhaut und transportieren Fremdpartikel, Bakterien und Schadstoffe kontinuierlich nach außen. Sie schlagen in einer koordinierten Bewegung, die Verunreinigungen abtransportiert.
Die Schleimschicht
Eine dünne Schleimschicht bedeckt die Nasenschleimhaut und fängt Partikel und Mikroorganismen auf wie ein Klebefang.
Zweitens: Die Nase als Riechorgan
Im oberen Teil der Nasenhöhle liegt das Riechepithel. Damit eine Substanz wahrgenommen werden kann, muss sie flüchtig sein — d.h. verdampfen und in die Luft eintreten — und einen Geruch besitzen. Die Physiologie des Riechens lässt sich auf sieben Grundgerüche zurückführen:
- Kampfergeruch
- Moschusgeruch
- Blumengeruch
- Minzgeruch
- Ethergeruch
- Stechender Geruch
- Fauliger Geruch
Bedingungen für die Wahrnehmung eines Geruchs sind: die Flüchtigkeit der Substanz, das Vorhandensein eines Geruchs, die Unversehrtheit der Riechrezeptoren, die freie Verbindung zur Riechbahn im Gehirn und die Gesundheit der Riechzentren in der Hirnrinde.
Drittens: Die Nase beim Schmecken
Der Geschmackssinn ist ohne den Geruchssinn unvollständig. Wer die Nase zuhält, schmeckt kaum einen Unterschied zwischen Apfel und Zwiebel — ein eindrücklicher Beleg dafür, wie eng Riechen und Schmecken zusammenwirken.
Viertens: Die Nase als Resonanzorgan
Die Nasenhöhlen dienen als Resonanzkammern für die menschliche Stimme. Sie verleihen ihr Klangfülle und individuelle Färbung. Bei einer Erkältung verändert sich die Stimme merklich — ein Zeichen dafür, wie sehr die Nase an der Stimmbildung beteiligt ist.
Das Einatmen und das Ausschnauben — zwischen Medizin und prophetischer Sunna
Der Prophet Muhammad, Friede sei mit ihm, lehrte: beim rituellen Waschen solle Wasser mit der rechten Hand in die Nase gezogen (Istinschāq) und mit der linken Hand ausgeschnaubt werden (Istinthār). Diese Empfehlung hat eine tiefe hygienische Dimension: Das Einziehen von Wasser in die Nase reinigt die Schleimhäute, löst festgesetzten Schleim und trägt Keime nach außen. Das Ausschnauben entfernt, was aufgeweicht wurde.
Das Niesen — zwischen Medizin und prophetischer Überlieferung
Das Niesen ist ein Schutzreflex: Ein Reiz in der Nasenschleimhaut löst einen explosionsartigen Luftstoß aus, der Fremdkörper, Keime und Reizstoffe aus der Nase treibt. Die Luft erreicht dabei Geschwindigkeiten von bis zu 160 km/h und kann Tröpfchen über mehrere Meter verteilen.
Der Prophet, Friede sei mit ihm, hat gelehrt, beim Niesen die Hand oder ein Tuch vor Mund und Nase zu halten und die Stimme zu dämpfen — eine Weisung, die die moderne Infektionsepidemiologie vollständig bestätigt. Er lehrte auch, dass der Niesende „al-ḥamdu lillāh“ (Lob sei Gott) sagen solle, und dass derjenige, der es hört, mit „yarḥamuka llāh“ (Gott erbarme sich deiner) antworte.
Scheich al-Qaradawi kommentiert: „In dieser prophetischen Weisung liegt eine bemerkenswerte Vereinigung von Gottesdankbarkeit und sozialer Verantwortung — der Niesende dankt Gott für die Gesundheit und der Nächste bittet für ihn um Erbarmen. Gleichzeitig wird durch das Abdecken des Mundes die Übertragung von Krankheitserregern verhindert.“