الدكتور موفق قويدر · نظرات في الطبِّ والأدبِ والإسلام

Ernährungsgesundheit — Anatomie des Verdauungstrakts

In Gottes Namen, dem Barmherzigen, dem Erbarmungsvollen.

Ernährungsgesundheit zwischen Medizin und Islam — Anatomisch-funktionelle Übersicht

Dieses Unterkapitel behandelt sechs Themenbereiche: eine anatomisch-funktionelle Übersicht des Verdauungstrakts, die Etikette beim Essen, islamische Gesundheitsregeln, verbotene Unreinheiten, erlaubte Güter sowie den Einfluss der Ernährung auf den Charakter.

Der Verdauungstrakt — anatomisch und funktionell

Der Mund

Der Mund ist der erste Abschnitt des Verdauungsschlauchs. Der Verdauungsvorgang im Mund umfasst das Kauen der Speisen — eine Funktion, die unmittelbar mit den Zähnen und den Speicheldrüsen zusammenhängt.

Die Zähne

Die bleibenden Zähne werden nach Form und Funktion in drei Gruppen eingeteilt:

  • Schneidezähne (Incisores) — vier je Kiefer, in der Mitte des Zahnbogens. Sie dienen dem Abbeißen der Nahrung.
  • Eckzähne (Canini) — je zwei pro Kiefer, neben den Schneidezähnen. Sie reißen die Nahrung auf.
  • Mahlzähne (Molares) — zehn je Kiefer, fünf rechts und fünf links. Sie unterteilen sich in vordere (Prämolaren) und hintere (Molaren, sogenannte Weisheitszähne). Sie zermahlen die Speisen.

Die Mundschleimhaut und die Zunge sind reich an Nervenendigungen, die an Tast-, Schmerz- und Wärmeempfindungen beteiligt sind — ebenso wie die Geschmacksknospen auf der Zungenoberfläche. Beim Eintritt der Nahrung in den Mund beginnt der Verdauungsvorgang durch das Kauen, die Durchmischung mit Speichel und den Beginn der chemischen Aufspaltung von Kohlenhydraten.

Die Speicheldrüsen

Es gibt drei große Speicheldrüsen:

  • Die Ohrspeicheldrüse (Parotis) — die größte der drei
  • Die Unterkieferdrüse (Glandula submandibularis) — kleiner
  • Die Unterzungendrüse (Glandula sublingualis) — die kleinste

Der Speichel erfüllt mehrere wichtige Funktionen:

  • Anfeuchten des Bissens — besonders trockener Nahrung — was das Schlucken erleichtert
  • Enzymatische Aufspaltung von Stärke durch das Enzym Amylase (Ptyalin)
  • Erleichterung des Sprechens durch Befeuchtung von Zunge und Lippen
  • Ausscheidung bestimmter Stoffe wie Blei, Quecksilber und Jod über den Speichel

Der Rachen (Pharynx)

Der Rachen ist der Kreuzungspunkt von Speise- und Luftweg. Beim Schlucken schließt der Kehldeckel (Epiglottis) den Kehlkopfeingang, damit die Nahrung nicht in die Luftröhre gerät — ein präziser Reflexmechanismus, der in Bruchteilen einer Sekunde abläuft.

Die Speiseröhre (Ösophagus)

Die Speiseröhre ist ein etwa 25 cm langer Muskelschlauch, der den Rachen mit dem Magen verbindet. Sie befördert die Nahrung durch wellenförmige Muskelkontraktionen (Peristaltik) in den Magen — auch gegen die Schwerkraft, was erklärt, warum man im Liegen oder sogar auf dem Kopf stehend schlucken kann.

Der Magen

Der Magen gliedert sich anatomisch in vier Abschnitte:

  • Fundus — der obere Gewölbeanteil
  • Corpus — der Hauptkörper
  • Antrum — der untere Abschnitt
  • Pylorus — der Magenausgang mit dem Schließmuskel zum Zwölffingerdarm

Die Magenschleimhaut enthält drei Zelltypen: schleimproduzierender Zellen, Belegzellen (die Salzsäure und den Intrinsic Factor produzieren) sowie Hauptzellen (die Pepsinogen, eine Vorstufe des eiweißspaltenden Enzyms Pepsin, absondern).

Der Magen erfüllt mehrere Funktionen: Er durchmischt und zerkleinert die Nahrung, tötet durch seine Salzsäure Keime ab, sondert das Hormon Gastrin ab und bildet den Intrinsic Factor, der für die Aufnahme von Vitamin B12 im Dünndarm unentbehrlich ist. Der durch Magensaft und -bewegung entstandene breiige Nahrungsbrei heißt Chymus — er wird portionsweise durch den Pylorus in den Zwölffingerdarm abgegeben.

Der Dünndarm

Der Dünndarm ist mit 4 bis 6 Metern Länge der längste Abschnitt des Verdauungstrakts. Er gliedert sich in Zwölffingerdarm (Duodenum), Leerdarm (Jejunum) und Krummdarm (Ileum). Hier findet der Hauptteil der Verdauung und Nährstoffaufnahme statt. Die Schleimhautfalten, Zotten und Mikrozotten vergrößern die Resorptionsfläche auf etwa 200 Quadratmeter — die Fläche eines Tenniplatzes.

Im Dünndarm werden Gallen- und Pankreassekrete zugegeben, die Fette, Eiweiße und Kohlenhydrate weiter aufschließen. Vitamine, Mineralstoffe, Aminosäuren, Fettsäuren und Zucker werden hier in den Blutkreislauf aufgenommen.

Der Dickdarm

Der Dickdarm resorbiert Wasser und Elektrolyte aus dem unverdaulichen Rest und formt den Stuhl. Er beherbergt eine enorme Anzahl von Bakterien — die Darmflora (Mikrobiom) — die eine zentrale Rolle für Immunsystem, Vitaminsynthese und Stoffwechsel spielen.

Beim Neugeborenen ist der Darm noch steril. Kurz nach der Geburt scheidet das Kind das Mekonium aus — eine grünlich-schwarze, zähe Substanz, die Gallenpigmente, Schleim und abgestoßene Epithelzellen enthält. In den ersten Lebenstagen besiedeln Bakterien aus dem Geburtskanal der Mutter den Darm des Kindes und legen damit den Grundstein für dessen Immunsystem.

Diese anatomische und physiologische Kenntnis des Verdauungssystems ist der Schlüssel zum Verständnis der islamischen Ernährungsregeln — denn der Islam hat Gebote und Verbote für die Ernährung erlassen, die in ihrer Weisheit weit über das bloß Kulturelle hinausgehen und heute durch die Medizin und Ernährungswissenschaft bestätigt werden.